Betreff
Jugendsozialarbeit an Schulen Bedarfserhebung und Umsetzungsvorschlag
Vorlage
513/007/2022
Aktenzeichen
V/51
Art
Beschlussvorlage

1. Der Bericht der Verwaltung zur Kenntnis genommen

2. Der Jugendhilfeausschuss stellt den Bedarf für Jugendsozialarbeit an Schulen für die unten aufgezeigten Schulen fest.

3. Der JHA und der Stadtrat befürworten die aufgezeigte Vorgehensweise der Umsetzung.

4. Die Verwaltung wird mit der Umsetzung beauftragt.

 

1.    Ergebnis/Wirkungen
(Welche Ergebnisse bzw. Wirkungen sollen erzielt werden?)

Mit Beschluss des Jugendhilfeausschusses vom 04.02.2021 wurde die Verwaltung beauftragt, eine Bedarfserhebung für Jugendsozialarbeit an Schulen an allen Erlanger Schulen zu erstellen sowie einen Vorschlag für die Umsetzungsreihenfolge vorzulegen.

Zu diesem Zwecke wurden alle Erlanger Schulen, die derzeit noch über keine JaS-Fachkraft verfügen angeschrieben und über das bevorstehende Verfahren informiert. Damit einher ging eine allgemeine Information über die Aufgaben und Rahmenbedingungen der Jugendsozialarbeit an Schulen in Erlangen. Diese schriftlichen Informationen wurden durch eine online-Informationsveranstaltung für Schulleitungen ergänzt.

 

Nicht alle Schularten sind zum aktuellen Zeitpunkt nach dem JaS-Förderprogramm der Bayerischen Staatsregierung förderfähig – der Kommune steht es jedoch frei, die JaS an der Schule ohne Zuschuss des Landes zu betreiben. Dem Beschluss des JHA folgend spielte dies bei der nachfolgenden Reihung keine Rolle und wird nur nachrichtlich vermerkt.

 

 

Schulart

angeschrieben

geantwortet[1]

Förderfähig

bereits geschaffen

Grundschule

7

4

ja

8

Realschule

1

-

ja

1

Förderschule

2

1

Nein

1

Wirtschaftsschule

1

-

ja

 

Gymnasium

6

4

nein

 

Privatschule

3

1

nein

 

Berufliche Schule

2

1

nein

1

 

22

11

 

 

 

Die Befragung gliederte sich in zwei unterschiedliche Befragungsinstrumente.

·         Einen Fragebogen für Schulleitungen. In diesem wurden neben Eckdaten zur jeweiligen Schule auch Problemthemenkomplexe abgefragt, mit denen sich die Schule konfrontiert sieht. Der Bogen orientiert sich dabei inhaltlich an den Kriterien des Verwendungsnachweises der Bayerischen Staatsregierung im Rahmen des Förderprogramms JaS.

·         Einen Fragebogen für Lehrkräfte. In diesem werden die Lehrkräfte zur Häufigkeit von Auftreten und Unterstützungsbedarf in einzelnen Themenfeldern befragt, die an den anderen Schulen den Arbeitsalltag von JaS-Fachkräften bilden. Die Weitergabe an die Lehrkräfte erfolgte durch die Schulleitungen.Pro Schule sollten jeweils mindestens fünf Lehrkräfte teilnehmen. Dieses Mindestmaß wurde von allen teilnehmenden Schulen erreicht bzw. übertroffen.

In Bezug auf den Schulleitungsfragebogen gehen folgende Kategorien in die Betrachtung ein:

·         Migration und Fremdheit

·         Familiäre Situation

·         Auffälliges Verhalten von Schüler*innen

·         Beschäftigung der SL mit schwierigen Einzelfällen

·         Kooperation mit der Polizei

·         Kooperation mit der Kinder- und Jugendpsychiatrie

·         Veränderung der Situation in den vergangen fünf Jahren

·         Sonstiges

In Bezug auf den Lehrkraft-Fragebogen gehen folgende Kategorien in die Betrachtung ein. Alle Kategorien unterteilen sich nochmals in mehrere Einzelangaben:

·         Schulsituation

·         Zuhause, Familie, Alltag

·         Persönlichkeitsentwicklung und Gesundheit

·         Konflikte, Aggression und Gewalt

·         Verhalten und Regelverletzungen

·         Besondere Herausforderungen

·         Belastungserleben seitens der Lehrkraft

·         Sonstiges

Bei allen Angaben des Lehrkräftebogens wurde sowohl die Häufigkeit der Themenfelder, als auch der durch die Lehrkräfte ausgedrückte Unterstützungsbedarf berücksichtigt.

 

Bereits sehr frühzeitig im laufenden Prozess wurde deutlich, dass der Bedarf von JaS-Fachkräften und deren positive Auswirkungen im präventiven Bereich für alle der teilnehmenden Schulen grundsätzlich zu bejahen ist. Hierzu wurden die von den Schulen angesprochen Themen- und Entwicklungsfelder mit den aus den laufenden JaS-Stellen als relevant bekannten Themen verglichen. Dem Auftrag des JHA folgend, erstellte die Jugendhilfeplanung eine priorisierende Reihung zur Umsetzung. Da der Einsatz von JaS für alle beteiligten Schulen für grundsätzlich sinnvoll erachtet werden kann, ist ein Platz auf den hinteren Plätzen der Reihung somit nicht gleichzusetzen mit einem seitens der JHP nicht gesehenen Bedarf. Sie stellt lediglich angesichts endlicher Ressourcen einen datenbasierten Vorschlag für eine Umsetzungsreihenfolge dar.
Entsprechend basiert die Reihung auch nicht auf einer absoluten Basis (Problem ja/nein), sondern vielmehr auf einer relativen Grundlage im Verhältnis zu den Aussagen der jeweils anderen Schulen (mehr/weniger/gleich).

Zur Erstellung der priorisierenden Reihung wurden die Ergebnisse des Schulleitungsbogens, des Lehrkräftebogens sowie statistische Daten zu den Rahmenbedingen der einzelnen Schulen jeweils einzeln gereiht und über ein Standardpunktverfahren miteinander in Beziehung gesetzt. Themenfelder, die aus den Erlanger Schulen mit JaS-Fachkräften bereits als besonders häufig und relevant bekannt sind, gingen mit einem positiven Gewichtungsfaktor in die Betrachtung ein. Zu nennen sind hier insbesondere: Psychische Belastung, Familiäre Situation, Beziehung und Schulische Laufbahn.

 

Der direkte Vergleich von verschieden Schultypen bzw. von Grundschulen und weiterführenden Schulen ist methodisch nicht ohne Schwierigkeit zu lösen, werden hier doch z.T. sehr unterschiedliche Rahmenbedingungen miteinander verglichen. Letztlich hat sich die Verwaltung dennoch dazu entschieden, keine getrennten Ranglisten für Grundschulen und Weiterführende Schulen anzugeben. Zum einen, da mit der Georg Zahn Schule und der Montessorischule zwei Schulen sowohl über einen Grundschul- als auch über einen weiterführenden Schulteil verfügen, was eine Trennung in sich bereits verunmöglicht, zum andern vom Ende des Prozesses hergedacht, da letztlich auf alle Schulen eine endliche Anzahl an Fachkraftstellen aufgeteilt werden müssen.

 

Nach Einbezug aller oben genannten Komponenten ergibt sich folgender Reihungsvorschlag von zu schaffenden Stellen an neuen Einsatzorten:

 

Ohm-Gymnasium

Grundschule Erlangen-Dechsendorf

Georg-Zahn Schule

Heinrich-Kirchner-Schule
Albert-Schweizer-Gymnasium

Grundschule Frauenaurach

Montessori-Schule

Staatliche Fachoberschule und Berufsoberschule Erlangen

Städt. Marie-Therese-Gymnasium

Gymnasium Fridericianum

Grundschule Erlangen-Eltersdorf

Kamen mehrere Schulen auf einen identischen Standardpunktwert, so sind sie gemeinsam in einer Tabellenzelle dargestellt

 

Weiterer Bedarf an Schulen mit bereits vorhandenen Stellen JaS

Die fachliche Prüfung des Bedarfs an JaS ist auch an den Schulen, die bereits über JaS verfügen, Aufgabe des Fachbereichs. An drei Schulen ist nach fachlicher Einschätzung und Rücksprache mit den Schulleitungen bereits jetzt die vollumfassende Erfüllung der Aufgaben nicht mehr gegeben.

 

Ernst-Penzoldt-Mittelschule

Aktuell ist dort 1 VZÄ an JaS verortet. Hier ist eine Aufstockung um 0,5 VZÄ angezeigt. Begründung: Die Schülerzahlen, die Fallzahlen, sowie die Komplexität der Fallbearbeitung sind in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Die Fachkraft kann einen Teil ihrer Arbeit nach Arbeitsplatzbeschreibung nicht mehr erfüllen (komplette Projektarbeit mit Gruppen und Klassen, Priorisierung der Einzelfälle nötig). Es wurde eine Überlastungsanzeige gestellt. Im Schuljahr 2022/23 wird zudem noch mit der Partnerklasse ein neues Modell der inklusiven Beschulung an der Ernst-Penzoldt-Schule installiert, welches zur gelingenden Integration in die Schulgemeinschaft Unterstützung seitens der JaS bedarf.

 

Berufsschule

Derzeit ist an der Berufsschule 1 VZÄ verortet. Hier ist eine Aufstockung um 1,0 VZÄ angezeigt. Begründung: Besonders hohe Fallzahlen mit komplexen Fallbearbeitungen. In den letzten Jahren waren immer wieder befristete Arbeitszeiterhöhungen und Mehrarbeit nötig. Zudem sind die Herausforderung besonders im Bereich der BVJ-k stark gestiegen. Seitens des Kultusministeriums wird zum Schuljahr 2022/23 der Aufgabenbereich „Ergänzende sozialpädagogische Betreuung von Schülerinnen und Schülern mit Flucht- bzw. Migrationshintergrund in den Fachklassen der Berufsschulen“ (aktuell durch die GGFA geleistet) nicht mehr gefördert und mit veranschlagten 16 Wochenstunden an die JaS übertragen.

 

Pestalozzi-Grundschule

Aktuell ist dort 1 VZÄ an JaS verortet. Hier ist eine Aufstockung um 0,5 VZÄ angezeigt. Begründung: Die Fallzahlen, sowie die Komplexität der Fallbearbeitung sind in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Dies wurde bereits vor einigen Jahren von der Schulleitung im JHA ausgeführt.

 

 

2.    Programme / Produkte / Leistungen / Auflagen
(Was soll getan werden, um die Ergebnisse bzw. Wirkungen zu erzielen?)

 

3.    Prozesse und Strukturen
(Wie sollen die Programme / Leistungsangebote erbracht werden?)

Umsetzungsvorschlag:

Auf Grundlage dieser Bedarfserhebung und dem Priorisierungsvorschlag empfiehlt die Verwaltung nachfolgende Umsetzung. Diese berücksichtigt die Dringlichkeit der Bedarfe und die dazu gehörigen Stellenvolumina für die JaS-Fachkräfte (basierend auf Bedarfserhebung, Schülerzahlen, Erfahrungen von anderen Stadtorten). Ebenfalls berücksichtigt sind die Ergebnisse der Organisationsuntersuchung von gfaPublic aus dem Jahr 2019 bzgl der Führungsspannen und bereits zum Zeitpunkt des Gutachtens fehlenden Stellenressourcen der Sachgebietsleitungen.

 

Gemäß dem Stadtratsbeschluss vom 26.04.2018 sollen vorbehaltlich des Stellenplanverfahrens zwei Stellen pro Jahr geschaffen werden. Eine vollständige Ausstattung der Schulen mit Jugendsozialarbeit, nach derzeitiger Erhebung, würde folglich sieben Jahre ab 2023 bis 2030 dauern.


Standort

Stellenvolumen VZÄ

Förderfähigkeit

Bereits vorhandene Ressourcen

Jahr der Umsetzung

Sachgebietsleitung

0,77

-

 

2023

Ernst-Penzoldt-Mittelschule

0,5

Ja

JaS

2023

Berufsschule

1,0

Ja

JaS

2023

Pestalozzi-GS

0,5

Ja

JaS

2023

Sachgebietsleitung

0,77

-

 

 

Ohm-Gymnasium

1,0

Nein

Schulsozialpädagogik

2024

Grundschule Dechsendorf

0,77

Ja

-

2024

Georg-Zahn-Schule

1,0

nein

 

2026

Heinrich-Kirchner-GS

1,0

Ja

-

2026

Albert-Schweitzer-Gymnasium

1,0

nein

Schulsozialpädagogik

2027

GS Frauenaurach

0,77

Ja

-

2027

Montessorischule

1,0

nein

 

2028

Staatl. FOS/BOS

1,0

nein

-

2028

Städt. Marie-Theres-Gymnasium

1,0

nein

-

2029

Gymnasium Fridericianum

0,77

nein

-

2029

GS Eltersdorf

0,5

Ja

Schulsozialpädagogik

2030

 

 

 

 

 

 

Dies ergibt ein Gesamtvolumen an 11,81 VZÄ für die Fachkräfte in Entgeltgruppe 12 TVÖD und 1,54 VZÄ für die Sachgebietsleitung in Entgeltgruppe 17 TVÖD. Die Schaffung der Sachgebietsleiterstellen sollten im Vorgriff auf die Schaffung der Fachkräftestellen entstehen, da es hier eine Zeit der Vorbereitung und Abstimmungen inhaltlicher und struktureller Art vor Beginn der JaS an neuen Standorten benötigt.

 

Nach Beschluss der Stellen durch den Stadtrat wird die Verwaltung die Förderung für die JaS-Stellen in Höhe von 16360 Euro pro Jahr und Vollzeitstelle bei der Regierung von Mittelfranken beantragen.

 

 

4.    Klimaschutz:

 

Entscheidungsrelevante Auswirkungen auf den Klimaschutz:

 

                ja, positiv*

                ja, negativ*

                nein

 

Wenn ja, negativ:

Bestehen alternative Handlungsoptionen?

 

                 ja*

                 nein*

 

*Erläuterungen dazu sind in der Begründung aufzuführen.

 

 

Falls es sich um negative Auswirkungen auf den Klimaschutz handelt und eine alternative Handlungsoption nicht vorhanden ist bzw. dem Stadtrat nicht zur Entscheidung vorgeschlagen werden soll, ist eine Begründung zu formulieren.

 

 

5.    Ressourcen
(Welche Ressourcen sind zur Realisierung des Leistungsangebotes erforderlich?)

Investitionskosten:

bei IPNr.:

Sachkosten:

bei Sachkonto:

Personalkosten (brutto):

bei Sachkonto:

Folgekosten

bei Sachkonto:

Korrespondierende Einnahmen

bei Sachkonto:

Weitere Ressourcen

 

 

Haushaltsmittel

                 werden nicht benötigt

                 sind vorhanden auf IvP-Nr.      

                               bzw. im Budget auf Kst/KTr/Sk        

                         sind nicht vorhanden



[1] Zwei der antwortenden Schulen, die Georg-Zahn, sowie die Montessorischule verfügen sowohl über einen Grundschul- als auch einen weiterführenden Schulteil

Anlagen: