Betreff
ESTW AG: Bevollmächtigung für die Beschlussfassungen der Hauptversammlung am 26.07.2024
Vorlage
BTM/088/2024
Aktenzeichen
II/BTM
Art
Beschlussvorlage

Herr berufsmäßiger Stadtrat Thomas Ternes wird bevollmächtigt, die Stadt Erlangen in der Ordentlichen Hauptversammlung 2024 der ESTW AG als Aktionärsvertreter zu vertreten und zu den folgenden Beschlussempfehlungen die Zustimmung zu erteilen:

 

-       Das Jahresergebnis des Geschäftsjahres 2023 in Höhe von 7.951.607,91 € wird in voller Höhe in die Bilanzposition „andere Gewinnrücklagen“ eingestellt.

-       Den Mitgliedern des Vorstands wird für das Geschäftsjahr 2023 Entlastung erteilt.

-       Den Mitgliedern des Aufsichtsrates wird für das Geschäftsjahr 2023 Entlastung erteilt.

-       Zum Abschlussprüfer für das Geschäftsjahr 2024 wird die Göken, Pollak und Partner Treuhandgesellschaft mbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft/Steuerberatungsgesellschaft, Bremen gewählt.

 


Zu den o.g. Beschlussvorlagen hat sich der Aufsichtsrat der ESTW AG in seiner Sitzung am 05.07.2024 beraten und seine Beschlussempfehlungen an die Hauptversammlung der ESTW AG am 26.07.2024 ausgesprochen. In der Hauptversammlung der ESTW AG wird die Aktionärin Stadt Erlangen von Herrn berufsmäßiger Stadtrat Ternes vertreten. Gemäß § 3 Abs. 12 i.V.m. § 4 Abs. 12 der Geschäftsordnung des Erlanger Stadtrats hat der Stadtrat das Weisungsrecht für die Stimmabgaben des Vertreters der Stadt Erlangen in der Hauptversammlung der ESTW AG.

 

1.   Jahresabschluss der ESTW AG zum 31.12.2023

Der Jahresabschluss und der zusammengefasste Lagebericht der ESTW AG sowie die Jahresabschlüsse und Lageberichte des Konzerns und der Tochtergesellschaften für das Geschäftsjahr 2023 wurden zum fünften Mal in Folge von der BBH AG, Wirtschaftsprüfungsgesellschaft München geprüft und mit einem uneingeschränkten Bestätigungsvermerk versehen. Der Auftrag umfasste auch die Prüfung nach § 53 HGrG über die Ordnungsmäßigkeit der Geschäftsführung.

 


 

Kennzahlen zum Jahresabschluss 2023 der ESTW AG im Vergleich zu den beiden Vorjahren:

 

2023

2022

2021

Bilanz

 

 

 

Bilanzsumme (T€)

352.512

299.640

285.051

Anlagendeckungsgrad (EK/AV)

57,4%

54,9%

53,3%

Investitionen (T€)

28.783

25.791

32.587

Kreditaufnahme (T€)

12.500

20.400

0

Gewinn- und Verlustrechnung

 

 

 

Umsatz (T€)

346.377

228.737

186.378

davon Strom Netz

           Strom Sonstige Aktivitäten

           Erdgas Netz

           Erdgas Sonstige Aktivitäten

           Nah- und Fernwärme

           Wasser

           Sonstige Aktivitäten

16.841

145.150

2.962

64.168

87.074

19.196

10.986

15.311

90.099

2.470

31.114

59.098

20.116

10.529

17.707

73.559

2.479

16.577

46.889

19.568

9.598

Personalaufwand (T€)

Verlustübernahmen (T€)

45.950

17.969

44.754

12.062

40.358

12.392

(nachrichtl.: Steuervorteil durch steuerl. Querverbund, T€)

 

(5.615)

 

(3.906)

 

(4.170)

Jahresergebnis (T€)

+7.952

+6.614

+6.623

Sonstiges

 

 

 

Anzahl der Mitarbeiter im Jahres-

654

632

589

Cash-Flow nach DVFA/SG*) (T€)

25.269

25.106

21.617

Leistungsdaten

 

 

 

Stromprod. aus erneuerbaren Energien (Mio. kWh)

Abgabe an Kunden (Mio. kWh)

   Strom (Mio. kWh)

   Erdgas (Mio. kWh)

   Nah- und Fernwärme (Mio. kWh)

   Wasser (Mio. m3)

 

58,8

 

390,5

286,1

343,4

7,1

 

42,9

 

417,9

291,9

380,0

8,5

 

39,9

 

310,1

326,4

445,1

8,0

Verteilungsnetz (km)**)

 

 

 

   Strom

   Erdgas

   Fernwärme

   Wasser

1.073,8

255,3

106,3

339,0

1.062,7

255,4

103,7***)

336,6

1.060,2

253,6

104,6

336,5

*)    Cash-Flow nach DVFA/SG = Jahresergebnis + Abschreibungen +/- Veränderung d. langfristigen Rückstellungen +/- sonstige zahlungsunwirksame wesentliche Aufwendungen und Erträge, ohne Sondereinflüsse

**)   ohne Hausanschlussleitungen

***)  Verringerung aufgrund statistischer Korrekturen

 


 

Das Jahr 2023 war weitestgehend noch durch hohe Preise an den Energiemärkten geprägt. Trotz eines Rückgangs der Abgabe bei allen drei Medien Strom, Gas und Wärme aufgrund von Energiesparmaßnahmen bei den Kunden sowie der im Vergleich zum Vorjahr wärmeren Witterung stiegen die Umsatzerlöse um 117,6 Mio. € bzw. 51,4%. Gegenläufig entwickelte sich die Stromproduktion aus erneuerbaren Energien, deren Einspeisung im Tagesverlauf auch bei hohem Angebot und daher niedrigen Spotmarktpreisen erfolgt. Sie konnte um 37,1% gesteigert werden, aber der Umsatz aus der regenerativen Stromproduktion sank um 23,7% (-1,8 Mio. €) gegenüber dem Vorjahr.

An außergewöhnlichen Erträgen sind Zuschüsse für die Strompreisbremse i.H.v. 816 T€ zu verzeichnen, die in den sonstigen betrieblichen Erträgen enthalten sind (Vj.: 2,7 Mio. € für eine Schadensersatzleistung).

Der Materialaufwand nahm um 75,8% zu, insbesondere wegen der gestiegenen Energiepreise. Mit 103,9 Mio. € fiel diese Steigerung betragsmäßig jedoch deutlich geringer aus als die Umsatzsteigerung. Der Personalaufwand erhöhte sich aufgrund von tariflichen Lohnanpassungen, Personalmehrbedarf und Inflationsausgleichszahlungen um 1,2 Mio. € (+2,7%).

Die Verlustübernahme betrifft die ESTW Stadtverkehr GmbH, mit der ein Ergebnisabführungsvertrag besteht.

Insgesamt konnte das Jahresergebnis der ESTW AG mit rd. 8 Mio. € noch einmal deutlich gegenüber dem bereits sehr guten Ergebnis des Vorjahres gesteigert werden.

Investiert wurden im Geschäftsjahr 2023 insgesamt 28,8 Mio. €, im Wesentlichen in die Versorgungsnetze (18,6 Mio. €), in die Fernwärmeerzeugung (3,0 Mio. €, überwiegend für den mit dem Kohleausstieg verbundenen Um- und Neubau der Kesselanlagen im Heizkraftwerk, die Erweiterung und den Ersatz der Leittechnik sowie die Erneuerung der Wasseraufbereitung im Heizkraftwerk), in Wassergewinnung, -aufbereitung und -speicherung (1,5 Mio. €), in den Telekommunikationsbereich (2,0 Mio. €) und in den IT-Bereich (0,5 Mio. €).

Im Jahr 2023 hat die Stadt eine Einzahlung in die Kapitalrücklage der ESTW in Höhe von 640 T€ geleistet. Zusammen mit der vorgesehenen Gewinnthesaurierung verbesserte sich trotz der unverändert hohen Investitionstätigkeit die bereits sehr gute Eigenkapitaldeckung des Anlagevermögens auf 57,4%.

Die Bilanz und die Gewinn- und Verlustrechnung der ESTW AG für das Geschäftsjahr 2023 sind als Anlage beigefügt. Der vollständige Jahresabschluss einschließlich Lagebericht und die Prüfberichte des Abschlussprüfers zum Konzern und den Konzernunternehmen können beim Beteiligungsmanagement der Stadt eingesehen werden.

 

Auszug aus dem Lagebericht der ESTW

Geschäftsverlauf

Nach einem auch an den Energiemärkten sehr turbulenten Jahr 2022 kam es im Jahr 2023 nach und nach zu einer gewissen Beruhigung mit Preisrückgängen an den Märkten. Durch die längerfristig angelegte Beschaffungsstrategie profitierten die ESTW-Kunden zunächst noch bis Ende 2023 von vergleichsweise sehr günstigen Strom- und Erdgaspreisen. Bis zu diesem Zeitpunkt kam es sogar noch zu weiteren Kundenzuwächsen. Ab dem Frühjahr 2023 änderte sich die Situation: Die Vergleichsportale rückten wieder mehr in den Mittelpunkt, insbesondere die Angebote für Neukunden nahmen stark zu und waren preislich – vor allem für rein wirtschaftlich denkende Kunden – durchaus interessant. Auch Verbraucherschützer und Politiker, die vor gar nicht langer Zeit die Bedeutung und dauerhafte Zuverlässigkeit kommunaler Stadtwerke betont hatten, empfahlen wieder den Wechsel des Anbieters. Diese Entwicklung ging auch an den ESTW nicht spurlos vorbei, die Kündigungen nahmen dann ab Sommer deutlich zu. Insgesamt sorgten aber nicht nur die Preispolitik der ESTW - größtenteils mit Angeboten unterhalb der staatlichen Preisbremsen – sondern vor allem Qualitätsmerkmale wie Service, telefonische Erreichbarkeit, digitale Möglichkeiten sowie das über viele Jahre positiv aufgebaute Marken-Image für eine weiterhin hohe Kundentreue.

 

Nach Auffassung des ESTW-Vorstandes sind die Gesamtentwicklung und die wirtschaftliche Lage der ESTW im Geschäftsjahr 2023 als sehr zufriedenstellend einzuschätzen.

 

Risiken und Chancen

Durch die stetig sinkenden Preise wird sich die Wettbewerbssituation für die ESTW in den Endkundenmärkten wieder verschärfen. Jedoch ist davon auszugehen, dass die Zuverlässigkeit der ESTW während der Energiekrise und der Stadtwerke-Branche generell noch einige Zeit einen möglicherweise abschmelzenden Wettbewerbsvorteil verschafft.

Vor dem Hintergrund der finanziellen Stabilität sehen sich die ESTW für die Bewältigung der künftigen Risiken gut aufgestellt.

Die Versorgungssicherheit ist trotz des Kostendrucks aus der Anreizregulierung für die ESTW ein wichtiges Unternehmensziel. Aus dem Anlagenbereich waren weiterhin keine Risiken für das Unternehmensergebnis erkennbar.

Durch die die Sicherung weiterer Mengenkontingente bei regionalen Fernwasserversorgern wird die Wasserversorgung in Zukunft noch sicherer. Die zuletzt trockeneren und heißeren Sommer stellen für Erlangen kein Problem dar. Im Heizkraftwerk und am Standort Frauenaurach stehen ausreichend Erzeugungskapazitäten für die Wärmeerzeugung zur Verfügung., um auch einen Mehrfachausfall abzudecken. Zusätzliche Anlagen aus erneuerbaren Energiequellen befinden sich in einem noch frühen Planungsstadium.

Die Margen für die Verstromung von Gas an den Terminmärkten sind auch im Jahr 2024 auf niedrigem Niveau. Durch Termingeschäfte für die Jahre 2024 bis 2026 wurde bereits ein Teil der Erzeugungsmarge gesichert.

Die regenerative Stromerzeugung besteht – neben Wasserkraftwerken und Photovoltaikanlagen kleiner als 1 MW – überwiegend aus Windkraftanlagen mit einer installierten Leistung von ca. 29 MW. Die Windkraftanlagen sind durch Vollwartungsverträge mit hoher Verfügbarkeitsgarantie abgesichert.

Die ESTW haben im Allgemeinen weiterhin eine starke Position durch ihre Kundennähe bei gleichzeitig wettbewerbsfähigen Preisen. Als 100ige Tochter der Stadt Erlangen (und damit ihrer Bürger) besteht u.a. eine starke emotionale Bindung der Bürger an „ihr“ Unternehmen. Somit rechnen die ESTW weiterhin mit einem sehr hohen Marktanteil im Privatkundengeschäft, auch wenn sich durch den Preisverfall, welcher sich im gesamten 1. Quartal 2024 fortgesetzt hat, der Wettbewerb um Endkunden nun wieder belebt.

 

2.      Gewinnverwendungsbeschluss

Der Vorstand schlägt vor, das Jahresergebnis 2023 i.H.v. 7.951.607,91 € in die Bilanzposition „andere Gewinnrücklagen“ einzustellen. Der Aufsichtsrat hat in seiner Sitzung am 5. Juli 2024 eine entsprechende Beschlussempfehlung an die Hauptversammlung beschlossen.

 

3.      Bestellung des Abschlussprüfers für das Geschäftsjahr 2024

Da die BBH AG, Wirtschaftsprüfungsgesellschaft München, die Jahresabschlüsse des ESTW Konzerns zum fünften Mal in Folge geprüft hat, wurde die Wirtschaftsprüfung für das Geschäftsjahr 2024 neu ausgeschrieben. Die Göken, Pollak und Partner Treuhandgesellschaft mbH, Bremen (GPP) hat eines der günstigsten Angebote abgegeben. GPP hat sich auf die Wirtschaftsprüfung und Beratung von Kommunen und Unternehmen in öffentlicher Hand spezialisiert, insbesondere im Bereich der Ver- und Entsorgung sowie des Verkehrs. Mit seiner Würzburger Niederlassung kann GPP eine konkurrenzfähige Leistungsqualität zusagen.

Der Aufsichtsrat hat in seiner Sitzung am 5. Juli 2024 beschlossen, der Hauptversammlung zu empfehlen, die Göken, Pollak und Partner Treuhandgesellschaft mbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft/Steuerberatungsgesellschaft, Bremen zum Abschlussprüfer für das Geschäftsjahr 2024 zu wählen.

 


Anlagen:        Bilanz und Gewinn- und Verlustrechnung 2023 der ESTW AG