Betreff
Vorstellung des Endberichts "Fahrplan Klima-Aufbruch"
Vorlage
31/156/2022
Aktenzeichen
VII/31
Art
Mitteilung zur Kenntnis

Der Endbericht und die Kurzversion Fahrplan Klima-Aufbruch wird zur Kenntnis genommen.

Eine Abstimmung über die Maßnahmen soll in der Stadtratssitzung am 27.10.2022 erfolgen. Die Verwaltung wird hierzu eine eigene Vorlage einbringen. 

In der Europäischen Metropolregion Nürnberg zählt Erlangen mit seinem Beschluss für das 1,5°C-Ziel und der Klimaneutralität vor 2030 zu den Vorreiterkommunen. Wie wichtig dieser Richtungswechsel hin zu ambitionierten Klimaschutz war, verdeutlichte die langandauernde Hitzewelle in diesem Sommer. Die Auswirkungen des Klimawandels haben Einzug in das Alltagsleben der Menschen gehalten: Beim Abendessen, auf der Arbeit oder beim sommerlichen Spaziergang entlang vertrockneter Wiesen war und ist der voranschreitende Klimawandel ein allgegenwärtiges Gesprächsthema. Engagierte Bürger*innen, ortsansässige Unternehmen und auch die Stadt Erlangen wurden bereits tätig und haben zahlreiche Projekte für ein zukunftsfähiges Erlangen angestoßen.

 

Der erarbeitete Fahrplan Klima-Aufbruch zeigt nun mit seinen 41 Maßnahmen zentrale Stellschrauben für erfolgreichen Klimaschutz auf.

 

Im Zeitraum von März bis September 2022 setzten sich die zwei Gremien „Stakeholder-Gruppe“ und „Bürger*innenrat“ unter der fachlichen Leitung des renommierten Forschungsinstituts ifeu aus Heidelberg in mehreren Sitzungen mit der Frage auseinander, welche Maßnahmen in Erlangen zu erfolgreichem Klimaschutz führen. Das Ergebnis dieses Aushandlungsprozesses ist der Fahrplan Klima-Aufbruch, ein Maßnahmenkatalog, dessen Umsetzung Erlangen auf den Weg zur Klimaneutralität führt.

 

Der Maßnahmenkatalog besteht aus insgesamt 41 Maßnahmen, verteilt auf fünf Handlungsfelder: Sektorübergreifend, Energieversorgung, Gebäude, Mobilität sowie Ernährung und Konsum. Die Maßnahmenausgestaltung für jedes Handlungsfeld orientierte sich an der Zielvorgabe eines klimaneutralen Erlangens.

 

Mit der Erstellung des Fahrplans Klima-Aufbruch wurde auf die wissenschaftliche Expertise des Forschungsinstituts ifeu gesetzt, damit Erlangen die richtigen Weichen für eine Klimaneutralität vor 2030 stellen kann. Dabei stand außer Frage, dass hierfür eine große gesellschaftliche Veränderungsbereitschaft und damit eine enge Einbindung von Vertreter*innen der Stadtgesellschaft vonnöten ist. Daher wurde ein bundesweit einzigartiger Weg der Beteiligung von Bürger*innen und Stakeholder gewählt.

 

Über 26 Wochen hinweg haben 25 durch Zufallsauswahl bestimmte Bürger*innen und über 35 Stakeholder aus Wirtschaft, Zivilgesellschaft, Wissenschaft, Verwaltung dafür ihre Zeit investiert: insgesamt 38 Stunden in sieben Sitzungen des Bürger*innenrats und der Stakeholder-Gruppe. Viele haben noch mehr Zeit investiert, um die Zwischenergebnisse abends mit ihren Familien und im Freundeskreis zu besprechen oder um sie in die eigene Organisation weiterzutragen und zu diskutieren. In den Gremien trafen Menschen aus den verschiedenen Stadtteilen Erlangens, jüngere und ältere, mit ganz unterschiedlichen Lebenswegen, Vorstellungen und Berufen aufeinander, um gemeinsam über die großen Zukunftsfragen zu diskutieren, zu ringen und zu streiten. Dies erfordert Mut und Offenheit von allen Beteiligten.

 

Mit dem Vorgehen für den Fahrplan Klima-Aufbruch wurde bewusst auf eine breite Beteiligung gesetzt, so konnte ein vielfältiges Meinungsbild eingeholt werden. Es sollten nicht nur Menschen angesprochen werden, die sich bereits für den Klimaschutz engagieren, sondern auch jene Menschen erreicht werden, die ihre Stimme sonst eher selten erheben. Dies gelang mit dem ersten Bürger*innenrat für Erlangen. Die Stakeholder wurden bewusst heterogen besetzt, wodurch der Austausch zwischen Menschen möglich war, die in früheren Zeiten vielleicht eher über- als miteinander sprachen. Statt unterschiedliche Lebensstile gegeneinander auszuspielen und die Ängste der Menschen zu instrumentalisieren, sollte auf den Sitzungen Raum geschaffen werden, um die besten Lösungen für die Zukunftsfähigkeit zu finden.

 

Die Beteiligung einer Vielzahl von Vertreter*innen aus ganz unterschiedlichen Bereichen bedeutete zugleich, dass jede und jeder Kompromisse eingehen musste und/oder in manchen Aushandlungsprozessen überstimmt wurde. ifeu musste in letzter Konsequenz auch den vom Stadtrat erhaltenen Auftrag erfüllen, einen Maßnahmenkatalog für ein klimaneutrales Erlangen zu erarbeiten, und unter dieser Zielvorgabe Beiträge abwägen. Für manche Beteiligte mögen ausgewählte Maßnahmen am Ende zu weitreichend sein. Auch diese Stimmen sollten gehört und sichtbar gemacht werden. Der Bürger*innenrat stimmte in seiner letzten Sitzung über jede einzelne Maßnahme ab, ob er sie dem Stadtrat zur Umsetzung empfiehlt oder nicht. Die Stakeholder konnten ihre Einschätzungen über eine Online-Befragung bis Mitte September abgeben. Beide Ergebnisse werden dem Stadtrat in der Oktober Sitzung zur Verfügung gestellt.

 

Die 41 Maßnahmen des Fahrplans Klima-Aufbruch zeigen, dass die anstehenden Veränderungen weit über das kommunale Handeln hinausreichen. Daher verpflichteten sich Stakeholder nach Möglichkeit, konkrete Maßnahmen aus dem Fahrplan zu unterstützen sowie Klimaschutzaktivitäten darüber hinaus anzustoßen. Der Bürger*innenrat formulierte zudem einen Vorschlag eines „Bürgerschaftsbeitrags“ mit Anregungen, wie jede und jeder im Alltäglichen etwas bewirken kann. Die Selbstverpflichtungen und der Bürgerschaftsbeitrag sind zentrale Bausteine des Stadtvertrags Klima, der in der Stadtratssitzung im Oktober zum Beschluss vorgelegt wird.

Die vorliegende Mitteilung hat zum Ziel, die Mitglieder des Stadtrats umfassend über die 41 Maßnahmen und den damit verbundenen Ressourcenbedarf zu informieren.

 

In der Oktober-Sitzung des Stadtrats soll über die Maßnahmen entschieden werden. Hierfür wird eine eigene Beschlussvorlage eingebracht, die folgende zusätzliche Informationen enthält:

 

·         Empfehlungsbericht mit Einschätzungen der beteiligten Bürger*innen und Stakeholder zu den einzelnen Maßnahmen

·         Priorisierungsvorschlag der Stadtverwaltung, welche Maßnahmen kurzfristig im Haushaltsjahr 2023 angegangen werden sollen  

 

Zudem wird der Stadtvertrag Klima zum Beschluss vorgelegt, der als Grundlage für die gemeinsame Zusammenarbeit zwischen der Zivilgesellschaft, Wirtschaft und Stadt Erlangen für die Umsetzung der Klimaziele dient.

 

Ausführliche Informationen zum Beteiligungsprozess sind unter www.erlangen.de/klima-aufbruch zu finden.

 

Anlagen:

Anlage 1: Endbericht Fahrplan Klima-Aufbruch

Anlage 2: Kurzfassung Fahrplan Klima-Aufbruch