Betreff
Integriertes Mobilitätsmanagement: Ergebnisse der Mitarbeiterbefragung zur Pendelmobilität
Vorlage
613/155/2013
Aktenzeichen
VI/61
Art
Mitteilung zur Kenntnis

Der Bericht der Verwaltung dient zur Kenntnis.

Durchführung der Befragung:

Im Rahmen des Projektes „Integriertes Mobilitätsmanagement“ wurde im Zeitraum von Oktober 2012 bis Februar 2013 bei den acht größten Erlanger Arbeitgebern (Areva, Erlanger Stadtwerke, Friedrich-Alexander-Universität, Klinikum am Europakanal, Siemens, Sparkasse-Erlangen, Stadt Erlangen und Universitätsklinikum) eine Mitarbeiterbefragung zur Pendelmobilität durchgeführt. 

Im gleichen Zeitraum wurde vom Institut für Geographie an der Friedrich-Alexander-Universität eine Mobilitätsbefragung bei den Studierenden der Universität, der Georg-Simon-Ohm-Hochschule und der Evangelischen Hochschule Nürnberg durchgeführt.

Die Ergebnisse der Mitarbeiterbefragung wurden den Auftraggebern (s. o.) am 17. Juli 2013 durch das Institut für empirische Soziologie (IfeS) vorgestellt. Die öffentliche Ergebnispräsentation erfolgt in der Stadtratssitzung am 26. September 2013.

Ziel der Befragung:

Forschungsziel der Befragung war es, Erkenntnisse über die räumliche Verteilung der Beschäftigten sowie deren Verkehrsmittelwahl zu gewinnen.

Der aktuelle und umfangreiche Datensatz bietet die Möglichkeit, Zusammenhänge in Bezug auf das Pendelverhalten der Erlanger Beschäftigten zu analysieren. Die Ergebnisse stellen eine wichtige Grundlage für die Erarbeitung der Verkehrskonzepte im Rahmen der Fortschreibung des Verkehrsentwicklungsplanes dar.

Die Erfassung des Pendelverhaltens der Studierenden ist nicht zuletzt aufgrund deren hohen Anzahl in Erlangen von besonderer Bedeutung und liefert wichtige Erkenntnisse u. a. für die Erstellung des Verkehrsentwicklungsplanes. An der studentischen Mobilitätsbefragung haben 10.555 Studierende teilgenommen. Die Rücklaufquote beträgt 22,5 % (Insgesamt 47.370 versendete Einladungen in zwei Befragungszeiträumen). Um eine Verschneidung mit der Mitarbeiterbefragung zu gewährleisten, wurden die Befragungsinhalte im Vorfeld mit der Verwaltung abgestimmt.  

Die Rücklaufquote bei der Befragung beträgt insgesamt über alle teilnehmenden Unternehmen und öffentlichen Institutionen 36,5 %. Nach Bereinigung der insgesamt 19.178 beantworteten Fragebögen (Ausschluss aufgrund von Unvollständigkeit und von Befragten, die ihren Arbeitsplatz nicht in Erlangen angegeben haben) stehen 17.370 auswertbare Bögen zur Verfügung.

Zusammenfassung der wichtigsten Befragungsergebnisse:

Nach ersten allgemeinen Auswertungen sowie der Analyse von Zusammenhängen zwischen einzelnen Indikatoren können folgende Ergebnisse berichtet werden:

Ø  Bei der Verkehrsmittelwahl (Nutzung im Sommer bzw. bei gutem Wetter) dominiert der motorisierte Individualverkehr (MIV) mit insgesamt 57,5 %. Mit dem Rad fahren 26,5 % und mit den öffentlichen Verkehrsmitteln 13,5 %. Zu Fuß gehen 2,6 %.

Ø  Die Wahl des Verkehrsmittels für den Weg zur Arbeit differiert sehr stark nach der räumlichen Herkunft der Beschäftigten und der Jahreszeit. So nutzen im Winter lediglich 14,8 % das Fahrrad. Die Abnahme des Radverkehrs im Winter führt zur Zunahme der Anteile der übrigen Verkehrsarten.

Ø  Die Verkehrsmittelwahl der Binnenpendler (Beschäftigte, die in Erlangen wohnen und arbeiten) unterscheidet sich deutlich von der der Einpendler (Beschäftigte, die in Erlangen arbeiten und außerhalb Erlangens wohnen). Das von den Binnenpendlern für den Weg zur Arbeit vorzugsweise genutzte Verkehrsmittel ist das Fahrrad (61,7 %; MIV 23,0 %; ÖPNV 7,8 %; Fuß 7,5 %). Bei den Einpendlern dominiert hingegen der MIV (74,9 %; ÖPNV 16,3 %; Fahrrad 8,7 %; Fuß 0,1 %).

Ø  Es besteht ein statistisch signifikanter Zusammenhang zwischen dem genutzten Hauptverkehrsmittel und der Parkplatzverfügbarkeit. Von den Beschäftigten, denen eine Parkmöglichkeit zur Verfügung steht, pendeln 63,7 % im Pkw als Fahrer oder Mitfahrer bzw. mit einem motorisierten Zweirad zur Arbeit. Dagegen nutzen drei Viertel der Mitarbeiter, denen keine garantierte Parkmöglichkeit zur Verfügung steht, die Verkehrsmittel des Umweltverbundes (ÖPNV, Fahrrad, zu Fuß) für den Weg zur Arbeit.  

Ø  Die Reisezeit für den Weg zur Arbeit ist bei den Einpendlern im Durchschnitt doppelt so hoch wie bei den Binnenpendlern.

Ø  Von den 10.291 Beschäftigten, die den Pkw für die längste Wegstrecke nutzen, gaben lediglich 22,5 % an, nicht darauf verzichten zu können. Diejenigen, die auf den Pkw verzichten können, gaben an, dass sie einen Umstieg auf den ÖPNV erwägen würden, wenn es bessere Bus- und Bahnverbindungen gäbe (61,4 %), wenn der Arbeitsplatz ohne Umsteigen erreichbar wäre (57,7 %) und/oder wenn sich die Reisezeit gegenüber der Fahrt mit dem Pkw nicht verlängern würde (57,8 %).

Ø  Abschließend wurden die Beschäftigten befragt, auf welche Maßnahmen sich die Erlanger Verkehrsplanung konzentrieren sollte. Mehrfachantworten waren hierbei möglich, bei denen 17.054 Befragte mindestens eine Antwort gaben:

o   Preissenkung im ÖPNV (39,4 %)

o   Bessere Busverbindungen ins Umland (33,5 %)

o   Bündelung des Autoverkehrs auf den Hauptverkehrsstraßen (28,6 %)

o   Bau eines schienengebundenen Nahverkehrsnetzes (28,3 %)

o   Häufigere Busverbindungen und mehr Haltestellen (22,2 %)

Weiteres Vorgehen:

Wie wichtig den Erlanger Beschäftigten das Pendeln und die damit verbundenen verkehrlichen Themen sind, drückt sich in der hohen Rücklaufquote sowie in der ungewöhnlich hohen Anzahl an Bemerkungen, Kommentaren und Vorschlägen aus, die die Befragten in einem Freifeld am Ende des Fragebogens geäußert haben (s. Anlage 1). Aufgrund der hohen Zahl der Befragungsteilnehmer steht eine umfassende empirische Grundlage zur Pendelmobilität der Erlanger Beschäftigten zur Verfügung.

Die Kommentare und Anregungen dienen der Verwaltung als wichtige Hinweise für verkehrliche Maßnahmen im Rahmen der Erstellung des Verkehrsentwicklungsplanes. Die gewonnenen Daten werden in nächster Zeit vertiefend analysiert und in den ebenfalls in Erarbeitung befindlichen Verkehrsbericht aufgenommen.

Die Mitarbeiterbefragung zur Pendelmobilität bei den größten Erlanger Arbeitgebern konnte im Rahmen des Projektes „Integriertes Mobilitätsmanagement“ erfolgreich durchgeführt werden. Neben den vorgenannten Anwendungen können die Daten auch für unternehmensspezifische Auswertungen herangezogen werden. Auf dieser Grundlage besteht die Möglichkeit für die Projektpartner in Zusammenarbeit mit dem Institut für empirische Soziologie und der Verwaltung mögliche Maßnahmen für das betriebliche Mobilitätsmanagement zu erarbeiten.

 

Anlagen: Anlage 1: Befragung zur Pendelmobilität in Erlangen – Fragebogen in Papierform