Betreff
Kulturpädagogisches Projekt "Alles was ich bin ... Bilder Figuren Objekte" im Rahmen des Int. Figurentheater-Festivals
Vorlage
KPB/026/2013
Aktenzeichen
IV/47/SA015
Art
Mitteilung zur Kenntnis

Der Bericht der Verwaltung dient zur Kenntnis.

 

1. Kontext

Die Stadt Erlangen startete im Jahr 2009 die für die nächsten Jahre angelegte „Bildungsoffensive“, die sich u. a. auch die Förderung und den nachhaltigen Ausbau der kulturellen Bildung zum Ziel gesetzt hat. In diesem Zusammenhang wurden vom städtischen Kulturprojektbüro konkrete Ideen und Projekte zur Förderung der kulturellen Bildung von Kindern und Jugendlichen und der Vernetzung der Akteure in der Stadt entwickelt. Dazu zählt unter anderem der 2010 gegründete „KS:ER – Kulturservice Erlangen für Schulen und Kitas“, der beim Kulturprojektbüro angesiedelt ist.

 

Das Kulturprojektbüro und der KS:ER setzen mit dem Projekt „Alles was ich bin … Bilder Figuren Objekte“ im Rahmen des Figurentheater-Festivals das im Arbeitsprogramm 2013 formulierte Leitziel konsequent um, konkrete kulturpädagogische Projekte mit innovativem und nachhaltigem Charakter unter Einbeziehung unterschiedlicher Zielgruppen und Einrichtungen zu entwickeln, die an das bereits bestehende kulturelle Angebot – in diesem Fall die städtischen Festivals – anknüpfen und im Ergebnis zu einer aktiven, intensiven und nachhaltigen Beteiligung von Kindern und Jugendlichen am kulturellen Leben der Stadt führen sollen. Das Projekt „Alles was ich bin … Bilder Figuren Objekte“ setzt genau hier an.

 

2. Zielsetzung des Projektes „Alles was ich bin … Bilder Figuren Objekte“

 

§  Kinder und Jugendliche in der Stadtgesellschaft aus allen Schularten sowie Horten und Lernstuben erhalten eine auf zwei Jahre angelegte Plattform der Begegnung und Beschäftigung mit dem Genre des Figuren-, Bilder- und Objekttheaters – im Vorfeld, während sowie über das 18. Internationale Figurentheater-Festival hinaus.

§  Die beteiligten Kinder und Jugendlichen befassen sich eigenständig sowie in Gruppen unter künstlerischer und pädagogischer Anleitung und Begleitung mit dem Genre des Figuren-, Bilder- und Objekttheaters, lernen es inhaltlich, künstlerisch sowie technisch kennen und beurteilen und werden über den Projektverlauf somit selbst zu „Experten“ dieser Theaterform.

§  Durch „selbst aktiv und kreativ werden“ erhalten sie die Möglichkeit, vielschichtige Erfahrungen in ästhetischen, kreativen, dramaturgischen und kognitiven Bereichen zu sammeln und damit auch im Rahmen des Gesamtprogramms des 18. Internationalen Figurentheater-Festivals in Form von ersten eigenen kleinen Präsentationen in die Öffentlichkeit zu treten.

§  Im Projektverlauf erhalten sie die Möglichkeit, an einem einrichtungsübergreifenden oder einrichtungsbezogenen Ensemble mitzuwirken und selbst eine Aufführung zu entwickeln, um dann mit der entstandenen Inszenierung beim Figurentheater-Festival 2015 in Erscheinung zu treten.

§  Parallel zur Stückentwicklung ergeben sich vielfältige Möglichkeiten zur flankierenden Projektbeteiligung – auch für weitere Einrichtungen oder P-Seminare, die erst im späteren Projektverlauf einsteigen möchten – in den Bereichen: Erstellen von Objekten und Figuren, Bühnenbild, Pressearbeit, Gestaltung des Schüler-Werkstatt-Tags, Veranstaltungstechnik, Entwicklung von Marketingideen, Organisation und Durchführung einer eigenen Pressekonferenz und vieles mehr.

§  Die beteiligten Kinder und Jugendlichen werden nicht nur Nutzer des städtischen, kulturellen Angebots, sondern prägen durch ihre Aktivitäten das kulturelle Leben der Stadt aktiv mit – sie werden selbst zu Agenten, zu Akteuren im kulturellen Feld.

 

3. Zielgruppe

 

§  Erlanger Schülerinnen und Schüler aller Schularten sowie Kinder und Jugendliche in Horten und Lernstuben in der Altersgruppe 6 bis 17 Jahre

§  insbesondere Kinder und Jugendliche aus bildungsfernen Schichten und Kinder mit besonderem Förderbedarf

§  über den gesamten Projektverlauf werden ca. 200 Schülerinnen und Schüler an dem Projekt teilnehmen

 

4. Projektzeitraum

 

2 Jahre – Frühjahr 2013 bis Frühjahr 2015

 

5. Arbeitsweise

 

Im Projektverlauf sollen verschiedene Arbeitsweisen und Formate miteinander kombiniert werden, sodass der Charakter der Begegnung und des Umgangs mit dem Genre des Figuren- und Objekttheaters möglichst vielschichtig stattfindet.

Das Projekt geht in seinem gesamten Verlauf von einem ganzheitlichen Bildungsverständnis aus. Demzufolge stehen kreativ-künstlerische Bildungsprozesse im Team ebenso im Zentrum wie die Stärken- und Interessenorientierung der beteiligten Kinder und Jugendlichen in Verbindung mit „ihren“ Lebensweltthemen.

Folgende Formate werden hierbei zum Einsatz kommen:

§  Workshops mit regionalen und internationalen Figurentheater-Künstlerinnen und
-Künstlern in den Einrichtungen (April 2013)

§  Öffentlicher Schüler-Werkstatt-Tag am 6. Mai 2013 im Rahmen des Festivalprogramms mit ersten kleinen Präsentationen und gegenseitigen Begegnungsmöglichkeiten

§  Kostenfreie Aufführungsbesuche der am Projekt beteiligten Kinder und Jugendlichen während des Internationalen Figurentheater-Festivals (kulturelle Teilhabe für alle Projektbeteiligten)

§  Auseinandersetzung und Reflexion des Erlebten mit Fachkräften

§  Nach Ende des Festivals Gründung eines einrichtungsübergreifenden oder einrichtungsbezogenen Schülerensembles

§  Beginn eigener Stückentwicklung und Probenphase

§  Workshops und Projekttage in den Einrichtungen für die Herstellung der für die Produktion benötigten Objekte, Figuren, Bühnenbilder usw.

§  Projektflankierende Gruppen, Workshops und Projekttage (u. a. für Öffentlichkeitsarbeit, Entwicklung von Marketingideen, Pressekonferenz – jeweils vorbereitet und durchgeführt von den beteiligten Kindern und Jugendlichen, z. B. im Rahmen von P-Seminaren)

§  Präsentation der Schülerproduktion Ende 2014 (Vorpremiere) sowie im Rahmen des 19. Internationalen Figurentheater-Festivals 2015

 

6. Aktueller Projektstand (April 2013)

 

Bis Ende April 2013 werden insgesamt 180 Kinder aus 12 Einrichtungen in Workshops mit insgesamt 14 renommierten Figurentheater-Künstlerinnen und -Künstlern gearbeitet haben. Die Workshops dauerten jeweils drei Tage bzw. ein Workshop wurde über mehrere Wochen auf verschiedene Nachmittage verteilt.

Im Vorfeld des Projektstarts wurden in mehreren Sitzungen zwischen dem Kulturprojektbüro-/KS:ER-Team und den Einrichtungsleitungen bzw. den Lehrkräften inhaltliche Wünsche und Bedürfnisse sowie Besonderheiten und Zeitstrukturen der Einrichtungen abgefragt. Ziel war es, kein Projekt „überzustülpen“, sondern dieses mit den Einrichtungen und den Fachkräften gemeinsam zu entwickeln. In einem weiteren Schritt wurden vom Kulturprojektbüro die für die Einrichtungen „passenden“ Künstler ausgewählt.

In den dreitägigen Workshops erfolgte für die Kinder und Jugendlichen eine erste intensive Begegnung zum einen mit einem Figurentheater-Künstler, zum anderen mit einer bestimmten Form von Bilder-, Figuren- und Objekttheater. Je nach Künstler/Künstlerin und Einrichtung wurden verschiedene Theaterformen kennengelernt und erprobt.

Die Workshops wurden dabei pädagogisch unterstützt und begleitet von Studierenden des Instituts für Theater- und Medienwissenschaften, von Theaterpädagogen sowie von Mitarbeitern des Kulturprojektbüros.

Im Festivalzeitraum 3. bis 12. Mai 2013 werden alle beteiligten Kinder und Jugendlichen mindestens eine Aufführung ihrer Wahl kostenfrei gemeinsam mit ihren Lehrkräften/Betreuern besuchen.

 

7. Beteiligte Einrichtungen und „ihre“ Künstler“

 

§  Ernst-Penzoldt-Mittelschule, Klasse 5c + Carlos Malmedy, Schattentheaterkünstler und Pädagoge an der Levana-Schule Schweich mit dem Förderschwerpunkt ganzheitliche Entwicklung

§  Integrative Lernstube Hertleinstraße + Ilka Vierkant, Ensemblemitglied der Figurentheatergruppe „Familie Flöz“ mit dem Schwerpunkt Maskentheater

§  Jugendlernstube Bruck + Neville Tranter, Puppenspieler, Puppenbauer, Schauspieler und Gründer des Ein-Mann-Puppentheaters „Stuffed Puppet Theatre“ aus den Niederlanden

§  Hermann-Hedenus-Mittelschule, Klasse 5a + Julika Mayer, Figurentheater-Künstlerin, Mitglied der Theatergruppe „Là Où“ und Professorin für Figurentheater in Stuttgart

§  Hermann-Hedenus-Mittelschule, Klasse 5b + Stefan Kügel, Puppenspieler, bildender Künstler und Leiter des „Theater Kuckucksheim“ in Heppstädt

§  Hermann-Hedenus-Mittelschule, Klasse 5c + Nicola Unger, Figurentheater-Künstlerin aus Rotterdam, ihre Arbeiten bewegen sich zwischen bildender und darstellender Kunst

§  Hermann-Hedenus-Mittelschule, Klasse 6a + Patrik Lumma, Puppenspieler, Puppenbauer, Bühnenbildner, Gründer des „Theater des Staunens“ aus Frensdorf bei Bamberg

§  Lernstube Büchenbach, Grundschulgruppe + Tanya Häringer, Kunstpädagogin, Schauspielerin und Leiterin von Trickfilm-Workshops aus Erlangen

§  Lernstube Büchenbach, Jugendgruppe + Carlos Malmedy, Schattentheaterkünstler und Pädagoge an der Levana-Schule Schweich mit dem Förderschwerpunkt ganzheitliche Entwicklung

§  Max-und-Justine-Elsner-Grundschule, Klasse 1b + Annette Scheibler, Puppenspielerin und Regisseurin aus Reutlingen, und Sigrun Kilger, Schauspielerin, Puppenspielerin und Regisseurin. Beide sind Mitglieder der Theatergruppe „Ensemble Materialtheater“

§  Realschule am Europakanal, „SOR-Gruppe“ (Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage) + Florian Feisel, Figurenspieler, Leiter/Mitglied der Gruppe „babelfish“ und Professor für Figurentheater aus Stuttgart in Zusammenarbeit mit Mikel Klein und André Studt

§  Städtischer Hort Liegnitzer Straße (HoLiSt) + Christoph Bochdansky, Puppenspieler, bildender Künstler, Regisseur und Dozent für Puppenspiel aus Wien

 

8. Schüler-Werkstatt-Tag am 6. Mai 2013

 

Im Rahmen des öffentlichen Schüler-Werkstatt-Tages am 6. Mai im Frankenhof (fester Bestandteil des Festivalprogramms) werden alle beteiligten Kinder und Jugendlichen die Möglichkeit haben, mit „ihrem“ Künstler Einblicke in ihre Workshop-Ergebnisse zu geben bzw. erste kleine Präsentationen darzubieten. Ebenso werden sie an diesem Tag im Frankenhof die Gelegenheit haben, weitere Bilder-, Figuren- und Objekttheaterformen kennenzulernen und auszuprobieren. Alle beteiligten Künstlerinnen und Künstler werden auch am Schüler-Werkstatt-Tag anwesend sein. Gemeinsam mit der Jugendkunstschule wird es ein umfangreiches künstlerisches Mitmachprogramm geben.

 

9. Weiteres Vorgehen

 

Im Nachgang zum Figurentheater-Festival erfolgt nach einer Reflexionsphase mit den Pädagogen und Künstlern die Planung des weiteren Vorgehens. Es ist vorgesehen, ein einrichtungsübergreifendes Figurentheater-Ensemble für Erlangen zu gründen bzw., wenn dies von Einrichtungen gewünscht ist, auch ein eigenes kleines Ensemble ins Leben zu rufen, um an dem Thema weiterzuarbeiten. Hierzu wird es dann auch für weitere Einrichtungen flankierend die Möglichkeit geben, sich an diesem Projekt zu beteiligen, z. B. Veranstaltungstechnik bedienen, Masken bauen, Bühnenbild erstellen und ähnliche Formen.

 

10. Veranstalter/Gesamtkoordination

 

Stadt Erlangen, Kulturprojektbüro / KS:ER – Kulturservice Erlangen für Schulen und Kitas in Zusammenarbeit mit der Jugendkunstschule Erlangen, Erlanger Schulen, Horten und Lernstuben sowie mit fachlicher und wissenschaftlicher Begleitung durch das Institut für Theater- und Medienwissenschaft der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, eingebunden in die Aktivitäten des Interdisziplinären Zentrums für Ästhetische Bildung (Lehrstuhl für Pädagogik, Prof. Dr. Eckart Liebau).

 

11. Projektkosten

 

Die Gesamtkosten des Projekts für den o. g. Zeitraum sind mit insgesamt 98.500 € kalkuliert. Die Finanzierung wird über eine Kombination aus öffentlichen Zuschüssen, Budgetmittel des Kulturprojektbüros (nur Sachkosten) sowie Stiftungen und Sponsoren erfolgen.

 

Förder- bzw. Sponsorenzusagen liegen bereits vor von:

Siemens AG, Mauss Bau Erlangen GmbH & Co. KG, Bürgerstiftung Erlangen, Lions Club Erlangen-Hugenottenstadt, Bundesministerium für Bildung und Forschung aus dem Programm „Kultur macht stark“/“Künste öffnen Welten“;

(Antrag für Kulturfonds Bayern für Unterricht und Kultus läuft noch, eine Förderzusage liegt noch nicht vor)

 

Anlagen: Presseartikel „Die Puppe lebt ja“, Erlanger Nachrichten, 09.04.2013