Bericht zum Ausbau des digitalen Bildungsangebots der vhs Erlangen 2020/2021;

Betreff
Bericht zum Ausbau des digitalen Bildungsangebots der vhs Erlangen 2020/2021;
hier: SPD-Fraktionsantrag 240/2020
Vorlage
43/018/2021
Aktenzeichen
IV/018/2021
Art
Beschlussvorlage

1.    Die Ausführungen der Verwaltung werden zur Kenntnis genommen.

2.       Der Fraktionsantrag Nr. 240/2020 gilt damit als bearbeitet. 

1.         Ergebnis/Wirkungen


Aufgrund der pandemiebedingten Einschränkungen, insbesondere der Lockdowns in 2020/21, konnte ein sehr großer Teil des Präsenzangebots der vhs Erlangen nicht stattfinden. Vor Beginn der Pandemie war die Nachfrage nach entsprechenden online-Angeboten kaum vorhanden. Bereits im April 2020 hatte die vhs das Projekt „vhs Erlangen - ein Klick voraus“ initiiert. Für ihre Nutzer*innen produzierte die vhs kostenfreie Vorträge und setzte 60 kostenfreie online-Kurse auf der Lernplattform der Volkshochschulen (vhs.cloud) um. Die Kosten für die Referent*innen, die Kursleitungen und das technische Equipment wurden aus dem Fachamtsbudget finanziert. Mit dem Folgeprojekt „vhs.digitalzeit“ wurden online-Angebote als reguläre Bildungsangebote in das Programm der vhs aufgenommen. Mit ihrem Antrag zum Arbeitsprogramm der vhs „Digitales Bildungsangebot der vhs unterstützen“ (Antrag 240/2020) wünschte die SPD Fraktion die Etablierung von sinnvollen Unterstützungs- und Qualifizierungsangeboten für Nutzerinnen und Nutzer des online-Angebots.

 

 

2.   Programme / Produkte / Leistungen / Auflagen

Seit April 2020 initiierte die vhs Erlangen umfangreiche Aktivitäten in verschiedenen Bereichen des digitalen Lernens.

  1. Unter dem Titel „vhs Erlangen – ein Klick voraus“ wurde technisches Equipment angeschafft, um Kursangebote und Vorträge per Video zu übertragen. Parallel wurden ca. 60 erste Kursangebote digital umgesetzt. Hierfür wurde die vhs.cloud mit dem implementierten Konferenz-Tool eingesetzt. Diese ersten Kurse wurden für Teilnehmer*innen kostenfrei angeboten, da zu wenig Erfahrungswissen existierte und auch die Qualitätsstandards nicht gefestigt waren. Die Kursleitungen erhielten das reguläre, am Präsenzunterricht orientierte Honorar. Bereits zu diesem Zeitpunkt bildeten sich die aktiven Kursleiter*innen fort. Es war ein gemeinsames Lernen von pädagogischen vhs-Personal mit den Kursleiter*innen.

 

  1. Das Folgeprojekt „vhs.digitalzeit“ wurde im Mai 2020 gestartet und umfasste ein online-Bildungsprogramm aus allen Programmbereichen und mit unterschiedlichen Formaten. So gab es Live-Streamings, Web-Debatten, digitale Lernräume mit festen Unterrichtszeiten mit dem Konferenztool, Lernräume mit vorproduzierten Videos, aufwendiger produzierte Vorträge auf dem vhs-Erlangen-Youtube-Kanal und auch innovative Formate, wie etwa ein Fitnessangebot im Meilwald, bei dem die Anweisungen der Dozentin zum Trimm-Dich-Pfad über Audiofiles erfolgten. Für die Umsetzung der Projekte „vhs Erlangen – ein Klick voraus“ und der „vhs.digitalzeit“ wurden für Honorare und Anschaffungen (insb. technisches Equipment) ca. 80.000 € aus dem Budget der Volkshochschule aufgewendet.

 

  1. Neben der Neuentwicklung von Bildungsangeboten waren datenschutzrechtliche Fragestellungen, technischen Probleme und Verwaltungsprozesse zu klären. Ein digitales Feedbacktool wurde in Auftrag gegeben und im September 2020 eine Datenschnittstelle zwischen der zentralen vhs-Datenbank und der Lernplattform vhs.cloud programmiert. Nutzer*innen konnten nun ihren virtuellen Kursräumen automatisch zugewiesen werden, wodurch der Verwaltungsbereich entlastet wurde. Neben den technischen Voraussetzungen galt es zudem, niederschwellige Zugänge für Nutzer*innen zu schaffen, Tutorials für die Nutzung der vhs.cloud herzustellen sowie Kursleiter*innen und Nutzer*innen bei ihren individuellen Herausforderungen in der digitalen Lernumgebung zu unterstützen. Eine Auswertung der vhs.digitalzeit erfolgte sowohl bei den Teilnehmer*innen, als auch bei den Kursleiter*innen im September 2020.

 

Die Rückmeldungen der Teilnehmer*innen (205)

Die Unterstützung durch die vhs wurde von 93% der Nutzer*innen als gut bis sehr gut bewertet. Mit dem Anmeldeprozess zeigten sich 88,5% zufrieden bis sehr zufrieden. 42% der Nutzer*innen gaben jedoch an, technische Probleme zu haben. Insgesamt zufrieden zeigten sich schließlich 91% der Nutzer*innen. Die fachliche Kompetenz der Dozent*innen und die Qualität ihrer Unterrichtsgestaltung wurde mit Bestnoten bewertet. Nur ein bis zwei Prozent der Nutzer*innen gaben keine gute oder sehr gute Bewertung ab.

 

Die Rückmeldung der Dozent*innen (35)

Die Unterstützung durch die vhs wurde von 85% der Kursleitungen als gut bis sehr gut bewertet. 93% der befragten Kursleiter*innen würden wieder online-Kurse geben. Jedoch berichteten 72% der Kursleitungen über technische Probleme während der Unterrichtsdurchführung. 88% der Kursleitungen mussten ihre Teilnehmer*innen bei individuellen technischen Problemen unterstützen. Ein Viertel dieser Probleme war in der online-Konferenzsituation nicht lösbar. Im qualitativen Feedback wünschten sich die Lehrkräfte eine technische Support-Hotline.

 

  1. Entwicklungen seit Oktober 2020:

Aufgrund der bisher gesammelten Erfahrungen und der Auswertung von Nutzer*innen-Befragungen wurden vier zentrale Arbeitsfelder in Angriff genommen:

 

4.1. Technischer Support für Kursleitungen und Teilnehmer*innen.

Seit Oktober 2020 wird eine freiberufliche Kraft eingesetzt, die selbst Erfahrungen in der Erwachsenenbildung hat und über fundierte technische Kenntnisse in Bezug auf die Lernplattform besitzt. Sie bietet einen Telefon-Support jeweils vor Beginn einer online-Veranstaltungen sowie wöchentliche Sprechzeiten an. Des Weiteren sind die pädagogischen Kräfte und ein Teil der Verwaltungsmitarbeiter*innen mittlerweile erfahrene Berater für die gängigsten Problemstellungen. Der Telefonsupport ist seit seiner Einführung ein Erfolgsmodell und wird auch in Zukunft weitergeführt.

 

4.2. Umfassende Beschreibung der digitalen Bildungsangebote und Verbesserung der Benutzerführung.

Für das Herbst-/Wintersemester 2020/21 wurden für das gedruckte Programmheft, die Website und für die Buchungs- und Verfahrensschritte leicht verständliche Hinweise und Beschreibungen erarbeitet. Auch wurde die Navigation und Handhabung der Lernplattform den Nutzer*innenbedürfnissen entsprechend verbessert. Ein Relaunch wurde im Sommer 2021 durchgeführt. Das bisher eingesetzte und fehleranfällige Konferenztool wurde durch ein stabileres Tool ersetzt. Bei kostenlosen online-Vorträgen kann bereits ein rein automatisierter Prozess ohne „analoge Brüche“ erfolgen. Die Verbesserung der Benutzerführung ist erfolgt, wird aber kontinuierlich weitergeführt.

 

4.3. Qualifizierungen von Kursleiter*innen

Die zentrale Rolle der Kursleitungen bei der erfolgreichen Umsetzung von online-Angeboten ist auch in Zukunft zu beachten. Sie brauchen eine hohe Souveränität im Umgang mit den Tools und bei der individuellen Unterstützung ihrer Teilnehmer*innen. Seit April 2020 werden Kursleiter*innen im Bereich des digitalen Unterrichtens durch die vhs Erlangen und durch Kurse des Landesverbandes der Volkshochschulen (bvv) weitergebildet. Hinzu kommt ein strukturierter und moderierter Austausch der Kursleiter*innen untereinander. So wird etwa seit Anfang 2021 im Programmbereich Sprachen ein begleitetes Austauschforum für Kursleiter*innen angeboten. Die Zufriedenheit der Kursleitungen hat sich signifikant verbessert.

 

4.4. Technische Weiterentwicklung

Die vhs.cloud wurde in den vergangenen eineinhalb Jahren auf Bundesebene in Zusammenarbeit mit den Volkshochschulen kontinuierlich weiterentwickelt.

Die vhs Erlangen hat mit der Programmierung einer Schnittstelle zwischen vhs.cloud und zentraler Datenbank die Verwaltungsprozesse optimiert. Die Einführung einer umfassend digitalen Evaluation mittels des Tools vhs.feedback (Sommer 2021) ermöglicht eine raumgreifende und detaillierte Auswertung der Erfahrungen von Nutzer*innen und Nutzern. Letztlich steht die Digitalisierung der Verwaltungsarbeit noch am Anfang. Ziel der kommenden Jahre ist es, in Zusammenarbeit mit anderen Dienststellen die Digitalisierung der Verwaltungsprozesse voranzutreiben und „analoge Brüche“ in den Prozessen weiter zu reduzieren.

 

Zukünftige Etablierung von online-Angeboten im Programm der vhs Erlangen

Die strukturierten Auswertungen des Frühjahrs-/Sommersemester in den großen Programmbereichen Sprachen und Gesundheit ergaben sehr hohe Zufriedenheitswerte der Teilnehmer*innen in Bezug auf die besuchten Angebote. 89% der Nutzer*innen des Gesundheitsangebots, dessen Gestaltung via Lernplattform und Video-Tutorials sehr aufwendig war, waren mit der Umsetzung zufrieden oder sehr zufrieden. Allerdings kamen von den 59 geplanten Angeboten nur 23 Kurse zustande. Der Wunsch nach Präsenzlernen ist hier besonders groß. Für eine kleinere Zahl der Angebote ist ein digitales Format aber auch in Zukunft denkbar. Der Programmbereich Sprachen erreichte im Herbst-/Wintersemester 2020/221 und zu Beginn des darauffolgenden Sommersemesters über 1300 Nutzer*innen. Es fanden mehr als 130 Sprachkurse und Vorträge in verschiedenen Sprachen statt (letztere insb. durch den vhs club INTERNATIONAL). Nur noch 20% der befragten Sprachenlerner*innen äußerten in der Auswertung technische Probleme. Und auch Kursrücktritte gab es kaum mehr. Auch wurde deutlich, dass ein Teil der Nutzer*innen online-Kurse für sich als gute Alternative über die Pandemie hinaus erkannten. Insbesondere im Bereich der seltener unterrichteten Sprachen konnten Kurse gelingen, die in Präsenz wahrscheinlich die Mindestteilnehmer*innen-Zahl nicht erreicht hätten.

 

 

 

Online-Kurse Kennzahlen des Programmbereichs Sprachen

Semester

20S

20W

21S

Kurse

25

46

127

Online-Kurse %

100,00%

100,00%

100,00%

Doppelstunden

256

360

1315

Ausfälle

0

18

37

Anmeldungen

385

324

896

Kursauslastung

95,60%

96,70%

91,00%

Teilnehmer*innen

441

337

705

Ermäßigung 75%

0

0

3

Ermäßigung 50%

0

0

0

Ermäßigung 20%

0

0

14

Kursleiter*innen

18

23

41

 

Auch die Programmbereiche Gesellschaft und Kultur konnten aus der vhs.digitalzeit Erkenntnisse für die zukünftige Planung ihres Angebots gewinnen. Insbesondere Nischenthemen finden digital ein größeres Publikum – auch kunstgeschichtliche und gesellschaftspolitische Vorträge.

 

Digitale Bildungsangebote in der Erwachsenenbildung sind organisatorisch und inhaltlich auch mittelfristig personal- und zeitintensiver als Präsenzangebote. Sie erfordern eine umfassende Planung und stärkere Einbindung des pädagogischen und des verwaltenden Personals. Gleichzeitig sind die Kursgruppen kleiner anzusetzen (ca. 12 Personen), um einen guten Unterricht online gelingen zu lassen. Gute Angebote setzen digital souverän unterrichtende Dozent*innen voraus. Diese sind Freiberufler*innen und müssen diese Souveränität selbstständig erlangen. Daher ist der Umfang des Angebots auch an die Zahl der digital souverän agierenden Kursleitungen gebunden.

Seit Start des Erlanger Projekts „vhs.digitalzeit“ sind mehr als 450 online-Angebote realisiert worden und auch für die aktuellen Planungen des Frühjahrs-/Sommersemester 2022 sind knapp 100 Vorschläge für online-Angebote eingereicht worden. Das digitale Angebot wird daher auch über die Pandemie hinaus einen wichtigen Stellenwert an der vhs Erlangen einnehmen.

 

 

3.   Prozesse und Strukturen
(Wie sollen die Programme / Leistungsangebote erbracht werden?)

 

4.   Klimaschutz:

 

Entscheidungsrelevante Auswirkungen auf den Klimaschutz:

 

            ja, positiv*

            ja, negativ*

            nein

 

Wenn ja, negativ:

Bestehen alternative Handlungsoptionen?

 

             ja*

             nein*

 

*Erläuterungen dazu sind in der Begründung aufzuführen.

 

 

Falls es sich um negative Auswirkungen auf den Klimaschutz handelt und eine alternative Handlungsoption nicht vorhanden ist bzw. dem Stadtrat nicht zur Entscheidung vorgeschlagen werden soll, ist eine Begründung zu formulieren.

 

 

5.   Ressourcen
(Welche Ressourcen sind zur Realisierung des Leistungsangebotes erforderlich?)

Investitionskosten:

bei IPNr.:

Sachkosten:

bei Sachkonto:

Personalkosten (brutto):

bei Sachkonto:

Folgekosten

bei Sachkonto:

Korrespondierende Einnahmen

bei Sachkonto:

Weitere Ressourcen

 

 

Haushaltsmittel

             werden nicht benötigt

             sind vorhanden auf IvP-Nr.      

                        bzw. im Budget auf Kst/KTr/Sk        

                   sind nicht vorhanden

Anlagen:

 

Anlage_1_SPD_Fraktionsantrag_240_2020