Zeitplan für den Fahrplan Klima-Aufbruch

Betreff
Zeitplan für den Fahrplan Klima-Aufbruch
Vorlage
31/091/2021
Art
Mitteilung zur Kenntnis

Der Bericht der Verwaltung dient zur Kenntnis.

Mit dem Erlanger Klimabeschluss vom 26. November 2020 hat die Stadt Erlangen entschieden, ihren Gestaltungsspielraum konsequent zu nutzen, um die erforderlichen Institutionen, Infrastrukturen und Maßnahmen zur Einhaltung des 1,5°C-Klimaziels auf städtischer Ebene zu schaffen (s. BV 31/040/2020). Erste Analysen zu den CO2e-Emissionen in Erlangen ergaben, dass die Stadt ihre Klimaschutzbemühungen in kurzer Zeit verzehnfachen muss (s. MzK 31/072/2021).

Es besteht die Notwendigkeit, die entscheidenden Maßnahmen zu identifizieren und diese gleichermaßen konsequent als auch sozialverträglich umzusetzen. Ein strategisches und koordiniertes Vorgehen ist daher unerlässlich, der letztlich den Aufbruch zu einem tiefgreifenden stadtgesellschaftlichen Transformationsprozess signalisiert.

In den kommenden Monaten steuert die Stadtverwaltung gemeinsam mit den Expert*innen von „ifeu – Institut für Energie- und Umweltforschung gGmbH“ (ifeu) und „Green City Experience GmbH“ (GCX) die Entwicklung des Fahrplans „Klima-Aufbruch“. Zentraler Baustein ist ein Maßnahmenkatalog für ein klimaneutrales Erlangen, der mit den Bürger*innen, der Wirtschaft, Wissenschaft, Zivilgesellschaft, Politik, Verwaltung und vielen mehr im engen Austausch erarbeitet wird.

 

 

Vorstellung der Auftragnehmer

Mit dem ifeu und GCX stehen der Stadt Erlangen zwei erfahrene und renommierte Auftragnehmer zur Seite.

Das ifeu zählt mit über 40-jähriger Erfahrung zu den bedeutenden ökologisch ausgerichteten Forschungsinstituten in Deutschland. Es arbeitet an der Schnittstelle von zivilgesellschaftlichen Entwicklungen, unternehmerischen Strategien, technologischen Perspektiven und politischen Handlungsspielräumen. In der Regel bietet das ifeu seine Leistungen nur Kommunen an, die eine hohe Bereitschaft aufweisen, ambitionierte Maßnahmen umzusetzen und damit Leuchttürme für andere Kommunen werden. Zuletzt erarbeitete das ifeu eine Klimaschutzstrategie für Konstanz, die als erste Stadt in Deutschland den Klimanotstand ausrief.

Mit GCX München sind Expert*innen an Bord, die langjährige Erfahrung in moderierten Partizipations- und Stakeholderprozessen und in innovativer und zielgruppenspezifischer Öffentlichkeitsarbeit vorweisen. Ihre Kernkompetenz liegt in der Steuerung von kommunalen Change-Prozessen und in der Entwicklung von Strategien und Konzepten in den Bereichen Stadtentwicklung und Mobilität. Im Jahr 2020 gestalteten und moderierten sie einen erfolgreichen Bürger*innenrat für die Stadt Ravensburg.

Arbeitsbausteine des Fahrplans „Klima-Aufbruch“

Im Zuge der Erarbeitung des Fahrplans „Klima-Aufbruch“ sind die wirksame und intensive Beteiligung von Bürger*innen und Stakeholdern sowie eine zielgerichtete Öffentlichkeitsarbeit zentrale Erfolgsfaktoren: nur ein Fahrplan, der von allen Teilen der Stadtgesellschaft getragen und umgesetzt wird, kann zum ehrgeizigen Ziel führen.

 

Als Zeichen der Verbindlichkeit und Umsetzungsbereitschaft aller Akteur*innen soll mit einem öffentlichkeitswirksamen Abschluss eines Gesellschaftsvertrags die Umsetzungsphase eingeläutet werden. Um für den „Klima-Aufbruch“ ein Controlling zu ermöglichen, wird unter Beteiligung von Politik und Verwaltung ein Klimahaushalt für die Stadt Erlangen entwickelt. Dieses Steuerungsinstrument soll ungünstige Entwicklungen hinsichtlich der CO2e-Emissionen aufdecken und Mechanismen aktivieren, um diese zu stoppen bzw. in eine positive Richtung zu lenken.

 

Folgende Ziele sollen in den kommenden Monaten mit der Erarbeitung des Fahrplans „Klima-Aufbruch“ erreicht werden:

1)    Schaffen von Transparenz über das Ausmaß und die Entwicklung der CO2e-Emissionen auf dem Stadtgebiet (Status-Quo-Analyse) sowie Definieren von Reduktionsszenarien für die zentralen Handlungsfelder, die mit dem 1,5°C-Ziel konformgehen und zu einer Klimaneutralität vor 2030 führen.

2)    Erarbeiten einer ersten Arbeitsgrundlage für die Beteiligung der klimarelevanten Stakeholder und Bürger*innen. Die Arbeitsgrundlage enthält eine Handlungsstrategie mit sektoralen Teilzielen und Maßnahmen, die den Transformationspfad in den verschiedenen Sektoren zur Einhaltung des 1,5°C-Ziels beschreibt.

3)    Ausarbeitung des Fahrplans „Klima-Aufbruch“ unter intensiver Beteiligung der Bürger*innen (Bürger*innenrat) sowie klimaschutzrelevanter Stakeholder der Stadt (u.a. Wirtschaft, Wissenschaft, organisierte Zivilgesellschaft, Politik, Verwaltung und städtischen Beteiligungsgesellschaften).

4)    Öffentlichkeitswirksamer Abschluss eines städtischen Gesellschaftsvertrags, der dem Erlanger Stadtrat zum Beschluss vorgelegt wird.

5)    Entwicklung und Umsetzung einer Kommunikationsstrategie (Key Visual, öffentlichkeitswirksame Kampagne, kontinuierliche Kommunikation der Fortschritte).

6)    Einführen eines Klimahaushalts (Steuerungsinstrument) in der Stadt Erlangen zur langfristigen Umsetzung des Fahrplans „Klima-Aufbruch“ und Einhaltung des 1,5°C-Klimaziels in Erlangen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Anvisierte Zeitplanung

Das Vorhaben hat im August 2021 gestartet und endet voraussichtlich nach elf Monaten im Juni 2022. In der nachfolgenden Übersicht kann die anvisierte Zeitplanung für die einzelnen Bausteine entnommen werden. Die Erarbeitung der Strategien, Maßnahmen und Instrumente setzt ein agiles, prozesshaftes Vorgehen in enger fachlicher, methodischer und konzeptioneller Zusammenarbeit mit Stakeholder*innen und Bürger*innen voraus. Das gemeinsame Finden und Ringen um bestmögliche Lösungen kann daher zu zeitlichen Verschiebungen führen. Ebenso fordert die Pandemiesituation ein hohes Maß an Flexibilität. Die Zeitplanung dient daher als Orientierung mit der Offenheit für zeitliche Anpassungen.

 

 

Pos.

Kurztext

2021

2022

Herbst

Winter

Frühjahr

Sommer

01

Status-Quo-Analyse und zentrale Handlungsfelder

 

 

 

 

02

CO2e-Bilanzierung (2020) und CO2e-Reduktionsszenarien

 

 

 

 

03

Partizipative Erstellung des Fahrplans

 

 

 

 

03.1

Klimapolitische Stakeholder

 

 

 

 

03.2

Bürger*innenrat

 

 

 

 

03.3

Gesellschaftsvertrag

 

 

 

 

04

Begleitende Öffentlichkeitsarbeit

 

 

 

 

05

Entwicklung und Einführen des Klimahaushalts (Steuerung)

 

 

 

 

 

 

Information und Beteiligung der politischen Vertreter*innen

Das Amt für Umweltschutz und Energiefragen berichtet bereits regelmäßig im UVPA über die laufenden Aktivitäten im Bereich Klimaschutz und –anpassung. Dieser Kommunikationskanal wird zukünftig auch genutzt, um über Fort- und Rückschritte in der Erarbeitung des Fahrplans „Klima-Aufbruch“ zu informieren. Bei Bedarf bietet das Referat VII zu bestimmten Themen digitale Gesprächsrunden mit den klimapolitischen Sprecher*innen und weiteren Interessierten der Parteien an. Die Vertreter*innen der Stadtratsfraktionen sind dazu eingeladen, das Referat VII zu kontaktieren, sollte ein wichtiges Thema vorliegen.

Im städtischen Lenkungskreis Klima-Aufbruch mit Vorsitz des Oberbürgermeisters haben die klimapolitischen Sprecher*innen der Erlanger Stadtratsfraktionen die Gelegenheit, sich mit zentralen Fragestellungen intensiver auseinanderzusetzen und prozessbezogene Entscheidungen zu treffen. Die erste Sitzung findet Anfang Oktober 2021 statt (s. MzK 31/088/2021).

Die aktive Teilnahme der politischen Vertreter*innen im Zuge der Erarbeitung des Maßnahmenkatalogs wird als Grundvoraussetzung für einen erfolgreichen Prozess erachtet. Die politischen Vertreter*innen werden Einladungen für verschiedene Beteiligungsformate erhalten, sodass sie ihre Sicht einbringen können. Am Ende des Prozesses wird ein Gesellschaftsvertrag, der den Weg zum 1,5°C-Ziel in Erlangen beschreibt, zur Abstimmung in den Stadtrat gegeben.

 

Anlagen: