CSU-Antrag 073/2019 Bessere Flächenabdeckung mit Defibrillatoren im Stadtgebiet

Betreff
CSU-Antrag 073/2019 Bessere Flächenabdeckung mit Defibrillatoren im Stadtgebiet
Vorlage
52/042/2021
Aktenzeichen
I/52
Art
Mitteilung zur Kenntnis

Der Bericht der Verwaltung dient zur Kenntnis.

Auf einen Antrag der CSU-Stadtratsfraktion vom 7. Mai 2019 zur besseren Flächenabdeckung mit Defibrillatoren im Stadtgebiet Erlangen hin befasst sich das Amt für Sport und Gesundheitsförderung mit der Entwicklung eines Konzeptes zu automatisierten externen Defibrillatoren (AED) im öffentlichen Raum. Zielstellung des Antrages ist die Schaffung eines flächendeckenden Netzes öffentlich zugänglicher AED, um in Notfällen im Zusammenhang mit Herzkammerflimmern und Herz-Kreislauf-Stillstand die Überlebenschancen durch eine Frühdefibrillation zu steigern. Vorgeschlagen wird die Einbindung von Kooperationspartnern und Sponsoren, um AED flächendeckend im Stadtgebiet zu implementieren und öffentlichkeitswirksam Transparenz über die Geräte-Standorte herzustellen.

Für AED gibt es in Deutschland keine Registerpflicht. Sogenannte Public Access Defibrillation-Programme (PAD-Programme), die die Vorhaltung von AEDs an öffentlichen Orten mit hohem Personenaufkommen vorsehen, werden nicht einheitlich umgesetzt. Ziel von PAD ist es, durch Erweiterung der AED-Anwenderkreise auf medizinische Laien die außerklinische Defibrillation im Notfall zum frühestmöglichen Zeitpunkt, möglichst noch vor Eintreffen der Einsatzkräfte, zu ermöglichen. Etwa 15 bis 20 Prozent aller außerklinischen Herzkreislaufstillstände finden im öffentlichen Raum statt, ca. 80 Prozent ereignen sich im häuslichen Umfeld. Die Aussagen zur Wirksamkeit von PAD-Programmen im Rahmen von wissenschaftlichen Untersuchungen zeigen kein einheitliches Bild. Einerseits gibt es Erkenntnisse, dass eine Reanimation bei Patienten mit Herz-Kreislauf-Stillstand nur in seltenen Fällen von Laien vorgenommen wird. Als Gründe werden aufgeführt: fehlende Geräte in greifbarer Nähe, mangelnde Aufgeschlossenheit, Unklarheit des Verfahrens sowie organisatorische und juristische Probleme. Andererseits gibt es Hinweise, dass PAD-Programme unter Einbindung von Ersthelferstrukturen (First-Responder-Strukturen) gute Erfolge in der Steigerung der Überlebenschancen erzielen.

 

Als entscheidende Einflussfaktoren für die Effektivität von AED-Programmen können folgende Bereiche identifiziert werden: zum einen die Aufklärung und Ausbildung der Bevölkerung, zum anderen die Verfügbarkeit von AED und deren Verteilungsmuster.

 

Aktuell gibt es in der Stadt Erlangen keine verlässliche Übersicht über vorhandene AED. Zwar bestehen verschiedene Initiativen, die öffentlich zugängliche AED-Standorte erfassen – hauptsächlich in Form von Apps, beispielsweise das Defikataster von Definetz e.V. oder regional gepflegte Apps von Hilfsorganisationen wie die Rotkreuz-Defi-und-Notfall-App des BRK. Eine zentral organisierte und einheitliche Lösung gibt jedoch derzeit noch nicht. Die Übersicht im Defikataster von Definetz e.V. und die Erfahrungen der mit Notfallrettung und Erste-Hilfe-Ausbildung betrauten Stellen und Hilfsorganisationen zeigen jedoch, dass bereits eine gute AED-Abdeckung vorhanden ist. Es existieren Übersichten, wo welche Geräte innerhalb der städtischen Dienstgebäude, Schulen und Sportstätten und innerhalb der Liegenschaften der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg vorgehalten werden. Zudem sind große Betriebe sowie schätzungsweise ca. 50 Prozent der mittelständischen Betriebe mit AED ausgestattet. Lediglich in außenliegenden Ortsteilen gibt es nach aktuellem Kenntnisstand bislang kaum solche Geräte, z. B. in Frauenaurach oder Eltersdorf.

 

Aus dem Ist-Zustand in Erlangen kann abgeleitet werden, dass in einem ersten Schritt eine zentrale Bestandsaufnahme der öffentlich zugänglichen AEDs durchzuführen ist. Unterstützt durch die Hilfsorganisationen kann eine Übersicht erstellt und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden, z. B. eine Übersichtliste, idealerweise mit Übersichtskarte, auf der Internetseite der Stadt Erlangen. Erforderlich ist eine zentrale Ansprechperson, die für die kontinuierliche Aktualisierung zuständig ist. Die AED-Erfassung auf kommunaler Ebene kann als Grundlage für die Weiterentwicklung einer einheitlichen Lösung bzw. die Einspeisung in überregionale Programme dienen.

 

In einem zweiten Schritt kann auf Basis der Bestandsaufnahme bestimmt werden, an welchen Standorten noch AED fehlen und deshalb punktuell nachgerüstet werden sollte. Infrage kommen prominente Standorte in den außenliegenden Ortsteilen, z.B. Bürgertreffs oder zentrale hochfrequentierte Plätze in der Innenstadt, z. B. indem gut sichtbare AED-Säulen aufgestellt werden. Aktuell ist eine Anteilsfinanzierung im Rahmen der AED-Förderrichtlinie des Bayerischen Innenministeriums möglich.

I.               

Damit die vorhandenen AED im öffentlichen Raum bestmöglich eingesetzt werden, wird in Kooperation mit den Hilfsorganisationen ein Konzept entwickelt, das flankierend auf die Schulung und Sensibilisierung der Bürgerinnen und Bürger abzielt. Zielstellung ist, dass neben den vorhandenen Ersthelfer-Strukturen im betrieblichen Kontext und weiteren bereits qualifizierten Ersthelferinnen und -Ersthelfern weitere Teile der Zivilgesellschaft informiert und geschult werden. Um hier einen möglichst großen Personenkreis zu erreichen, sollte über einen Zeitraum von mindestens zwei Jahren der Fokus auf Schulungen, öffentlichen Informationsveranstaltungen und eine begleitende Informationskampagne liegen. Erforderlich ist die Mitwirkung von bestehenden Initiativen und Vereinen, die ihre Mitglieder mobilisieren sowie die politische Unterstützung in Rahmen einer Schirmherrschaft.

II.             

Im Rahmen der Konzeptentwicklung soll außerdem eruiert werden, inwiefern eine Verknüpfung der AED-Standorte mit dem System der Integrierte Rettungsleitstelle möglich ist, um bei eingehenden Notrufen auf AED in der Nähe zu verweisen oder sogar First-Responder informieren zu können. Empfehlenswert ist zudem die Einbeziehung des Landkreises.

III.            

Die Erstellung einer stadtweiten und zentral organisierten Übersicht vorhandener AED-Standorte und die punktuelle Ergänzung neuer Geräte kann im Jahr 2021 umgesetzt werden. Die Konzeptentwicklung findet begleitend statt und wird unter Einbeziehung weiterer Kooperationspartner konkretisiert. 

 

Anlagen:        CSU-Antrag 073_2019 Defibrillatoren