Teilnahme am Lastenradforschungsprojekt "PedeListics" der TH Nürnberg

Betreff
Teilnahme am Lastenradforschungsprojekt "PedeListics" der TH Nürnberg
Vorlage
613/299/2020
Aktenzeichen
VI/61
Art
Mitteilung zur Kenntnis

Der Bericht der Verwaltung dient zur Kenntnis.

Die Stadt Erlangen beteiligt sich am Forschungsprojekt „PedeListics“ der Technischen Hochschule Nürnberg (THN). Das Projekt zielt darauf ab, das Thema Lastenradlogistik in vorhandenen Strukturen zu etablieren und dadurch eine kritische Masse zu erreichen, die die Grundlage zur Generierung von Mitnahmeeffekten bildet. Das Vorhaben startet Anfang 2020. Im bisherigen Projekt „VALUE@SERVICE“ war die Grundidee, Paketdienstleistungen in Erlangen nach Möglichkeit von Kraftfahrzeugen (Sprintern) auf Lastenräder zu verlagern (s. Beschluss 613/161/2018 und MzK 613/184/2018). Jedoch scheiterte das Vorhaben trotz nachgewiesener Wirtschaftlichkeit der ausgearbeiteten Planungen an der bei den KEP-Unternehmen etablierten Subunternehmerstruktur. Diese tragen letztendlich das finanzielle Risiko (u.a. für etwaige Ausfälle der Lastenräder), was das Zögern und das teilweise vorhandene Unwissen in der Umsetzung neuer logistischer Lösungen nachvollziehbar macht. Hinzu kommt, dass die Potenziale einer Lastenradlogistik weder gesellschaftlich noch medial weit verbreitet sind und dadurch bisher weder Mitnahmeeffekte entstehen noch ein Erfahrungsaustausch stattfinden kann.

 

Im neuen Nachfolgeprojekt „PedeListics“ wird nun das in den Vorgängerprojekten bewährte Lastenradkonzept der THN weiter fortgeführt, d.h. Lastenräder werden nur dort eingesetzt, wo auch ein ökonomischer Mehrwert entsteht. Auch der kommunale Fahrzeugbestand und die damit verbundenen Aufgaben sollen unter dieser Prämisse bezüglich einer Ersetzung durch Lastenräder geprüft werden. Typische kommunale Anwendungsfälle für Lastenräder wären z. B. Grünanlagenpflege, interner Postverkehr oder auch die Müllentsorgung in Fußgängerzonen. Hierzu untersucht das Projektteam der THN die logistischen Prozesse hinter dem vorhandenen Fahrzeugpark, stellt sowohl Testfahrzeuge ihrer Praxispartner als auch eine Software zur Planung sowie Optimierung der Lastenradtouren zur Verfügung und analysiert die technischen Anforderungen des jeweiligen Anwendungsfalls. Dieses Anforderungsprofil wird Lastenradherstellern zur Verfügung gestellt, um ihre Fahrzeuge und Aufbauten weiterzuentwickeln und um Kommunen ein optimiertes Produkt anzubieten. Durch die niedrigschwellige Anwendung von Lastenrädern innerhalb der Stadtverwaltung werden zudem positive Mitnahmeeffekte für logistische Prozesse in der Gesamtstadt erwartet.

 

Daher soll ein weiterer Bestandteil des Projektes sein, die logistischen Lösungen und Anforderungen von Einzelhändlern zu untersuchen und ähnlich wie bei den Kommunen eine Lastenradlogistik zu etablieren. Um gezielt Einsatzmöglichkeiten mit Vorbildfaktor zu generieren, soll ein besonderer Fokus auf die großen Einzelhändler gelegt werden. Die Aufgaben der Stadt Erlangen im Projekt sind u.a. als Bindeglied die Vernetzung der potentiellen Beteiligten zu unterstützen, die Möglichkeit von Ausnahmegenehmigungen (wie z.B. in Nürnberg) zu prüfen sowie sich an einer möglichen Suche von Logistikimmobilien zu beteiligen.

 

Das Projekt legt besonders hohen Wert auf eine schnelle Umsetzung theoretischer Logistikkonzepte in praktische Versuche. Stellen sich die Versuche in der Praxis als umsetzbar heraus, werden diese weiterverfolgt. Theoretische Modelle, welche in den Versuchen als nicht praxistauglich gelten, werden eingestellt. Dadurch kann ein hoher Umlauf praxisnaher logistischer Konzepte erreicht werden. Es ist geplant, dass aus diesen Erfahrungen ein Praxisleitfaden erstellt wird, welcher Unterstützung bei der Umstellung von Logistikprozessen bieten soll. Im großen Praxisteil des Projekts sollen auch Informationen über das Zusammenwirken von städtischer Infrastruktur und Lastenrädern gesammelt werden. So erhält die Stadt Erlangen einen Überblick darüber, welche Regeln für Lastenradfahren erforderlich sind oder ob Infrastruktur ausgebaut werden müsste, um einen geordneten und sicheren Verkehr zu garantieren.

Anlagen: