Erstellen eines Mobilitätsmanagements für die Stadt Erlangen unter Einbeziehung des Umlandes - Fraktionsantrag 065/2017 Grüne Liste

Betreff
Erstellen eines Mobilitätsmanagements für die Stadt Erlangen unter Einbeziehung des Umlandes - Fraktionsantrag 065/2017 Grüne Liste
Vorlage
613/144/2017
Aktenzeichen
VI/61
Art
Beschlussvorlage

1.    Die Verwaltung wird beauftragt, ein Gesamtkonzept für ein dauerhaftes Mobilitätsmanagement in Erlangen unter Einbeziehung der Umlandgemeinden für die Zielgruppen Neubürger, Unternehmen, Kinder- und Jugendliche sowie Studierende zu erarbeiten und dem Ausschuss zum Beschluss vorzulegen.

 

2.    Basierend auf den Vorarbeiten und bisherigen Projekten zum Mobilitätsmanagement soll als erste Maßnahme des gesamtstädtischen Mobilitätsmanagements für das Jahr 2018 eine Mobilitätsinformationsmappe für Neubürger erstellt werden.

 

3.    Der Fraktionsantrag 065/2017 der Grünen Liste ist damit bearbeitet.

 

1.   Ergebnis/Wirkungen
(Welche Ergebnisse bzw. Wirkungen sollen erzielt werden?)

Anlass

 

Im Rahmen des Verkehrsentwicklungsplanes wurde der Einsatz eines stadtweiten Mobilitätsmanagements in Erlangen untersucht und die Ergebnisse im UVPA am 16.05.2017 vorgestellt. Unter Einbeziehung des Umlandes sowie der Berücksichtigung der bereits laufenden Pilotprojekte wird seitens des Gutachters Dr. Schreiner die Entwicklung eines Gesamtkonzeptes für die Stadt Erlangen empfohlen. Bei systematischem, flächendeckendem und dauerhaftem Einsatz des Mobilitätsmanagements können so rund 5% des personengebundenen Quell-Ziel-Verkehrs vermieden oder auf den Umweltverbund verlagert werden (vgl. 613/119/2017 und Anlage 1). Als Ergänzung zu Maßnahmen der Verkehrsinfrastrukturplanung, der Verkehrsordnung sowie der Angebotsplanung liefert das Mobilitätsmanagement somit einen wichtigen Beitrag zur Förderung eines stadt- und umweltverträglichen Mobilitätsverhaltens. Durch eine hohe Fluktuation der Erlanger Bevölkerung (2016: 11.591 Zugezogene, 10.094 Fortgezogene) bedingt durch die Universität sowie große und internationale Arbeitgeber gibt es in Erlangen zudem eine große Zielgruppe, die durch Mobilitätsmanagementangebote angesprochen werden kann.

 

Der gesamte Ergebnisbericht steht unter: www.vep-erlangen.de zum Download zur Verfügung.

 

2.   Programme / Produkte / Leistungen / Auflagen
(Was soll getan werden, um die Ergebnisse bzw. Wirkungen zu erzielen?)

Bisherige Aktivitäten Mobilitätsmanagement

 

Zum Thema Mobilitätsmanagement liegen mehrere Vorarbeiten und Projekte der Stadtverwaltung vor und es konnten bereits erste Erfahrungen gesammelt werden.

 

Im Jahr 2012 wurde das Projekt „Integriertes Mobilitätsmanagement“ gestartet. Im Rahmen des Projekts wurde im Zeitraum von Oktober 2012 bis Februar 2013 bei den acht größten Erlanger Arbeitgebern (Areva, Erlanger Stadtwerke, Friedrich-Alexander-Universität, Klinikum am Europakanal, Siemens, Sparkasse-Erlangen, Stadt Erlangen und Universitätsklinikum) eine Mitarbeiterbefragung zur Pendelmobilität durchgeführt. Die Ergebnisse lieferten eine wichtige Datengrundlage für den Verkehrsentwicklungsplan (vgl. 613/155/2013).

 

Zudem fand im Sommer 2016 eine Umfrage unter 3.000 per Stichprobe ausgewählten Haushalten mit Kindern im schulpflichtigen Alter in Erlangen statt, um spezifischere Informationen zu den Schulwegen der Erlanger Schüler zu erhalten. Darauf aufbauend wurden erste Pilotprojekte am Albert-Schweitzer-Gymnasium und an der Loschge-Grundschule zum Schulischen Mobilitätsmanagement entwickelt (vgl. 613/135/2017).

 

Auch innerhalb der Stadtverwaltung wurde die Initiative für ein betriebliches Mobilitätsmanagement ergriffen. So läuft derzeit die Einführung des VGN-FirmenAbos (vgl. 613/147/2017). Darüber hinaus wird eine Informationsmappe zum Mobilitätsangebot für neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erstellt und eine vom ADFC angebotene Zertifizierung zum fahrradfreundlichen Betrieb geprüft.

 

Ein systematischer und dauerhafter Einsatz sowie eine Ausweitung des Mobilitätsmanagements sind derzeit jedoch nicht gesichert bzw. möglich. Die Pilotprojekte zum schulischen Mobilitätsmanagement sowie dem betrieblichen Mobilitätsmanagement werden derzeit durch eine befristete Stelle im Rahmen der Erstellung des VEP betreut.

 

Um das gesamte Potenzial des Mobilitätsmanagement zu nutzen sowie dieses langfristig zu etablieren, ist es daher erforderlich, ein Gesamtkonzept zu entwickeln und die dafür not-wendigen Arbeitsstrukturen zu schaffen. Aufgrund des hohen Pendleranteils sollten die Umlandgemeinden sowie die umliegenden Landkreise ebenfalls eingebunden werden.

 

Gesamtkonzept für ein Mobilitätsmanagement in Erlangen

 

Basierend auf den bereits erfolgten Vorarbeiten und laufenden Projekten sowie den Empfehlungen des Gutachters Dr. Schreiner werden folgende Arbeitsschritte für ein Gesamtkonzept Mobilitäts-management unter Einbeziehung des Umlands vorgeschlagen (vgl. Anlage 2):

 

-       Zur Beteiligung der Nachbargemeinden sowie weiterer wichtiger Stakeholder (z.B. Verkehrsbetriebe) wird die Einrichtung eines Steuerungskreises mit Beteiligung der Verwaltungsspitzen empfohlen. Dieser soll die Initiierungsphase entwickeln sowie dazu beitragen, das Thema öffentlich und politisch zu positionieren sowie Handlungsfelder zu definieren.

 

-       Die Koordination und Umsetzung des Mobilitätsmanagements sollte federführend durch die Abteilung Verkehrsplanung im Amt für Stadtentwicklung und Stadtplanung erfolgen. So ist nicht nur eine enge Vernetzung mit den verkehrlichen Planungen gewährleistet, sondern es kann auch auf die Erfahrungen der bereits erfolgten bzw. laufenden Pilotprojekte zurückgegriffen werden.

 

-       Um die unterschiedlichen Mobilitätsangebote und Projekte, die nicht selten in Konkurrenz zueinander stehen, zu bündeln und Informationen aus einer Hand bieten zu können, wird die Schaffung einer Dachmarke für das Mobilitätsmanagement (z.B. in Offenbach „einfach mobil“, München „gscheid mobil“) angeregt. So kann ein einheitlicher Markenauftritt gewährleistet werden, der Vertrauen schafft und zu einer Wiedererkennbarkeit der Angebote beiträgt.

 

-       Die Pilotprojekte zum schulischen Mobilitätsmanagement am Schulzentrum West sowie dem betrieblichen Mobilitätsmanagement bei der Stadtverwaltung Erlangen sollen fortgeführt werden. Basierend auf den Erfahrungen aus diesen Projekten können Maßnahmen für die Handlungsfelder „Unternehmen“ und „Kinder und Jugendliche“ weiterentwickelt und auf neue Betriebe und Schulen / Kindertagesstätten ausgeweitet werden.

 

-       Studierende können gezielt durch ein Mobilitätsmanagement angesprochen werden. Am Studienort Erlangen fangen zum Wintersemester jährlich über 4.000 Studierende ihr erstes Studiensemester an. Durch Veranstaltungen wie die Erstsemesterbegrüßung könnten diese mit relativ geringem Aufwand über das Mobilitätsangebot in Erlangen und den Umlandgemeinden informiert und beraten werden.

 

-       Bezogen auf die Zielgruppe der Erlanger Bürger wird als Kern- und Einstiegsmaßnahme des Mobilitätsmanagements ein Dialog- und Direktmarketing für neue Bürger vorgeschlagen. Die Neubürger sind nicht nur eine große Zielgruppe (Erlangen 11.591 Zugezogene 2016), sondern müssen durch den Umzug nach Erlangen auch ihre Mobilitätsabläufe umstellen. Wie Beispiele aus anderen Städten zeigen (z.B. Frankfurt, Halle, München, Norderstedt), kann hierbei durch gezielte Information zum Mobilitätsangebot das individuelle Mobilitätsverhalten nachhaltig beeinflusst werden.

 

Zunächst würden die Neubürger-Haushalte eine Willkommensmappe zugeschickt bekommen, welche Sie über die Mobilitätsmöglichkeiten in Erlangen informiert (ÖPNV, Fuß- und Radverkehr, Parkplätze und Straßensystem, Sharingangebote, Apps, verkehrsbezogene Tipps für Kultur- und Freizeitaktivitäten etc.) und zusätzlich die Möglichkeit erhalten, weitere individuell passende Informationsmaterialien zu bestellen. Um Anreize zu schaffen, können auch Incentives (z.B. kostenloses ÖPNV-Schnupperticket, Fahrradcheck etc.) angeboten werden. In anderen Städten (wie z.B. München, Halle, Norderstedt) wird zudem eine professionelle Kommunikationsagentur eingesetzt, welche die Neubürger über die schriftliche Information hinaus auch telefonisch betreut und eine persönliche Mobilitätsberatung bietet.

 

Mit diesem Angebot hat die Stadt München seit 2005 positive Erfahrungen gemacht: Die Antwortquote der angeschriebenen Neubürger-Haushalte liegt bei 20% und es konnte eine deutliche Steigerung der Nutzung des ÖPNV (+7,5%) bei dieser Zielgruppe in einer Evaluierung nachgewiesen werden. Die am projektbeteiligte Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) verzeichnet für sich durch einen gesteigerten Ticketverkauf sogar einen Nutzen-Kosten-Faktor von 2:1.

 

 

3.   Prozesse und Strukturen
(Wie sollen die Programme / Leistungsangebote erbracht werden?)

Die Umsetzung des Mobilitätsmanagements in Erlangen soll schrittweise erfolgen. Als ersten Schritt wird die Verwaltung ein Gesamtkonzept für ein dauerhaftes und systematisches Mobilitätsmanagement für die Zielgruppen Neubürger, Unternehmen, Kinder- und Jugendliche sowie Studierende unter Einbeziehung der Umlandgemeinden erarbeiten und dem Ausschuss zum Beschluss vorlegen. Hierfür sollen wichtige Akteure unter Koordination der Stadtverwaltung über das Projekt informiert und eine Zusammenarbeit abgestimmt werden.

 

Basierend auf den Vorarbeiten und bisherigen Projekten zum Mobilitätsmanagement soll als erste Maßnahme des gesamtstädtischen Mobilitätsmanagements für das Jahr 2018 eine Mobilitätsinformationsmappe für Neubürger erstellt werden. Es wird von einem Versand an ca. 7.000 Haushalte pro Jahr ausgegangen (2016: 11.591 Zugezogene). Die Kosten für die Erstellung und den Druck und Versand der Mappen (ohne Dialogmarketing) werden auf ca. 4 ,00 € pro Stück geschätzt. Zusätzliche Kosten für ein ÖPNV-Schnupperticket müssen noch geklärt werden. Um die Wirksamkeit der Maßnahme zu erhöhen, wird zudem der Einsatz eines begleitenden Dialogmarketings empfohlen. Hierfür soll dessen Nutzen geprüft und dem Stadtrat ein Kostenplan vorgelegt werden. Dabei sollen die ersten Erfahrungen mit dem Einsatz von Informationsmappen für neue Mitarbeiter der Stadtverwaltung berücksichtigt werden. Außerdem sollte erwogen werden, ob zur Finanzierung des Mobilitätsmanagements auch Sponsoren gewonnen werden können.

 

Des Weiteren sollen die laufenden Pilotprojekte zum betrieblichen Mobilitätsmanagement bei der Stadtverwaltung Erlangen sowie zum schulischen Mobilitätsmanagement fortgesetzt und ihre Wirksamkeit evaluiert werden. Die Verwaltung wird über den Verlauf informieren. Basierend auf den Erfahrungen während der Testphase können die Projekte im Rahmen des Mobilitätsmanagements weiterentwickelt und auf zusätzliche Einrichtungen und Betriebe ausgeweitet werden.

 

 

 

4.   Ressourcen
(Welche Ressourcen sind zur Realisierung des Leistungsangebotes erforderlich?)

Investitionskosten:

bei IPNr.:

Sachkosten:

€ 30.000

bei Sachkonto:

Personalkosten (brutto):

bei Sachkonto:

Folgekosten

bei Sachkonto:

Korrespondierende Einnahmen

bei Sachkonto:

Weitere Ressourcen

 

 

Haushaltsmittel

              werden nicht benötigt

              sind zur Finanzierung aus dem Budget 2018 vorgemerkt

auf Kst/KTr/Sk   527141/613090/51100010     

                    sind derzeit nicht vorhanden

Anlagen:

 

Anlage 1 Ergebnispräsentation Arbeitspaket Mobilitätsmanagement – VEP Erlangen (Stand 16.05.2017)

 

Anlage 2 Entwurf Gesamtkonzept Mobilitätsmanagement Stadt Erlangen

 

Anlage 3 Fraktionsantrag 065/2017 Grüne Liste