Förderung der autofreien Mobilität von Kindern und Jugendlichen – Ergebnisse der Schulwegbefragung und Modellprojekt am Schulzentrum West

Betreff
Förderung der autofreien Mobilität von Kindern und Jugendlichen – Ergebnisse der Schulwegbefragung und Modellprojekt am Schulzentrum West
Vorlage
613/135/2017
Aktenzeichen
VI/61
Art
Beschlussvorlage

1.    Die Ergebnisse der Schulwegbefragung werden zur Kenntnis genommen.

 

2.    Die Verwaltung wird beauftragt, ein Modellprojekt zur Förderung der autofreien Mobilität von Kindern und Jugendlichen am Schulzentrum West mit den in Anlage 3 dargestellten Maßnahmen umzusetzen.

 

1.   Ergebnis/Wirkungen
(Welche Ergebnisse bzw. Wirkungen sollen erzielt werden?)

      Anlass

Mit den Beschlüssen 613/054/2015 und 613/072/2015 besteht der Handlungsauftrag seitens des Stadtrates an die Verwaltung, Maßnahmen zur Förderung eines umweltschonenden Mobilitätsverhaltens von Kindern und Jugendlichen, insbesondere im Hinblick auf den Weg von und zu Kindertagesstätten und Schulen in Erlangen, zu entwickeln. Diese sollen zunächst in Form eines Modellprojektes an ausgewählten Einrichtungen umgesetzt werden. Im Rahmen des Verkehrsentwicklungsplanes wurden hierfür Empfehlungen für ein Pilotprojekt erstellt.

 

Um spezifischere Informationen zu den Schulwegen der Erlanger Schüler zu erhalten, fand hierzu als erster Schritt im Auftrag der Abteilung Verkehrsplanung im Sommer 2016 eine repräsentative Umfrage durch die städtische Statistikstelle unter 3.000 per Stichprobe ausgewählten Haushalten mit Kindern im schulpflichtigen Alter in Erlangen statt (vgl. Anlage 1). Die Rücklaufquote betrug 55,9% (1.678 Haushalte). Berücksichtigt wurden fünfzehn Grundschulen, drei Mittelschulen, zwei Realschulen, sieben Gymnasien (inkl. des Emil-Behring-Gymnasiums in Spardorf), drei private Schulen (Franconian International School, Freie Waldorfschule Erlangen, Montessori-Schule Erlangen) sowie die Wirtschaftsschule, das Sonderpädagogische Förderzentrum Erlangen und die Georg-Zahn-Schule.

 

 

Ergebnisse der Schulwegbefragung

 

Für das Verkehrsverhalten der Erlanger Kinder und Jugendlichen zeigen sich folgende Kernergebnisse:

 

-       Der Modal Split für alle Erlanger Kinder und Jugendliche ergibt, dass die meisten Schüler das Fahrrad für ihren Schulweg nutzen. Zu Fuß geht über ein Viertel der Schüler (27,4%) zur Schule und an dritter Stelle folgt die Anreise mit Bus & Bahn (20,6%). Die Kfz-Nutzung hat, bezogen auf alle Kinder und Jugendlichen (5,2%), keinen großen Anteil.

 

-       Die Verkehrsmittelwahl erfolgt dabei differenziert nach Alter der Schüler: Grundschulkinder gehen meist zu Fuß in die Schule oder fahren mit dem Tretroller. Die älteren Schüler bevorzugen das Fahrrad oder bei weiteren Entfernungen den Bus.

 

-       Der Anteil der Schüler, die regelmäßig mit dem Auto zur Schule gebracht werden, variiert dagegen je nach Schulart. Die Grundschulen (8,3%) und vor allem die privaten Schulen (21,8%) weisen einen deutlich höheren Kfz-Anteil auf als der Durchschnitt aller Schulen (5,2%). Betrachtet man einzelne Grundschulen, so werden auch zweistellige Werte erreicht (GS Tennenlohe 18,6%, GS Eltersdorf 19,4%, Loschge GS 14,7%, Michael-Poeschke GS 11,3%, GS Büchenbach-Nord 10,5%).

 

-       Des Weiteren wurden in der Umfrage Anmerkungen zu Gefahrenstellen und Verbesserungsmöglichkeiten gemacht, um Anhaltspunkte für die Verbesserung der Qualität und Sicherheit der Schulwege zu gewinnen. Diese werden an die zuständigen Dienststellen weitergegeben und im alltäglichen Verwaltungsvollzug bearbeitet werden.

 

Handlungsempfehlungen

 

Die Ergebnisse der Schulwegbefragung zeigen, dass insgesamt das Auto als Verkehrsmittel auf dem Weg zur Schule und wieder nach Hause eine untergeordnete Rolle spielt. Angesichts des hohen Fuß- und Radverkehrsaufkommens kann an einzelnen Schulen je nach umgebenden Straßenraum jedoch bereits ein geringer Pkw-Anteil zu Behinderungen und Gefährdungen führen. Vor dem Hintergrund der Förderung der autofreien Mobilität von Kindern und Jugendlichen, konkret vor allem der Reduzierung des motorisierten Hol- und Bringverkehrs, bieten sich daher mehrere Grundschulen für die Initiierung von weiteren (Modell)projekten an. Hierfür wurden bereits die Loschge-Grundschule sowie die Michael-Poeschke-Grundschule kontaktiert.

 

Des Weiteren indizieren die Umfrageergebnisse, dass sich Modellprojekte zur Förderung eines umweltschonenden Mobilitätsverhaltens nicht ausschließlich auf die Reduzierung des Hol- und Bringverkehrs konzentrieren sollten, sondern auch weitere Verkehrsmittel in den Fokus rücken sollten. Daher werden zunächst die Schulen des Schulzentrums West (Hermann-Hedenus-Grundschule, Hermann-Hedenus-Mittelschule, Realschule am Europakanal, Albert-Schweitzer-Gymnasium) für die Umsetzung eines Modellprojektes vorgeschlagen. An allen vier Schulen herrscht ein hohes Rad- und Fußverkehrsaufkommen. Das Albert-Schweitzer-Gymnasium weist mit einem Anteil von 75% sogar den höchsten Fahrradanteil an allen Erlanger Schulen auf. Darüber hinaus bietet sich durch die räumliche Nähe der unterschiedlichen Schularten die Möglichkeit, alters- und schulartenübergreifende Projekte zu entwickeln.

 

2.   Programme / Produkte / Leistungen / Auflagen
(Was soll getan werden, um die Ergebnisse bzw. Wirkungen zu erzielen?)

Pilotprojekt Schulzentrum West

 

Zur Vorstellung der Ergebnisse der Schulwegbefragung und zur Identifikation von Handlungsfeldern und Maßnahmen für ein schulisches Mobilitätsmanagement fand am 21.2.2017 ein gemeinsamer Abstimmungstermin mit Vertreterinnen und Vertretern des Schulzentrums West, der Polizei, des Schulverwaltungsamts, des Gutachters Herrn Dr. Schreiner sowie der Abteilung Verkehrsplanung statt.

 

In der gemeinsamen Diskussion wurden folgende verkehrlichen Problemlagen thematisiert und als Handlungsfelder für ein schulisches Mobilitätsmanagement priorisiert:

 

-       Hohes Radverkehrsaufkommen:

·         Im Pulk radelende Schüler fahren teils nebeneinander und nehmen dabei keine Rücksicht auf Verkehrsregeln und andere Verkehrsteilnehmer. Der zeitliche Problemschwerpunkt ist morgens vor Schulbeginn. Dabei werden nicht nur andere Verkehrsteilnehmern gefährdet, sondern es ergeben sich auf Grund der verminderten Aufmerksamkeit auf das Verkehrsgeschehen auch Verkehrssicherheitsdefizite für die radelnden Schüler.

·         Grundschüler werden aus Angst vor Konflikten mit Radfahrern, die keine Rücksicht auf diese nehmen, mit dem Auto zur Schule gebracht.

·         In einzelnen Bereichen herrschen schlechte Sichtverhältnisse für Radfahrer.

·         Die Fahrradabstellanlagen entsprechen in ihrer Anzahl und Qualität nicht den aktuellen Anforderungen. Besonders am Albert-Schweitzer-Gymnasium sind Defizite zu beobachten (vgl. Anlage 2).

 

-       Verkehrserziehung

·         Die Verkehrserziehung ist in Grundschulen fester Bestandteil, in weiterführenden Schulen ist diese jedoch nicht im Lehrplan enthalten. Lehrinhalte zum Thema Mobilität lägen hier in der Eigenverantwortung der Lehrkräfte und seien mit hohem Aufwand und persönlichen Engagement einzelner Lehrer verbunden.

·         Einzelne Projekte werden an den weiterführenden Schulen bereits erfolgreich durchgeführt (z.B. Check der Fahrradbeleuchtung im Zusammenarbeit mit der Polizei, „Hallo Auto“ etc.). Da die Organisation mit großem Aufwand verbunden ist, wäre eine Unterstützung durch die Stadtverwaltung durch das Bereitstellen von Projektvorschlägen sowie zur Umsetzung benötigten Materialien hilfreich.

 

-       Sonstiges:

·         Jüngere Schüler meiden die Busse, da diese überfüllt sind und es zu Mobbing durch ältere Schüler kommt.

·         Die Unfalllage und akute Gefahrenlage wird von der Polizei als unauffällig eingeschätzt.

 

Im Rahmen eines Modellprojektes sollen daher folgende konkrete Projektbausteine umgesetzt werden (vgl. Anlage 3):

 

1.    Verbesserung und Neubau von Fahrradabstellanlagen:

 

Die Verwaltung erfasst die vorhandene Infrastruktur und erstellt ein Gesamtkonzept zur Verbesserung der Fahrradabstellanlagen an den Einrichtungen des Schulzentrums West. Begonnen werden soll zunächst mit dem Albert-Schweitzer-Gymnasium, da im Rahmen der Sporthallensanierung die Anlage neuer Abstellanlagen vorgesehen ist. Aus den Ergebnissen der Schulwegbefragung geht hervor, dass ca. 600 Fahrradabstellanlagen benötigt werden, um den täglich mit dem Rad zum Albert-Schweitzer-Gymnasium fahrenden Schülern ein sicheres und komfortables Abstellen ihrer Räder zu ermöglichen. Die bestehenden Fahrradabstellanlagen decken den ermittelnden Bedarf damit, auch nach Umsetzung der Abstellanlagen im Rahmen des Sporthallenneubaus, weder quantitativ noch qualitativ ab.

 

2.    Erstellung eines Gesamtkonzepts „Mobilitätsbildung und Verkehrserziehung“

 

Um die in der Grundschule erworbenen Fähigkeiten und Kenntnisse zum Verhalten im Verkehr nach dem Übertritt in eine weiterführende Schule zu sichern und zu vertiefen, sollen in Abstimmung mit den Schulen, der Polizei sowie der Verwaltung Projekte für ein sicheres Verhalten im Verkehr und zur Rücksichtnahme auf andere Verkehrsteilnehmer entwickelt und am Schulzentrum West umgesetzt werden. Ziel ist es, eine Art Baukasten mit Projektideen und für die Umsetzung benötigten Materialien zu entwickeln, sodass langfristig Projekte zur Mobilitätsbildung auch an weiteren Schulen umgesetzt werden können.

 

3.   Prozesse und Strukturen
(Wie sollen die Programme / Leistungsangebote erbracht werden?)

 

Mit erfolgtem Beschluss wird die Verwaltung ein Modellprojekt zur Förderung der autofreien Mobilität von Kindern und Jugendlichen am Schulzentrum West (Hermann-Hedenus-Grundschule, Hermann-Hedenus-Mittelschule, Realschule am Europakanal, Albert-Schweitzer-Gymnasium) umsetzen.

Hierfür wird die Verwaltung ein Gesamtkonzept zur Verbesserung der Fahrradabstellanlagen für das Schulzentrum West erarbeiten. Die erste Umsetzung erfolgt am Albert-Schweitzer-Gymnasium. Das Konzept sowie die Kostenschätzung wird dem Ausschuss im Vorfeld der Umsetzung der Maßnahme vorgestellt.

Für das Themenfeld Verhalten im Verkehr wird ein Konzept zur Mobilitätsbildung und Verkehrserziehung entwickelt. Die Erstellung des Konzeptes erfolgt durch die Verwaltung.

Für dessen Umsetzung am Schulzentrum West (voraussichtlich im Jahr 2018) werden basierend auf einer Grobschätzung Kosten in Höhe von ca. 20.000 € (Fahrradabstellanlagen, Materialien zur Verkehrserziehung, etc.) angenommen. Diese Mittel stehen im Haushalt noch nicht zur Verfügung und müssen hierfür beantragt werden.

Die Umsetzung des Modellprojektes wird von der Verwaltung evaluiert und der Ausschuss über den Verlauf der Maßnahmen informiert. Langfristig soll das Konzept als Vorbild für die Ausweitung auf weitere Erlanger Schulen dienen. Für eine dauerhafte Durchführung sowie die Ausweitung auf weitere Schulen wären nach 2018 jährliche Haushaltsmittel bereitzustellen sowie die erforderlichen personellen Ressourcen zu schaffen.

 

 

4.   Ressourcen
(Welche Ressourcen sind zur Realisierung des Leistungsangebotes erforderlich?)

Investitionskosten:

bei IPNr.:

Sachkosten:

€ 20.000

bei Sachkonto:

Personalkosten (brutto):

bei Sachkonto:

Folgekosten

bei Sachkonto:

Korrespondierende Einnahmen

bei Sachkonto:

Weitere Ressourcen

 

 

Haushaltsmittel

             werden nicht benötigt

             sind vorhanden auf IvP-Nr.      

                        bzw. im Budget auf Kst/KTr/Sk        

                   sind derzeit nicht vorhanden und werden für 2018 angemeldet

Anlagen:       

 

Anlage 1 Ergebnisbericht Schulwegbefragung 2016

Anlage 2 Dokumentation der Fahrradabstellanlagen am Schulzentrum West

Anlage 3 Maßnahmenpaket für das Modellprojekt am Schulzentrum West zur Förderung der autofreien Mobilität von Kindern und Jugendlichen