Unternehmensbefragung 2016 des Wirtschaftsreferates

Betreff
Unternehmensbefragung 2016 des Wirtschaftsreferates
Vorlage
II/208/2017
Aktenzeichen
II/WA
Art
Mitteilung zur Kenntnis

Der Bericht der Verwaltung wird zur Kenntnis genommen.

Die in 2016 durchgeführte Unternehmensbefragung des Wirtschaftsreferates wurde am 16.11.2016 dem HFPA zur Kenntnis gegeben. Auf Wunsch von Frau Stadträtin Pfister wurde diese MzK zum TOP erhoben; außerdem bat sie das Thema in einer der nächsten Sitzungen als TOP zu behandeln.

 

Am 22.06.2016 wurde im HFPA über die für Juli geplante Unternehmensbefragung berichtet.

Angeschrieben wurden 739 Firmen, 21 Schreiben kamen als unzustellbar zurück. Somit haben 718 Firmen das Anschreiben erhalten, mit dem sie gebeten wurden, über die Homepage der Stadt einen Fragebogen auszufüllen. Einbezogen wurden alle Branchen mit Ausnahmen von Gastrono-mie/Hotellerie und Einzelhandel, da diese sehr spezifische Interessenslagen haben, die der Fra-gebogen nicht abdeckte.

Außerdem erschien in den Erlanger Nachrichten am 07.07.2016 ein Hinweis, dass sich auch Firmen, die kein entsprechendes Schreiben von der Stadt erhalten haben, über die Homepage der Stadt an der Umfrage beteiligen können. Eine weitere entsprechende Ankündigung erfolgte im Blog des Erlanger IHK-Gremiums.

Eine genaue Rücklaufquote lässt sich nicht ermitteln, da nicht bekannt ist, wie viele Firmen aufgrund der genannten Veröffentlichungen sich an der Umfrage beteiligt haben. Es kann jedoch festgestellt werden, dass alle Fragebögen, die mit Absender versehen waren, von Firmen stammen, die das Anschreiben erhalten hatten. Bei der Unternehmensbefragung 2011 gab es nur wenige Beteiligungen von nicht angeschriebenen Firmen.

Insgesamt beteiligten sich 224 Firmen, davon 107 (47,8 %) mit Adressenangabe. Auf die Zahl der angeschriebenen Firmen (718) bezogen würde dies einen Rücklauf von 31,2 % bedeuten. Bei den Unternehmensbefragungen 2007 und 2011 waren es 12,2 % bzw. 27,1 %.

 

Branchen

Die Firmen wurden gebeten, sich selbst einer Branche zuzuordnen.

Tabelle 1: Branchen

 


 

 

Anzahl

Anteil in %

Dienstleistung

108

48.2

Handwerk

59

26,3

Industrie

43

19,2

Handel

10

4,5

Sonstige Branchen

4

1,8

Gesamt

224

100

 

Firmensitz

Von den 222 Firmen, die auf die entsprechende Frage geantwortet haben, hatten 190 (85,6%) ihren Hauptsitz in Erlangen.

Die Firmen wurden außerdem gefragt, seit wann sie in Erlangen ansässig sind.
Die nachfolgende Abbildung 1 zeigt, dass über ein Drittel der Firmen in den letzten 15 Jahren in Erlangen gegründet bzw. hierher verlagert wurde. Weitere 19,1% waren es in den Jahren 1991 bis 2000. Seit mehr als 25 Jahren existieren 45,6% der Firmen in Erlangen.

Abbildung 1: Gründungsjahr des Unternehmens bzw. des Standorts in Erlangen

 

 

Die Firmen wurden nach den Hauptgründen für die Ansiedlung in Erlangen gefragt, sofern diese 2006 oder später erfolgte. 66 Firmen beantworteten diese Frage. Dabei waren Mehrfachnennungen möglich.

Für 28,8% dieser Firmen spielten Kundennähe und/oder Lieferantennähe eine wichtige Rolle. 27,3% gaben als Hauptgrund „private Gründe bzw. Erlangen als Wohnort“ an. Für 21,1% war auch die Infrastruktur entscheidend. Die Nähe zur Universität und zu Forschungseinrichtungen spielte für 12,1 % der Firmen eine wichtige Rolle. 4,5% gaben die Ausgründung aus Universität oder Großunternehmen als Hauptgrund für die Standortwahl an. Für weitere 6,1% der Antwortenden waren andere Gründe maßgebend.

 

Beschäftigte

An der Befragung beteiligten sich Firmen aller Größenordnungen, von 1-Mann-Betrieben bis zu Firmen mit über 500 Beschäftigten.

 

 

Betriebliche Veränderungen

Gefragt wurde, ob in den nächsten fünf Jahren grundlegende betriebliche Veränderungen geplant sind.

Von den 199 antwortenden Firmen planen 94 (47,2%) keine betrieblichen Veränderungen.
78 Firmen planen eine Erweiterung, 26 eine Standortverlagerung (meist innerhalb Erlangens).
5 Firmen wollen verkleinern und 4 Firmen sollen aufgegeben werden.

Mit einigen der Firmen, die eine Erweiterung oder/und Standortverlagerung planen, war das Wirtschaftsreferat bereits vor der Befragung in Kontakt. Zwei Firmen wendeten sich aufgrund der Befragung von sich aus an die Wirtschaftsförderung. Mit einigen Firmen wurde das Standort- und Flächenthema bei von den Firmen im Rahmen der Befragung gewünschten Betriebsbesuchen besprochen. Mit weiteren Firmen wurden bereits Gesprächstermine vereinbart bzw. wird noch Kontakt aufgenommen.

 

Standortverlagerungen oder -schließungen

Von den 30 Unternehmen, die eine Standortverlagerung oder -schließung in den nächsten fünf Jahren planen, gaben 25 hierfür Gründe an. Bei den meisten Nennungen (teilweise ohne Adressenangabe) wird auf die schwierige Gewerbeflächensituation in Erlangen hingewiesen.

Mit einigen dieser Firmen ist die Wirtschaftsförderung teilweise seit längerer Zeit diesbezüglich in Kontakt.

Vier Unternehmen werden aus Altersgründen oder anderen persönlichen Gründen aufgegeben.

 

Flächenbedarf

92 Firmen beantworteten die Frage nach der Art des Flächenbedarfs. 56 Firmen gaben an, dass sie Büroflächen benötigen. Bei 24 Firmen liegt der Schwerpunkt auf Produktionsflächen/Hallen.
12 Firmen sind an sonstigen Gewerbeobjekten interessiert.

34 Firmen suchen für eine Erweiterung oder Verlagerung ein Gewerbegrundstück, darunter vier der Firmen, für die auch ein sonstiges Gewerbeobjekt denkbar wäre.

Von den 92 Firmen streben 32 (34,8 %) einen Kauf an. 35 Firmen würden Miete bevorzugen. Eine Firma gab Erbpacht als bevorzugte Lösung an. Für weitere 24 Firmen sind „alle Optionen denkbar“.

 

Die wichtigsten Standortfaktoren

Die Firmen konnten bei der Frage nach den für sie wichtigsten Standortfaktoren bis zu drei frei formulierte Antworten geben. Diese wurden zu Themenblöcken zusammengefasst.
153 Firmen nannten Standortfaktoren.

 

Tabelle 2: Wichtige Standortfaktoren

 

Anzahl der Nennungen

Anteil der
Nennungen in %

Anteil der Fälle
(N=153)

Verkehrsthemen

91

21,5

59,5

Standort, Lage

68

16,0

44,4

Kunden-/Lieferantennähe

60

14,2

39,2

Arbeitskräfte

43

10,1

28,1

Immobilien (Gewerbe und Wohnen)

40

9,4

26,1

Infrastruktur

32

7,5

20,9

Stadtverwaltung, Öffentliche Hand

24

5,7

15,7

Lebens-, Wohnqualität

22

5,2

14,4

Tradition

17

4,0

11,1

Universität, Forschungseinrichtungen

15

3,5

9,8

Sonstige wichtige Standortfaktoren

12

2,8

7,8

Gesamt

424

100,0

277,1

 

Herausragende Bedeutung haben Verkehrsthemen. Dazu gehören u. a. Anbindungen an Auto-bahnen, Flughafen und Bahn, ÖPNV-Anbindung, ausreichende Parkmöglichkeiten oder bessere Straßenführung.

Zum Thema „Standort“ und „Lage“ wurden u. a. genannt die Erreichbarkeit der Firma für Kunden, Lieferanten und Mitarbeiter, das Umfeld, die Lage in der Metropolregion bzw. im Städtedreieck
Nürnberg-Fürth-Erlangen, die Stadtnähe oder auch ein repräsentatives Umfeld.

Eine wichtige Rolle spielt auch das Thema „Arbeitskräfte“, d. h. die Verfügbarkeit von ausreichend und qualifiziertem Personal.

Zum Thema „Immobilien“ wurde sehr häufig das hohe Preisniveau sowohl bei Gewerbeflächen als auch bei Mietobjekten angesprochen. Ebenso die Verfügbarkeit von Immobilien.

Unter dem Oberbegriff „Infrastruktur“ wurden die häufige Nennung des Begriffes „Infrastruktur“ und das Thema „Internet“ zusammengefasst. Auf letzteres wird wieder unten gesondert eingegangen.

Beim Oberbegriff „Stadtverwaltung, öffentliche Hand“ spielt erwartungsgemäß das Thema „Steuern“ eine wichtige Rolle.

 


Standortzufriedenheit

Die Umfrage ermittelte auch die „Zufriedenheit mit dem Betriebsstandort in Erlangen“.

 

 

Die einzelnen Standortfaktoren haben für die Firmen unterschiedliche Bedeutung. Dies zeigt sich u. a. am unterschiedlich hohen Anteil der Nichtantworten (grauer Balken).

Verkehr
Bei den Verkehrsanbindungen/-lagen überwiegt erwartungsgemäß die Zufriedenheit („sehr gut, gut“).

Arbeitskräfte
Die Verfügbarkeit von qualifizierten Arbeitskräften ist für die Firmen ein wichtiges Thema. Dies zeigt sich u. a. daran, dass nur 6% der Firmen hierzu keine Bewertung abgaben. 39% bewerteten die Situation als schlecht oder sehr schlecht. Lediglich 25% empfinden die Verfügbarkeit von qualifizierten Arbeitskräften als sehr gut bzw. gut.

Diese Aussagen spiegeln die gute Arbeitsmarktsituation wider, die einerseits eine sehr niedrige Arbeitslosenquote aufweist, andererseits jedoch für die Firmen das Angebot an neuen Arbeits-kräften verschlechtert.

Immobiliensituation
Die negative Bewertung des Immobilienangebotes (Gewerbe und Wohnen) überrascht nicht.

Es ist die Erfahrung im Alltagsgeschäft des Wirtschaftsreferates, dass das Angebot an Gewerbe- und Büroflächen sowie an Wohnimmobilien die Nachfrage bei Weitem nicht befriedigen kann. Entsprechend hoch ist auch das Preisniveau.

Nähe zu Hauptlieferanten und Hauptkunden
Die Nähe zu Hauptlieferanten spielt nur für 66 % der antwortenden Firmen eine Rolle. Die überwiegende Zufriedenheit mit diesem Standortfaktor dürfte sich vor allem dadurch erklären lassen, dass die Firmen bei ihrer Standortwahl bzw. Wahl der Lieferanten Entscheidungsmöglichkeiten haben.
Dies gilt auch hinsichtlich des Standortfaktors „Nähe zu Hauptkunden“.

Weiche Standortfaktoren
Hinsichtlich des Angebotes an sozialen Einrichtungen sowie im Kultur- und Freizeitbereich besteht eine hohe Zufriedenheit. Dies gilt auch für das Aus- und Weiterbildungsangebot.

Zufriedenheit mit den Ämtern

Auf die Frage, ob in den letzten Jahren Kontakt zu städtischen Ämtern bestand und wie zufrieden das Unternehmen war, haben 96 Firmen (rund 50 %) geantwortet. Es konnten bis zu drei Ämter namentlich benannt werden. Jedem Amt konnte eine Bewertung „sehr zufrieden, zufrieden, weniger zufrieden, nicht zufrieden“ zugeordnet werden. Außerdem bestand die Möglichkeit, zusätzliche Anmerkungen zu machen.

Von den 96 Unternehmen, die ein oder mehrere Ämter bewerteten, haben sich 34 zu einem oder maximal drei Ämtern negativ geäußert. Vier weitere Firmen kritisierten nichtstädtische Dienststellen, z. B. das Finanzamt. Bis auf zwei Firmen machten alle diese Firmen auch zusätzliche Anmerkungen. Von den 38 Firmen waren 12 ohne Adressenangabe.

Fast alle Unternehmen, die für einzelne Ämter eine Bewertung von „weniger oder nicht zufrieden“ abgaben, äußerten sich zu den anderen von ihnen genannten Ämterkontakten.

 

Internetanbindung

74 Firmen, davon 46 mit Adresse, gaben an, dass ihre Internetanbindung unzureichend ist. Das Wirtschaftsreferat wird diesbezüglich mit der Deutschen Telekom und den Erlanger Stadtwerken wegen Verbesserungsmöglichkeiten sprechen.

In allen Fällen handelt es sich um einen Bedarf, der weit über die Bandbreiten hinausgeht, die den in der näheren Nachbarschaft liegenden Privathaushalten angeboten werden. Meist wird ein Geschäftsanschluss benötigt, der (wesentlich) teurer ist als ein Haushaltsanschluss. Nicht in allen Fällen werden Lösungen möglich sein, beispielsweise wenn eine längere Leitungsverlegung notwendig ist und die Firma die entsprechenden Investitionen nicht tragen könnte oder möchte (z. B. als Mieter).

 

 

Kontaktaufnahmen mit den Firmen

Die Wirtschaftsförderung bot an, bei Interesse durch die Firma einen Firmenbesuch durchzuführen. 30 Firmen bekundeten Interesse an diesem Angebot. Davon waren zwei ohne Adressen-angabe, so dass eine Kontaktaufnahme nicht möglich war.

Mit den Firmen wurden bereits Gespräche geführt bzw. Kontakt aufgenommen.

 

Fazit

Nach 2007 und 2011 wurde wieder eine Unternehmensbefragung durchgeführt, die erste in der laufenden Amtsperiode von Stadtrat und Oberbürgermeister.

Positiv zu werten ist die im Verhältnis zu früheren Befragungen hohe Rücklaufquote.

Besonders erwähnenswert aus den Antworten der Unternehmen sind die Informationen zum Flächenbedarf und zu Standortverlagerungen. Der Druck auf den Markt für gewerbliche Grundstücke ist als unverändert hoch einzustufen. Die frei werdenden Flächen des Siemens-Standortes Mitte werden hier nur bedingt abhelfen können.

Über ein Drittel der Firmen, die einen Flächenbedarf angaben, streben einen Kauf an.

Die Standortzufriedenheit ist prinzipiell gut, ausgenommen bei der Verfügbarkeit und den Preisen von Gewerbe- und Wohnbauflächen (Seite 5).

Neben den Verkehrsthemen werden die Internetanbindungen als wichtige Standortfaktoren angesprochen.

 

 

 

 

Anlagen: