Sachstandsbericht des Sozialamtes und der GGFA zum SGB II Vollzug in Erlangen

Betreff
Sachstandsbericht des Sozialamtes und der GGFA zum SGB II Vollzug in Erlangen
Vorlage
50/050/2016
Aktenzeichen
V/50/VO001 T. 2249
Art
Beschlussvorlage

Die Ausführungen der Verwaltung werden zur Kenntnis genommen.

1.       Zahlenentwicklung in Erlangen im Mehrjahresvergleich 2005 – 2015

Zur näheren Einschätzung der Entwicklung seit 2005 (Inkrafttreten des SGB II) werden nachfolgend wieder die jeweiligen Dezemberwerte aus den Jahren 2005 bis 2015 gegenübergestellt.

 

Tabelle 1 Entwicklung der SGB II-Leistungsempfänger

 

 

12/05

12/06

12/07

12/08

12/09

12/10

12/11

12/12

12/13

12/14

12/15

+/-

Bedarfs-gemeinschaften

Erlangen
Bund



2.688
3.728.195



2.750
3.758.531



2.595
3.620.392



2.412
3.446.392



2.563
3.577.789



2.472
3.486.762



2.304
3.309.138



2.357
3.279.372



2.376
3.284.780



2.362
3.275.829



2.335
3.227.379



-13,1 %
-13,4 %

eLB´s

Erlangen
Bund

 

3.588
4.955.770

 

3.626
5.310.821

 

3.483
5.098.196

 

3.187
4.771.367

 

3.377
4.906.916

 

3.251
4.731.339

 

2.978
4.433.930

 

2.994
4.360.227

 

3.010
4.356.861

 

3.063
4.344.299

 

3.048
4.300.211

 

-15,1 %
-13,2 %

Sozialgeld-empfänger

Erlangen
Bund



1.568
1.779.859



1.585
1.972.672



1.532
1.922.151



1.444
1.800.779



1.428
1.826.753



1.398
1.776.961



1.267
1.695.982



1.320
1.682.878



1.457
1.692.665



1.484
1.708.732



1.409
1.721.732



-10,1 %
-3,3 %

Personen insgesamt

Erlangen
Bund



5.156
6.735.629



5.211
7.283.493



5.015
7.020.347



4.642
6.572.146



4.805
6.735.669



4.649
6.508.300



4.245
6.129.912



4.314
6.043.155



4.467
6.049.526



4.547
6.053.031



4.457
6.021.943



-13,6 %
-10,6 %

 

Tabelle 1 zeigt die Entwicklung der Anzahl von SGB II-Empfängern (Bedarfsgemeinschaften, erwerbsfähige Leistungsberechtigte, Sozialgeldbezieher, Personen im SGB II insgesamt) in der Stadt Erlangen und im Bundesgebiet in diesem 10-Jahres Zeitraum auf.

Aus den Zahlenreihen lässt sich erkennen

-       dass die Entwicklung in Erlangen und im Bund weitgehend parallel verlief und

-       dass nach dem stetigen Rückgang der Empfängerzahlen im Zeitraum 2007 bis 2011 wieder eine leichte Verschlechterung einsetzte. Nach Einschätzung der Verwaltung dürfte dies mit der drastischen Reduzierung der Bundesmittel für Eingliederungsmaßnahmen zusammenhängen, die genau in diesem Zeitraum vorgenommen wurde.

-       für 2015 ist dagegen wieder eine leichte Verbesserung bei den SGB II-Empfängerzahlen feststellbar.

Tabelle 2 Entwicklung der Arbeitslosigkeit

 

 

12/05

12/06

12/07

12/08

12/09

12/10

12/11

12/12

12/13

12/14

12/15

+/-

Arbeitslose ges.

   Erlangen
         Bund

 

 

4.014
4.604.943

 

 

3.432
4.008.943

 

 

2.392
3.406.371

 

 

2.120
3.102.085

 

 

2.543
3.275.526

 

 

2.209
3.015.715

 

 

2.027
2.780.206

 

 

2.395
2.839.821

 

 

2.446
2.872.783

 

 

2.386
2.763.521

 

 

2.271
2.681.415

 

 

-43,4 %
-41,8 %

Alo-quote
   Erlangen
         Bund


7,4 %
11,1 %


6,3 %
9,6 %


4,2 %
8,1 5


3,7 %
7,4 %


4,4 %
7,8 %


3,8 %
7,2 %


3,5 %
6,6 %


4,0 %
6,7 %


4,0 %
6,7 %


3,9 %
6,4 %


3,7 %
6,1 %

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

SGB II Arbeitslose

   Erlangen
         Bund

 

 

2.077
2.809.930

 

 

2.018
2.596.499

 

 

1.504
2.367.114

 

 

1.323
2.103.948

 

 

1.413
2.164.929

 

 

1.337
2.066.139

 

 

1.296
1.966.784

 

 

1.450
1.915.427

 

 

1.455
1.949.499

 

 

1.566
1.896.963

 

 

1.456
1.883.290

 

 

-29,9 %
-33,0 %

SGB II-Alo-quote

Erlangen
Bund

 

 

3,8 %
6,8 %

 

 

3,7 %
6,2 %

 

 

2,7 %
5,6 %

 

 

2,3 %
5,0 %

 

 

2,5 %
5,1 %

 

 

2,3 %
4,9 %

 

 

2,2 %
4,7 %

 

 

2,4 %
4,5 %

 

 

2,4 %
4,5 %

 

 

2,6 %
4,4 %

 

 

2,4 %
4,3 %

 

 

Ein ähnliches Bild zeigt sich auch bei der Entwicklung von Arbeitslosenzahlen und Arbeitslosenquoten in Erlangen und im Bund - und zwar nicht nur bei der Betrachtung der Arbeitslosigkeit insgesamt, sondern auch beschränkt auf die Entwicklung der Arbeitslosigkeit von SGB II-Beziehern. Deutlich erkennbar ist in allen Zahlenreihen der konjunkturelle Einbruch im Jahr 2009, sowie zuletzt wieder eine positive Entwicklung ab 2014.

Aus den Tabellen 1 und 2 wird allerdings auch deutlich, dass die Arbeitslosenzahlen (sowohl in Erlangen, wie auch bundesweit) erheblich stärker reduziert werden konnten, als die Anzahl der Menschen und Familien im SGB II-Leistungsbezug. Der Grund dafür liegt sicherlich in den gesetzlichen Statistikregeln. Es ist wesentlich leichter einen Menschen aus der Arbeitslosenstatistik heraus zu bekommen (z. B. durch Aufnahme einer befristeten oder Teilzeitbeschäftigung oder durch Zuweisung in eine Maßnahme), als eine Familie bzw. Bedarfsgemeinschaft aus der finanziellen Bedürftigkeit - und damit aus dem SGB II-Leistungsbezug – heraus zu bekommen. Nach unserer Auffassung stehen die Zahlen der Arbeitslosenstatistik nach wie vor zu sehr im Vordergrund der öffentlichen Wahrnehmung. Stattdessen sollte dem Ziel der Armutsbekämpfung (Reduzierung der Anzahl der SGB II-Leistungsempfänger) mehr Beachtung geschenkt werden.

 

Tabelle 3 Entwicklung der Integration in den Arbeitsmarkt Erlangen

 

 

2005

2006

2007

2008

2009

2010

2011

2012

2013

2014

2015

Integrationen

502

1.105

1.181

1.149

941

1.156

1.106

1.008

1.044

1.067

1.196

Davon Vermittlung in Ausbildung


2


70


102


115


112


105


87


89


105


86


115

 

Auch im vergangenen Jahr konnte – lt. Angaben der GGFA – bei den Integrationen in den ersten Arbeitsmarkt wieder die 1.000er-Grenze übersprungen werden. Dabei sollte jedoch nach Auffassung des Sozialamtes zukünftig genauer unterschieden werden, wie viele der erreichten Integrationen nachhaltige Vollzeitbeschäftigungen betreffen oder Teilzeit-, Mini- oder befristete Jobs.

 

Tabelle 4 Entwicklung der SGB II-Ausgaben in Erlangen (ohne BuT)

 

 

2005

2006

2007

2008

2009

2010

2011

2012

2013

2014

2015

Transfer-leistungen

23,0 Mio

28,2 Mio

24,4 Mio

23,1 Mio

24,6 Mio

25,1 Mio

21,8 Mio

21,5 Mio

22,7 Mio

23,3 Mio

23,6 Mio

Eingliederungskosten

2,0 Mio

2,8 Mio

2,8 Mio

2,8 Mio

2,75 Mio

2,57 Mio

2,18 Mio

1,5 Mio

1,08 Mio

1,0 Mio

1,1 Mio

Verwaltungskosten

3,5 Mio

3,5 Mio

3,3 Mio

3,1 Mio

3,53 Mio

3,53 Mio

3,5 Mio

3,4 Mio

3,6 Mio

3,8 Mio

3,9 Mio

Gesamt-aufwand

28,5 Mio

34,5 Mio

30,5 Mio

29,0 Mio

31,2 Mio

31,2 Mio

27,5 Mio

26,4 Mio

27,4 Mio

28,1 Mio

28,6 Mio

 

Bei dem mit der SGB II-Umsetzung in Erlangen verbundenen finanziellen Aufwand hat sich von 2014 auf 2015 wieder eine Steigerung der Gesamtkosten auf 28,6 Mio. € ergeben (+ 0,5 Mio. €). Dieser Anstieg beruht überwiegend auf dem höheren Finanzbedarf für die  Transferleistungen für SGB II-Bezieher (+ 0,3 Mio. € für ALG II, Sozialgeld, Kosten der Unterkunft, Sozialversicherungsbeiträge).

Besonders ins Auge fällt das nach wie vor niedrige Niveau der Bundesmittel für die Eingliederung in den Arbeitsmarkt. Seit 2012 steht für diesen Zweck gegenüber den Jahren davor nur ein vergleichsweise geringer Betrag zur Verfügung, so dass eine wirksame Aufgabenerfüllung durch die Jobcenter bei dieser niedrigen finanziellen Ausstattung stark eingeschränkt ist.

 

Tabelle 5 Entwicklung des Finanzaufwandes der beteiligten Kostenträger in Erlangen (ohne BuT-Leistungen

 

 

2005

2006

2007

2008

2009

2010

2011

2012

2013

2014

2015

Gesamtaufwand

28,5 Mio

34,5 Mio

30,5 Mio

29,0 Mio

30,7 Mio

31,2 Mio

27,5 Mio

26,4 Mio

27,4 Mio

28,1 Mio

28,6 Mio

davon Bund

22,1 Mio

26,8 Mio

23,25 Mio

21,7 Mio

22,75Mio

22,5 Mio

19,6 Mio

18,7 Mio

19,36Mio

19,85Mio

20,6 Mio

Stadt
Erlangen

6,4 Mio

7,7 Mio

7,25 Mio

7,3 Mio

7,98 Mio

8,7 Mio

7,55 Mio

7,7 Mio

8,04 Mio

8,25 Mio

8,0 Mio

Kommunaler Anteil an den Gesamtkosten

22,5 %

22,24 %

23,75 %

25,13 %

25,98 %

27,88 %

27,45 %

29,22 %

29,36 %

28,43 %

27,85 %

 

Der Anstieg des finanziellen Gesamtaufwandes für die SGB II-Umsetzung in der Stadt Erlangen um ca. 0,5 Mio. € im Jahr 2015 gegenüber 2014 teilt sich auf in einen Anstieg der Bundesausgaben um 0,75 Mio. € und in einen Rückgang der kommunalen Ausgaben um 0,25 Mio. € (wobei allerdings die BuT-Ausgaben dabei nicht berücksichtigt sind). Dies bewirkt, dass die kommunale Finanzierungsquote an den gesamten SGB II-Ausgaben in Erlangen im Jahr 2015 weiter zurück geht auf nunmehr 27,85 % (nach 28,43 % im Jahr 2014).

Der Grund für diese Entwicklung liegt ausschließlich in der sog. „Kommunalmilliarde“, zu deren Zahlung sich der Bund für die Jahre 2015 bis 2017 im Vorfeld der geplanten Reform der Eingliederungshilfe für Behinderte verpflichtet hat, um die Kommunalfinanzen pauschal zu entlasten. Dies wird umgesetzt durch eine vorübergehende (beschränkt auf die Jahre 2015 bis 2017) Anhebung der Bundesbeteiligung an den Kosten der Unterkunft um 3,7 % (siehe Tabelle 6)

 

Tabelle 6 KdU-Kosten und KdU-Bundesbeteiligung in Erlangen (ohne BuT-Leistungen)

 

 

2005

2006

2007

2008

2009

2010

2011

2012

2013

2014

2015

KdU-Aufwand

8,44
Mio

9,87 Mio

9,49 Mio

9,28 Mio

9,75 Mio

10,09 Mio

9,09 Mio

9,37 Mio

9,73 Mio

10,02 Mio

10,13 Mio

Bundesbeteiligung

29,1 %

29,1 %

31,2 %

28,6 %

25,4 %

23,0 %

26,4 %

26,4 %

26,4 %

26,58 %

30,1 %

Bundesaufwand

2,45 Mio

2,87 Mio

2,95 Mio

2,65 Mio

2,48 Mio

2,32 Mio

2,40 Mio

2,47 Mio

2,57 Mio

2,64 Mio

3,05 Mio

Aufwand Stadt

5,99 Mio

7,00 Mio

6,50 Mio

6,63 Mio

7,27 Mio

7,77 Mio

6,69 Mio

6,90 Mio

7,16 Mio

7,38 Mio

7,08 Mio

 

Der Gesamtaufwand für die Kosten der Unterkunft, dem mit Abstand größten kommunalen Kostenblock, ist im abgelaufenen Jahr 2015 erneut angestiegen. Trotz geringfügig gesunkener Empfängerzahlen wurde damit ein Allzeithoch bei den KdU-Kosten erreicht, bedingt durch steigende Miet- und Mietnebenkosten sowie durch die Mitte 2014 angehobenen Mietobergrenzen in Erlangen.

Aufgrund der um 3,7 % erhöhten Bundesbeteiligung im Rahmen der sog. „Kommunalmilliarde“ wirkt sich dies in einem höheren Bundesaufwand (+ 0,4 Mio. €) und einem niedrigeren Kommunalaufwand (- 0,3 Mio. €) aus.

 

Tabelle 7 Entwicklung der eingelegten Rechtsbehelfe gegen SGB II-Bescheide

 

 

Widersprüche

Eilanträge Gericht

Klagen Gericht

 

2012

2013

2014

2015

2012

2013

2014

2015

2012

2013

2014

2015

eingegangen

249

327

382

389

18

20

25

21

56

48

88

81

entschieden

234

288

348

347

18

16

29

14

48

46

61

61

davon Abhilfe / Stattgabe

39

59

66

67

2

3

2

3

5

1

6

4

Teilabhilfe/ Vergleich

19

16

19

30

5

3

5

6

22

21

25

37

Abweisung

171

205

255

236

6

2

9

2

5

9

6

8

Rücknahme/ Erledigung

5

8

8

14

5

8

13

3

16

15

24

12

 

Bei der Entwicklung der gegen SGB II-Bescheide eingelegten Rechtsbehelfe zeigen die Zahlen einen deutlichen Anstieg seit 2013/2014. Aus Kollegenkreisen wissen wir, dass dies kein spezifisches Erlangen Phänomen ist, sondern bundesweit zu beobachten ist.

 

  1. BuT-Leistungen und Stand der Petition der Stadt Erlangen

Über die Entwicklung der BuT-Leistungen in Erlangen wurde in den letzten SGA-Terminen regelmäßig berichtet. Nach Auffassung der Verwaltung sind die gesetzlichen BuT-Pflichtleistungen eine wichtige Unterstützung von Kindern aus armen Familien im Bildungssystem – und damit eine wichtige Hilfe zur langfristigen nachhaltigen Armutsbekämpfung und zur Durchbrechung des Armutskreislaufs. Dies gilt insbesondere für den Modellversuch optimierte Lernförderung, der in Erlangen als BuT-Leistung erbracht wird.

Die Bilanz der über § 46 SGB II aus Bundesmitteln zu erstattenden BuT-Leistungen weist für das Jahr 2015 ein vom Sozialamt erbrachtes Ausgabevolumen von 896.505,21 € auf. Trotz vom Bund an das Land erbrachter, vollständiger Erstattung wurde vom Freistaat Bayern im Jahr 2015 lediglich eine Summe von 325.428,51 € an die Stadt Erlangen weitergeleitet (das entspricht einer Erstattungsquote vom lediglich 36,3 % – Defizit für den Haushalt der Stadt Erlangen im Jahr 2015: 571.076,70 €). Dagegen wurde von der Stadt - auf einstimmigen SGA-Beschluss - eine Petition an den Bayerischen Landtag gerichtet.

Etwa zeitgleich wurde von der Bayerischen Staatsregierung dem Landtag ein Gesetzesentwurf zugeleitet, wonach der bisherige – aus Sicht der Stadt Erlangen höchst ungerechte - Verteilungsmodus wie bisher unverändert beibehalten werden soll. Entgegen ursprünglichen Befürchtungen wurden beide Vorlagen (Gesetzentwurf der Staatsregierung und Petition der Stadt Erlangen) in der Sitzung des Sozialpolitischen Ausschusses des Bayerischen Landtages am 10.03.2016 gemeinsam behandelt. Dabei wurde vom Vertreter des Bayerischen Sozialministeriums generell in Abrede gestellt, dass es eine Bundeserstattung des kommunalen BuT-Aufwandes gebe – es gebe vielmehr nur eine KdU-Bundeserstattung, deren Höhe sich nach dem (landesweiten) BuT-Aufwand der Kommunen richtet. Darüber hinaus berief sich das BayStMAS auf die ausdrückliche (lt. BayStT erzwunge) Zustimmung des Bayerischen Städtetages zur Beibehaltung der bisherigen Verteilungsmethode im Bayern. Entsprechend fraktionsinterner Vorfestlegungen entschied sich schließlich die Mehrheit des sozialpolitischen Landtagsausschusses (CSU-Fraktion und Fraktion Bündnis 90/Die Grünen) dem Gesetzentwurf der Staatsregierung zuzustimmen und die Petition der Stadt Erlangen abzulehnen. Die Mehrheit war nicht einmal dazu bereit, sich vom Ministerium vorher über die finanziellen Auswirkungen auf die einzelnen bayerischen Kommunen informieren zu lassen. Lediglich die Fraktionen von SPD und Freie Wähler votierten für eine Berücksichtigung der Petition der Stadt Erlagen.

 

Soweit die Stadt dieses Ergebnis auf sich beruhen lassen sollte, würde dieses Defizit den städtischen Haushalt dauerhaft belasten, denn die BuT-Aufwendungen sind gesetzliche Pflichtleistungen. Selbst eine komplette Einstellung der optimierten Lernförderung würde dieses Defizit nur zum Teil verringern. Dagegen bliebe jedoch immer noch z. B. die Möglichkeit durch das Rechtsamt die Erfolgsaussichten einer Popularklage wegen Verstoßes gegen das Willkürverbot prüfen zu lassen, bzw. auch die Möglichkeit von höherer Stelle das Gespräch mit dem Bayerischen Städtetag zu suchen, ob eine Änderung der Haltung unseres kommunalen Spitzenverbandes zur dauerhaften Benachteiligung der Mehrheit der bayerischen Kommunen erreichbar ist.

 

  1. Zum Stand der jährlichen Abrechnungen mit Berlin

 

Zu den Abrechnungen für die Jahre 2010 bis 2013 ist nach wie vor die Klage der Stadt Erlangen gegen den Bund vor dem Landessozialgericht Bayern anhängig. Für uns ist derzeit nicht absehbar, wann das Gericht einen Verhandlungstermin ansetzten wird. Nach einem Teilanerkenntnis des Bundes geht es „nur noch“ um eine Streitsumme von ca. 100.000 €. Die vom Bund uns gegenüber dabei praktizierte Abrechnungspraxis wird mittlerweile nicht nur von den Kommunalen Spitzenverbänden sehr kritisch gesehen – sie war im Februar 2016 auch Diskussionsgegenstand in der Bund-Länder-Arbeitsgruppe. Dabei soll vom Bund die Absicht geäußert worden sein, in diesem Prozess mit der Stadt Erlangen ein höchstrichterliches Urteil durch das BSG anzustreben.

 

Mit Schreiben vom 26.02.2016 hat der Bund nun mehr auch für das Abrechnungsjahr 2014 seine Prüfung abgeschlossen. Dabei wurden keinerlei Fehler und Beanstandungen festgestellt – mit Ausnahme einer Rückforderung über 920,16 €. Aufgrund einer Anfang 2014 vom Bund einseitig geänderten Auslegung der Abrechnungsvoschriften (KoAVV) weigert sich der Bund seit diesem Zeitpunkt vom Arbeitgeber abzuführende Pauschalsteuern für Beiträge zu Zusatzversorgungskassen als Brutto-Personalkosten anzuerkennen und verweigert die Spitzabrechnung dieser marginalen Beiträge gemäß § 10 KoAVV. Da diese erstaunliche Rechtsauffassung der Berliner Prüfgruppe überall auf Unverständnis stieß, haben sich die Optionskommunen bundesweit auf die Empfehlung verständigt, entsprechende Rückforderungen des Bundes nicht anzuerkennen. Dieser Empfehlung ist auch die Stadt Erlangen gefolgt.

 

Die Abrechnung für 2015 ist derzeit in Arbeit und dürfte gegen Jahresmitte in Berlin vorgelegt werden.

 

  1. Flüchtlinge im SGB II

 

Mit der Anerkennung als Asylberechtigte oder der Zuerkennung von internationalem Schutz er-werben Flüchtlinge die Leistungsberechtigung nach dem SGB II.

Bis Ende Januar war die Anzahl der Flüchtlinge, die die Zugangsvoraussetzungen für das SGB II erfüllten noch relativ gering. Seit Mitte Februar 2016 steigt die Anzahl der Antragsteller auf Leis-tungen nach dem SGB II kontinuierlich an, da immer mehr Flüchtlinge durch das BAMF anerkannt werden. Derzeit werden 149 Bedarfsgemeinschaften in der Leistungsabteilung des Jobcenters betreut. Auffällig ist auch, dass eine nicht geringe Anzahl der Flüchtlinge im SGB II bereits in den umliegenden Jobcentern Leistungen nach dem SGB II bezogen hatte und dann nach Erlangen umgezogen ist.

 

In Erlangen beziehen derzeit 1049 Bedarfsgemeinschaften (Stand: 16.03.2016) Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz. Aus welchen Ländern die Asylsuchenden kommen, kann der beiliegenden Aufstellung entnommen werden.

 

Grundsätzlich kann man davon ausgehen, dass Leistungsempfängern aus den Herkunftsländern Syrien, Irak, Iran und Eritrea nach Abschluss des Asylverfahrens die Flüchtlingseigenschaft zuerkannt wird. Nach nicht offiziellen Auskünften des BAMF ist in den nächsten Monaten mit einer steigenden Zahl an Anerkennungen und damit einer steigenden Zahl an Zugängen im SGB II zu rechnen.

 

Neben den zu bewältigenden Sprachproblemen stellt insbesondere der angespannte Erlanger Wohnungsmarkt eine große Herausforderung dar. Anerkannte Flüchtlinge müssen grundsätzlich spätestens nach sechs Monaten die Gemeinschaftsunterkünfte verlassen und sich Wohnraum anmieten. Dies ist jedoch faktisch in zahlreichen Fällen nicht oder nicht in diesem Zeitraum möglich.

 

Ein Verbleiben in den Unterkünften stellt sich in dreierlei Hinsicht als problematisch dar:

  • Anerkannte Flüchtlinge ziehen selbstverständlich das Anmieten und Wohnen in abgeschlossenen Wohnungen der Unterbringung in Gemeinschaftsunterkünften vor (Schutz der Privatsphäre).
  • Die Mieten in den Gemeinschaftsunterkünften übersteigen die im SGB II als angemessen anerkannten Mieten bei weitem (Beispiel: 3-köpfige Familie zahlt pro Tag und Person 23 €, d.h. in einem Monat 2070,00 €); diese Kosten der Unterkunft, die den für einen 3-Personen-Haushalt als angemessen erachteten Betrag von 502 € bei weitem übersteigen, muss solange übernommen werden bis die Anmietung von angemessenem Wohnraum möglich ist. In diesen Fällen ist eine enge Zusammenarbeit mit dem Wohnungsamt erforderlich.
  • Vermieter nutzen diese schwierige Situation von Wohnungssuchenden z.T. aus und verlangen z.T. weit überhöhte Mieten.

 

In dieser schwierigen Situation ist besondere Sensibilität gefragt und für jeden Einzelfall müssen gute Lösungen gesucht werden.

 

Anlagen:             1. Eckwerte

                               2. Mittelverbrauch

                               3. aktuelle Asylbewerberübersicht

                               4. Sachstandsbericht der GGFA