Navigationssysteme und Baustellen; Fraktionsantrag der FDP Stadtratsfraktion Nr. 108/2015

Betreff
Navigationssysteme und Baustellen;
Fraktionsantrag der FDP Stadtratsfraktion Nr. 108/2015
Vorlage
32-1/022/2015
Aktenzeichen
III/32
Art
Beschlussvorlage

Der Antrag auf Einspeisung der längerfristigen und verkehrsrelevanten Baustellendaten im Stadtgebiet Erlangen in die bekannten GeoInformations- sowie Navigationssysteme ist nicht weiter zu verfolgen.
Der Fraktionsantrag der FDP Stadtratsfraktion Nr. 108/2015 ist damit abschließend bearbeitet.

Mit Antrag vom 6.7.2015 Nr. 108/2015 (Anlage 1) fordert die FDP Stadtratsfraktion die Einspeisung der längerfristigen und verkehrsrelevanten Baustellendaten im Stadtgebiet Erlangen in die bekannten GeoInformations- sowie Navigationssysteme. Begründet wird diese Forderung mit der Einschätzung, dass für Ortsfremde Navigationssysteme einen maßgeblichen Anteil an der Bereitschaft haben in die Stadt Erlangen zu fahren. Aktualität sei hierbei unerlässlich und muss von Seiten der Verwaltung gewährleistet sein.

Einleitend wird darauf hingewiesen, dass das Ordnungs- und Straßenverkehrsamt über keine fachliche Kompetenz zur Beurteilung der beantragten Maßnahmen verfügt. Aus diesem Grunde wurde  das eGovernment-Center um fachliche Stellungnahme gebeten. Das eGovernment-Center schätzt die Situation wie folgt ein:

"Das GIS Team im eGovernment-Center stellt die technische GIS-Infrastruktur für die Dienststellen der Stadt Erlangen zur Verfügung, entwickelt die Plattformen weiter, beschafft Software und Daten von externen Anbietern, erstellt Web-Applikationen und leistet Support in Anwendungsfragen oder bei technischen Problemen. Daten werden ausschließlich von den jeweils sachlich zuständigen Fachbereichen erfasst und gepflegt. Die Abteilung Vermessung und Bodenordnung ist die zuständige Dienststelle für die Abgabe von städtischen Geodaten an Dritte.

 

Eine vom Tiefbauamt mit Unterstützung des GIS Teams erstellte interaktive Baustellen-Karte ist seit März online (seitdem >31.700 Aufrufe). Darin werden die wichtigsten Baumaßnahmen im Stadtgebiet dargestellt, die sich auf den Straßenverkehr stark behindernd auswirken (i. d. R. nur Vollsperrungen oder Teilsperrungen). Zu den einzelnen Baumaßnahmen sind weitere Informationen über den Veranlasser, Sperrungen und die Bauzeit sowie ggf. ein weiterführender Link erfasst. Die Daten werden i. d. R. vom Ordnungs- und Straßenverkehrsamt an das Tiefbauamt übermittelt.

Die Karte wird über erlangen.de und das Online-Kartenportal der Stadt bereitgestellt. Auch in der Erlangen-App ist sie enthalten. Alle Angebote sind mobilfreundlich, d. h. sie können auch unterwegs genutzt werden.

Über die Social Media Kanäle wird immer wieder auf die vorhandenen Informationsangebote zu den Baumaßnahmen hingewiesen. Wer sich also für die aktuelle und künftige Baustellensituation im Stadtgebiet interessiert, wird auf den Kommunikationsplattformen der Stadt umfassender und aktueller informiert, als es über Drittangebote zu erwarten ist.

 

Alle Baumaßnahmen im Stadtgebiet Erlangen, die erhebliche Verkehrsbehinderungen verursachen, zuverlässig und vollständig zu erfassen, zeitnah zu veröffentlichen sowie allen möglicherweise interessierten Unternehmen - die Reise- und Verkehrsinformationsdienste anbieten - zur Verfügung zu stellen ist u. E. eine große Herausforderung, die von keiner Dienststelle ohne Bereitstellung von personellen Ressourcen ad hoc zusätzlich geleistet werden kann.

Eine Nachfrage im Arbeitskreis ‚Vermessung und Geoinformation‘ des Bayerischen Städtetags hat übrigens ergeben, dass keine der dort vertretenen Kommunen Baustellendaten an Dritte abgibt.

 

Navigationsdienste basieren auf aktuellen Verkehrslagebildern, die zum einen in Echtzeit über Bewegungsdaten der Mobil- und Navigationsgeräte der Nutzerinnen und Nutzer ermittelt und zum anderen über die gespeicherte Bewegungsdatenhistorie prognostiziert werden. Diese Daten werden bei der Routenberechnung variabel herangezogen. Unserer Einschätzung nach. bringen Lage- und Sachinformationen zu stationären Baustellen den Nutzerinnen und Nutzern bei der Navigation keinen Mehrwert und es wird stark bezweifelt, dass diese, bspw. direkt vor Fahrtantritt überhaupt nachgesehen werden.

 

Das GIS Team im eGovernment-Center hat trotzdem am 25.08.2015 bei Google München angefragt (persönlicher Ansprechpartner, am 15.09. und 24.09.2015 nachgefragt), ob Google Baustellen-Daten direkt von der Stadt Erlangen beziehen will, in welcher Weise diese ggf. im Paket oder automatisiert abgeben werden könnten, ggf. Sachdaten und Links mit angezeigt werden könnten, Google Baustellen-Daten von Drittanbietern bezieht und ob die Stadt Erlangen ggf. dorthin liefern soll.

Nach Auskunft von Google München, die mit der zuständigen Person gesprochen haben, die das Thema ‚Verkehrslage‘ in Deutschland verantwortet, lässt sich der Prozess nicht manuell beeinflussen. D. h. es besteht keine Möglichkeit die Baustellen in GoogleMaps direkt zu editieren (oder sonstwie ggf. automatisiert zu ergänzen).

Derzeit ist bei der Google Maps ‚Verkehrslage‘ nur eine Straßensperrung im Stadtgebiet Erlangen (doppelt) eingetragen. Es ist aber nicht ersichtlich, wer diese Baustelle eingetragen hat und auf welchem Weg. Auch Google München konnte offenbar noch nicht in Erfahrung bringen, wie diese Vollsperrung erfasst wurde.

Die Werkzeuge die Google für private Nutzerinnen und Nutzer zur Verbesserung der Kartengrundlage (Map Maker) und Übermittlung von verkehrsrelevanten Ereignissen (Waze App und Editor) bereitstellt sind für die Stadtverwaltung nach Prüfung nicht geeignet. Mit Google Map Maker können nach Aufhebung der monatelangen Bearbeitungsperre zwar wieder Geometrien in der Google-Grundkarte erzeugt werden (Freigabeverfahren dauert dann oft sehr lang), aber der Verkehrslage-Layer kann damit nicht editiert werden. Die Waze-Anwendungen können u. a. von der Funktionslogik her von der Stadt nicht verwendet werden.

 

Sollte man dem Fraktionsantrag dennoch folgen wollen, käme evtl. die Hinterlegung im „MobilitätsDatenMarktplatz“ der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) in Frage, um neutral allen interessierten Unternehmen den Zugang zu unseren Baustellendaten zu ermöglichen:

http://www.mdm-portal.de/

http://service.mdm-portal.de/mdm-portal-application/

Mit der MDM-Initiative hat die Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) eine universelle Plattform genau für den im Fraktionsantrag angestrebten Zweck - zum Austausch von Verkehrsdaten zwischen Straßenverkehrsbehörden und potentiellen Datenabnehmern - geschaffen.

 

Dieser kostenfreien Abgabe von städtischen Geodaten als Open Data [nichts anderes wäre die Bereitstellung georeferenzierter Sachdaten über Baumaßnahmen ohne Nutzungsbeschränkungen auch für kommerzielle Zwecke], also ohne Erhebung von Nutzungsentgelten, könnte u. E. die gültige Entgeltordnung der Abteilung Vermessung und Bodenordnung entgegenstehen, die aber 2016 neu gefasst werden soll.

 

Verkehrsinformationen der Kommunen als Open Data

„Mit Open Data verbindet sich die Forderung nach freiem Zugang zu aktuellen öffentlichen Daten und Informationen im Internet, die jeder nutzen, zusammenführen und weiterverwenden kann. Das Spektrum von Open Data ist so breit wie die Vielzahl der Daten, die die öffentliche Hand erhebt und vorhält“ (DStGB et al. 2014). In diesem Sinne sind auch Verkehrsdaten als offene Daten zu betrachten, deren Veröffentlichung notwendig ist, um die in unterschiedlichen Gesetzen und Richtlinien aufgestellten Forderungen nach interoperablen Systemen und der Bereitstellung von multimodalen Reise- und Verkehrsinformationsdiensten zu erfüllen.

[MobilitätsDatenMarktplatz – welche Chancen ergeben sich für Städte und Gemeinden? AGIT 2015, Tagungsband Seite 207]

 

Die Distribution der von den zuständigen Fachbereichen erfassten und gepflegten Baustellendaten in maschinenlesbarer Form als OpenData wäre - alternativ zum MDM - auch zum Download oder als Server-Dienst technisch möglich. Für Open Data gibt es allerdings weder einen politischen Auftrag noch eine gesamtstädtische Konzeption. Auf ein solches Angebot müsste u. E. aus wettbewerbsrechtlichen Gründen öffentlich hingewiesen werden."

 

Resümee:

Auf den städtischen Seiten wird bereits seit März 2015  mit Hilfe der interaktiven Baustellenkarte (vgl. Anlage 2), in der die wichtigsten Baustellen (mit erheblichen Auswirkungen auf den Verkehr) dargestellt sind, informiert. Seit diesem Zeitpunkt wurden Stand 13.11.2015 mehr als 33.200 Aufrufe registriert.

In der fachlichen Stellungnahme des eGovernment-Centers wird zudem der Mehrwert durch Übermittlung von Lage- und Sachinformationen zu stationären Baustellen bezweifelt. Ferner ist darauf hinzuweisen, dass keine städtische Dienststelle - ohne Bereitstellung von zusätzlichen personellen Ressourcen - in der Lage ist, alle Baumaßnahmen im Stadtgebiet mit erheblichen Auswirkungen auf den Verkehr zuverlässig und vollständig zu erfassen und Interessenten zeitnah zur Verfügung zu stellen.

Auch muss darauf hingewiesen werden, dass eine Bereitstellung von Daten ohne Erhebung von Nutzungsentgelten mit der gültigen Entgeltordnung der Abteilung Vermessung und Bodenordnung in Konflikt stehen könnte.

Auf Grund der o. g. Aspekte kann der Fraktionsantrag seitens der Verwaltung nicht befürwortet werden. 

 

 

Anlagen:        Fraktionsantrag Nr. 108/2015 (Anlage 1)
                        Baustellenkarte Stand 31.8.2015 (Anlage 2)