CSU-Fraktionsantrag 092/2014 "Pinnadeln" von Isi Kunath; aktuell: Nachfolgekonzept "Erlangen sichtbar - unsichtbar"

Betreff
CSU-Fraktionsantrag 092/2014 "Pinnadeln" von Isi Kunath; aktuell: Nachfolgekonzept "Erlangen sichtbar - unsichtbar"
Vorlage
47/006/2015
Aktenzeichen
IV/47/SAO
Art
Beschlussvorlage
  1. Der Bericht der Verwaltung dient zur Kenntnis.

 

  1. Die Verwaltung wird beauftragt, das Konzept „Stadtrundgang Erlangen sichtbar – unsichtbar“ umzusetzen – vorbehaltlich der Finanzierungsmöglichkeit primär durch einen Sponsor.

 

  1. Mit Beschluss des Konzepts wird die Verwaltung beauftragt, den Rückbau der Pinnadeln und der dazugehörigen Keramikplatten in die Wege zu leiten. Grundlage hierfür ist der Beschluss im KFA vom 21.05.2014 (Sitzungsvorlage KPB/002/2014).

 

  1. Der Fraktionsantrag gilt hiermit als bearbeitet.

  

1. Vorbemerkung:

 

Mit Beschluss des KFA vom 21.05.2014 wurde die Verwaltung beauftragt, gemäß der Empfehlung der Kunstkommission im Herbst 2014 mit dem Rückbau der Pinnadeln zu beginnen.

 

Aufgrund der Anregungen aus der Bürgerschaft, dem CSU-Fraktionsantrag (092/2014) und einem möglichen Unterstützungsanbot des damaligen Projekt-Sponsors wurde in der Sitzung der Kunstkommission am 29.07.2014 das Thema Pinnadeln erneut diskutiert, unter Beteiligung der Künstlerin Isi Kunath und eines Vertreters der Firma Rehau. Die Kunstkommission verständigte sich darauf – unter Beachtung des vorliegenden Beschlusses zum Rückbau –, ein innovatives Konzept zu entwickeln, das auch unabhängig von den Pinnadeln zukünftig die Bürgerinnen und Bürger über wichtige historische Orte in Erlangen informiert, Führungen ermöglicht und die Möglichkeit gibt, eigenständig Informationen darüber zu erhalten.

 

 

2. Konzept: Stadtrundgang „Erlangen sichtbar – unsichtbar“

 

Unter dem Titel Stadtrundgang „Erlangen sichtbar – unsichtbar“ soll die Idee des Erkennbarmachens und Hinweisens auf bestimmte historische Orte in Erlangen, so wie dies auch die Idee der Pinnadeln war, in modifizierter Form weitergeführt werden.

Zukünftig sollen Bürger, Gäste und Touristen die Möglichkeit haben, in Form von realen wie virtuellen Stadtrundgängen zeitgemäß und unkompliziert „direkt vor Ort“ interessante und vielfältige Informationen sowie Bildmaterial zu Erlangens Geschichte und zu bestimmten Orten zu erhalten. Der Stadtrundgang „Erlangen sichtbar – unsichtbar“ kann jedoch auch vom heimischen PC aus über eine Verlinkung auf www.erlangen.de erschlossen werden. Die Stadtführer/innen haben die Möglichkeit, die historischen Orte mit in ihre Führungen einzubeziehen bzw. gezielt Rundgänge anzubieten. Das Konzept ist inhaltlich erweiterbar. Es besteht die Möglichkeit, zu bestimmten Themenschwerpunkten oder Zeiträumen in der Geschichte Erlangens weitere reale wie virtuelle Stadtrundgänge zu entwickeln, u.a. auch in Stadtteilen.

 

 

2.1 Gestaltung und Umsetzung

·         Amt 46/Stadtmuseum hat eine Auswahl an Stationen für den ersten Stadtrundgang „Erlangen im Kaiserreich“ erarbeitet. Dieser umfasst rund 16 Stationen in der Innenstadt sowie der östlichen Innenstadt.

 

·         Ähnlich wie die bisherigen Keramikplatten der Pinnadeln sollen zukünftig 15-20 quadratische Edelstahlplatten in der Größe 45 cm x 45 cm horizontal an ausgewählten Orten auf dem Boden „in markierender Funktion“ verankert werden. Die Gesamthöhe einer Platte beträgt ca. 6 mm (Grundplatte 4 mm, Schriftplatte 2 mm).

 

·         Die Edelstahlplatten beinhalten folgende Informationen:

o   Überschrift und Benennung des Ortes, de Gebäudes oder des Denkmals

o   kurzer verständlicher Text in gut lesbarer Form

o   QR-Code

o   kurze Website-Adresse, sollte der QR-Code nicht erfasst werden können (Quick Scan App erforderlich)

o   Logo des Sponsors

 

·         Texte, Sponsoren-Logo und QR-Code werden durch ein Laserverfahren dauerhaft in die Platte eingestanzt bzw. graviert.

 

·         Die Edelstahlplatten werden auf ein ca. 7 cm dickes Betonfundament verschraubt (Genehmigungen durch Tiefbauamt, Ausführung durch Firma).

 

·         Via Smartphone gelangt der Bürger über den QR-Code auf eine Website (Verlinkung mit www.erlangen.de), die folgende Informationen umfasst:

o   Auflistung aller Orte des Stadtrundgangs

o   Karte mit Standorten

o   Automatische Stadtrundgang-Navigation

o   Textliche Informationen zur Historie der jeweiligen Orte

o   Bildmaterial und Bildergalerien

 

·         Via PC zuhause erhält der Interessierte die gleichen Informationen über die Website-Adresse bzw. auch über www.erlangen.de.

 

·         Mittels der Website und der mobilen Version für das Smartphone ist es auch möglich, weitere Stationen in den Stadtrundgang mit einzubeziehen, für die z. B. aufgrund der Gegebenheiten vor Ort keine Edelstahlplatten platziert werden konnten.

 

·         Es wird keine „eins-zu-eins“-Überschneidung der Edelstahlplatten mit den bisherigen Pinnadel-Standorten geben, wenngleich jedoch Schnittmengen.

 

 

 

2.3 Vorgesehene Stationen 

 

Die nachfolgend aufgeführten Stationen bilden den derzeitigen Entwurf für einen Stadtrundgang „Erlangen im Kaiserreich“ (Konzept. Amt 46/Stadtmuseum)

(ebenso vorbehaltlich Genehmigung Amt 66/Tiefbauamt, Überprüfung erfolgt ab der 10. KW)

 

Bauwerk

Bedeutung                               

heute

Standort

Kriegerdenkmal

1890 enthüllt,

1952 abgebrochen

Kundgebungsort der Kriegervereine, Sedanfeiern

Fragment: Löwe

Martin-Luther-Platz

Erichhaus

1886/87 errichtet

Repräsentatives Wohnhaus und Kontor der Brauerfamilie Erich

Denkmalgeschützt,

Restaurant

Theaterplatz 22

Elfenbeinfabrik Bücking

1752 errichtet, seit 1825 Elfenbeinkammfabrik

Erste Erlanger Dampfmaschine 1845

J.G. Bücking, Elfenbeinwaren

Wasserturmstraße 14

Henninger-Reifbräu AG

Ausbau nach 1906, 1975 abgebrochen

Größte Erlanger Exportbrauerei

Altstadtmarkt

Hauptstraße 55

Hauptpost

1898 eingeweiht

Hauptpost, anstelle eines barocken Richthauses errichtet

McDonalds

Hugenottenplatz 1

Bahnhof

1884 errichtet,

1868-1870 ausgebaut

Bahnhof, anstelle des Altensteinschen Palais errichtet

Bahnhof

Bahnhofsplatz 1

Kollegienhaus

1886-1889 errichtet

Repräsentationsbau der Universität
(Wissenschaftspalast)

Kollegienhaus

Universitätsstraße 15

 

Gefallenendenkmal

der Universität

1930 enthüllt, 1946 abgebrochen

Anti-Versailles-Denkmal

Nur in Resten vorhanden

Schlossgarten

Logenhaus

1888/89 errichtet

Haus der Freimaurerloge „Libanon zu den drei Cedern“

Logenhaus, Kulturforum

Universitätsstraße 25

Kaiser-Wilhelm-Denkmal

1897 enthüllt, 1946 niedergelegt

Kaiserkult, Denkmal für die nationale Einigung

Nicht mehr vorhanden

Lorlebergplatz

 

Bohlenplatz/Examinatorenhaus

diverse hist. Bedeutungen, wird noch konkretisiert

 

 

 

König Otto

1889 errichtet

Gründungslokal des Ortsvereins des Dt. Metallarbeiter‑Verbandes (IGM)

Restaurant König Otto

Henkestraße 56

 

Bahnhof Zollhaus, Sekundärbahn

1886 eröffnet, 1963 stillgelegt

Sekundärbahn nach Gräfenberg

Nicht mehr vorhanden

Luitpoldstraße 33/35

Museumswinkel
Reiniger, Gebbert u. Schall

1892-1912 errichtet

Älteste Fabrikgebäude von Siemens Healthcare in Erlangen

Museumswinkel

Gebbertstraße 1

 

Artilleriekaserne

1900-1913 errichtet

Bedeutende Kaserne der Garnisonsstadt Erlangen

Denkmalgeschützt, im Besitz der Universität

Artilleriestraße

Gefallenendenkmal d.10. Feldart.-Regiments

1922 enthüllt

Versammlungsort der Kriegervereine

Gefallenendenkmal

Carl‑Thiersch‑Straße

 

Die Themen „Altstadt“ (Mittelalter u. Barock) und „Neustadt“ (Barock) werden nicht behandelt, da auf die meisten wichtigen Gebäude u. Orte bereits durch Erinnerungstafeln hingewiesen wird. Der Rundgang befasst sich mit Erlangen im Kaiserreich einschließlich des Kriegsgedenkens in der Weimarer Zeit. Ein weiterer Rundgang mit QR-Codes könnte zum Thema „Erlangen in der Weimar Republik und im Nationalsozialismus“ konzipiert werden.

 

Ohne Edelstahlplatten mit QR-Code könnten folgende weitere Stationen in den virtuellen Stadtrundgang einbezogen werden (Auflistung vorläufig):

 

Volksküche: 1916/17 erreichtet, abgebrochen, heute Kinderhaus Stadtinsel, Wasserturmstraße 16

Paulibrunnen: 1889 fertig gestellt, Marktplatz (hist. Erläuterungstafel am Brunnen)

Bayerische Staatsbank: vorher Gasthaus Walfisch, 1912 abgebrochen, heute Stadthaus, Calvinstraße 1

Herz-Denkmal: 1875 errichtet, 1933 auf Beschluss des nationalsozialistischen Stadtrates abgebrochen (Bronzegedenktafel vorhanden)

Germanenhaus: 1886 errichtet, 1905-1907 erweitert, Universitätsstraße 18

Betriebszentrale der Konsumgenossenschaft: 1906 errichtet (Rückgebäude), abgebrochen, heute Wohnhaus, Bohlenplatz 22, Südliche Stadtmauerstr. 66 (Gedenktafel am Gebäude vorhanden)

Deutscher Hof: 1894 eröffnet, ehem. Arbeiterwirtschaft, gewerkschaftliche Zahlstelle und Versammlungsstätte mit eigener Bibliothek, Waldstraße 23

Jägerdenkmal: 1912 enthüllt, Hindenburgstraße / Bismarckstraße

Neue Infanteriekaserne: 1890–93 errichtet, heute städt. Fachschule für Techniker, Drausnickstraße

 

 

2.4 Kostenkalkulation für den „Stadtrundgang Erlangen sichtbar – unsichtbar“:
Erlangen im Kaiserreich

 

Entwurf, Gestaltung und Produktionsabwicklung von 20 Edelstahlplatten

4.000 €

Gestaltung und Umsetzung der Internetpräsenz (Microsite) auf Basis des Content-Management-Systems Cantao

2.600 €

Werkvertrag für Zusammenstellung der Inhalte (Texte und Bildmaterial)

2.500 €

Produktion von 20 Edelstahlplatten
(Größe: 45 x 45 cm Höhe: Grundplatte 4 mm + Schriftplatte 2 mm)

2.100 €

Fundamente zur Befestigung von 20 Edelstahlplatten, Tiefbauarbeiten

ca. 6.000 €
(Angebot liegt noch nicht vor)

 

 

Kosten

17.200 €

zzgl. MwSt 19 %

3.268 €

 

Gesamt

 

20.468 €

 

3. Ressourcen

·         Es stehen aktuell keine Haushaltsmittel in den Sachkostenbudgets der beteiligten Dienststellen zur Verfügung.

·         Die Realisierung des Konzeptes ist in den Arbeitsprogrammen der beteiligten Ämter nicht vorgesehen. Die für die Realisierung erforderlichen Personalressourcen sind bei den betreffenden Dienststellen bereits mit den Recherchearbeiten und der Erarbeitung des vorliegenden Konzepts erschöpft. Die Zusammenstellung der gesamten Inhalte (Texte und Bildmaterial für insgesamt 15-20 Stationen) muss daher extern erfolgen (Werkvertrag).

·         Bei Amt 66 Tiefbauamt stehen keine Personalressourcen für die erforderlichen Tiefbauarbeiten zur Verfügung. Die Beauftragung einer Firma ist daher erforderlich.

·         Die Realisierung des Projekts soll daher primär über Sponsorenmittel erfolgen, die es zu akquirieren gilt.

Die Kosten für den Rückbau der Pinnadeln und die Abdeckung der Bodenöffnungen können lt. Ref. VI aus dem laufenden Bauunterhalt getragen werden (siehe Sitzungsvorlage KPB/002/2014 vom 20.05.2014)

Anlagen: