Pilotprojekt "Deutsch lernen und Erstorientierung" für Asylbewerberinnen und Asylbewerbern

Betreff
Pilotprojekt "Deutsch lernen und Erstorientierung" für Asylbewerberinnen und Asylbewerbern
Vorlage
43/009/2014
Aktenzeichen
IV/43
Art
Mitteilung zur Kenntnis

Der Bericht der Verwaltung dient zur Kenntnis.

Die Volkshochschule der Stadt Erlangen führte von April bis Ende Juli 2014 ein 300-stündiges Pilotprojekt „Deutsch lernen und Erstorientierung“ für Asylbewerberinnen und Asylbewerber in Bayern durch. Das Projekt wurde einmalig aus Mitteln des Bayerischen Staatsministeriums für Arbeit, Soziales, Familie und Integration gefördert. Neben der Volkshochschule Erlangen wurden drei weitere Volkshochschulen in Bayern beim Auswahlverfahren berücksichtigt.

 

Der zeitliche Rahmen für Planung, Organisation und Durchführung war sehr eng gefasst. Vom
07. April bis 22. Juli 2014 wurde der 300-stündige Kurs geplant, der in 6 Module unterteilt wurde. Der Unterricht fand an fünf Tagen in der Woche statt (auch in den Ferien). Die einzelnen Module spiegelten lebensnahe Situationen und Themenbereiche wider (z. B. Einkaufen, Alltag in Deutschland, Medizinische Versorgung, Schule / Kindergarten). Mit Hilfe der Flüchtlingsberatung wurde auf dieses neue Angebot aufmerksam gemacht. Das Interesse war sehr groß. Im Projektzeitraum nahmen insgesamt 31 Personen am Kurs teil. Die durchschnittliche Teilnehmerzahl lag bei ca. 20 Personen. Es gab nur wenige Fehlzeiten. Die Teilnehmenden waren sehr motiviert und dankbar. Sie hatten schnell erkannt, dass sie im Vergleich zu anderen Flüchtlingen, die keinen Kurs bekommen hatten, in einer privilegierten Situation waren. Die Gruppe war sehr heterogen (zum Teil Analphabeten bzw. Lernungewohnte), doch waren die Kursleitenden immer bemüht, niemanden auszuschließen und alle „mitzunehmen“. Oft war es sehr schwierig auf individuelle Probleme einzugehen und somit stellte die Gruppengröße ein Problem dar. Die Teilnehmenden kamen aus zwei verschiedenen Unterkünften. Was die Nationalitäten betrifft, so waren es überwiegend Äthiopier und Personen aus Ländern der ehemaligen Sowjetunion bzw. Iran, Irak und Syrien. Die Arbeitsatmosphäre war angenehm und freundlich. Ein Rollstuhlfahrer und ein gehbehinderter Teilnehmer konnten gut integriert werden, auch während der Exkursionen.

 

Die Kursleitenden stellten übereinstimmend fest, dass die Teilnehmenden im Laufe des Kurses zunehmend selbständiger und selbstbewusster wurden und können sich im Vergleich zu anderen Flüchtlingen, die keinen Sprachkurs bekamen, gut in der Stadt bewegen und ihre Erledigungen besser meistern. Sie erwarben durch den Kursbesuch ein größeres Selbstvertrauen im Umgang mit Deutschen Mitbürgern und mit Institutionen in Deutschland. Externe Beobachter, die mit den Flüchtlingen arbeiten, bestätigten dies.

 

Von den 21 Teilnehmenden des letzten Kursmoduls besuchen im aktuellen Wintersemester vier Personen einen Intensivkurs der Niveaustufe A2 der Volkshochschule. Nach individueller Beratung wurden alle anderen Lernenden auf Kurse der Deutsch-Offensive bzw. der Volkshochschule
verteilt. Der Wunsch aller war groß nach dem 300-Stunden Kurs weiterzulernen. Durch den Kurs konnten die Teilnehmer auch besser in das städtische Leben integriert werden. Sie kennen sich inzwischen in der Stadt und deren Einrichtungen gut aus und haben bereits an vielen kostenlosen Veranstaltungen teilgenommen (z. B. Schlossgartenkonzerte, Jubiläum des Ausländer- und Integrationsbeirats, public viewing bei der Fußballweltmeisterschaft). Wünschenswert ist die Ausweitung eines solchen praxisbezogenen Sprachangebots in der Stadt. Bei einer höheren Anzahl an Kursgruppen könnten auch durch Einstufungstests und Beratung homogenere Gruppen gebildet werden.

Sollte das Sprachangebot für Asylbewerber erweitert werden, müssen auch die entsprechenden personellen und finanziellen Ressourcen zur Verfügung gestellt werden.