Antrag der SPD-Fraktion zum KFA "VHS-Angebote im Erlanger Westen" vom 21.01.2014 - Antragsnr.: 013/2014

Betreff
Antrag der SPD-Fraktion zum KFA "VHS-Angebote im Erlanger Westen" vom 21.01.2014 - Antragsnr.: 013/2014
Vorlage
43/008/2014
Aktenzeichen
IV/43
Art
Beschlussvorlage

Der Bericht der Verwaltung dient zur Kenntnis.

 

Der Antrag der SPD-Fraktion Nr. 013/2014  „VHS-Angebote im Erlanger Westen“ (vgl. Anlage_1) gilt somit als bearbeitet.

Die Prüfung der öffentlich nutzbaren Räume hat im Laufe des Sommersemesters (SS) 2014 stattgefunden und im Wintersemester (WS) 2014/15 wurden zusätzlich 3 Kurse und 2 Vorträge angeboten. Die 3 Kurse entfielen aufgrund zu geringer Teilnehmerzahl. Die Resonanz auf die Vortragsangebote ist noch offen.

 

Öffentlich nutzbare Räume gibt es in Büchenbach-Dorf, Büchenbach-West und Büchenbach-Nord. Sie genügen teilweise jedoch nur unzureichend den Qualitätsansprüchen, die die vhs an ihre Räumlichkeiten und die organisatorische Betreuung vor Ort stellt. Ausgenommen sind Veranstaltungsräume des Gemeindezentrums der Apostelkirche oder der Mehrzwecksaal im Kinderhort „Kleeblatt“, in denen vhs-Angebote auf weitgehend zeitgemäßem und professionellem Niveau angeboten werden könnten. Einschränkungen bestehen jedoch durch die Personalsituation sowohl in den jeweiligen Häusern wie auch in der vhs selbst.

 

Ein erweitertes vhs-Angebot in Büchenbach wäre nur unter den Bedingungen sinnvoll, die unten im Detail dargestellt werden: nach gezielter Analyse des Bedarfs und der Zielgruppen auf der Basis stadtteilbezogener demographischer Informationen. Ferner bedürfte es der kontinuierlichen Unterstützung durch lokale Netzwerke und intensiver Öffentlichkeitsarbeit.

 

Die Organisation eines zielgruppenspezifischen Bildungsangebots, Netzwerkpflege und Öffentlichkeitsarbeit sind jedoch so zeitaufwändig, dass sich die vhs derzeit zu einer Ausweitung ihres Programmangebots in Büchenbach nicht in der Lage sieht.

 

Begründung und Hintergründe:

 

Im SS 2001 reagierte die vhs auf Stimmen aus Büchenbach, die eine stärkere vhs-Präsenz im Stadtteil wünschten, mit einem 30 Kurse und Vorträge umfassenden Angebot aus allen Programmbereichen und einer großen Auftaktverstaltung im Bürgertreff „Die Scheune“, im WS 2001/02 wurden nochmals 30 Veranstaltungen angeboten.

 

Die Resonanz war trotz intensiver Öffentlichkeitsarbeit so gering, dass das Angebot wieder reduziert wurde.

 

Geblieben sind im Zeitraum 2003 bis 2006 pädagogische Vorträge (17 – 38 TN) im Kinder- und Jugendhort „Kleeblatt“, Donato-Polli-Straße, deren Organisation ab 2006 von der Hortleitung selbst übernommen wurden; bis SS 2009 im Bürgertreff „Die Scheune“ 2 – 5 Kurse (Wirbelsäulengymnastik, Keramik, Schmuck) und bis WS 2010/11 im AWO-Sozialzentrum 2 - 3 Kurse (Entspannung, Zen-Meditation“).

 

Die Angebote im AWO-Sozialzentrum und in der „Scheune“ wurden zum SS 2009 bzw. zum WS 2010/11 aufgrund zu geringer Nachfrage bzw. schwieriger räumlicher Bedingungen eingestellt.

 

Bis heute präsent ist die vhs mit Kursen im Zentrum der Kath. Pfarrgemeinde „Zu den Hl. Aposteln“ (3; Fitness-Gymnastik, 11 – 15 TN) und in der Grundschule Büchenbach Dorf (2; Französisch, 15 TN).

 

Im WS 2014/15 reagierte die vhs auf den SPD-Antrag vom 21.01.2014 mit folgenden zusätzlichen Angeboten: 1 Gymnastikkurs im AWO-Sozialzentrum (Fitness-Gymnastik für BestAger; 0 TN;

Kursausfall) und in der „Scheune“ 1 Keramik-Kurs (2 TN, Kursausfall), 1 Ernährungsangebot für Eltern und Kinder („Wildfrüchtemarmelade-selbst gemacht“ mit einer bekannten und äußerst beliebten Dozentin; 3 TN; Kursausfall) und 2 Vorträge zur Elternbildung (finden erst noch statt).

 

Das Ergebnis der Bemühungen um eine neuerliche Ausweitung des Programms im WS 2014/15 ist mit 3 Kursausfällen bei 3 Kursangeboten ernüchternd; vor allem im Bürgertreff „Die Scheune“ ist von Seiten der vhs mit mehr Resonanz gerechnet worden, da die Leitung des Bürgertreffs die Angebote befürwortet und zusätzlich beworben hatte.

 

Einschätzung der Angebots- und Bedarfslage in Büchenbach:

 

Die vhs hat auf den SPD-Antrag mit einer Bestandsaufnahme der bestehenden Bildungsangebote in Büchenbach-Nord, -West und -Dorf und einer Recherche zur Nachfrage reagiert. Hierfür wurde eine Mitarbeiterin mit Mehrarbeit beauftragt.

 

Bei der Prüfung der Möglichkeit eines Kursangebots in öffentlich nutzbaren Räumen hält die vhs folgende Fragen für maßgeblich:

 

  • Welche Angebote finden dort bereits statt?
  • Welche Angebote werden dort konkret gewünscht?
  • Ist sichergestellt, dass das Angebot nicht in Konkurrenz zu bereits bestehenden Angeboten tritt?
  • Gibt es vor Ort eine klare Vorstellung der Zielgruppe?
  • Gibt es vor Ort Multiplikator/-innen, die das Angebot mit Öffentlichkeitsarbeit und aktiver TN-Akquise unterstützen?
  • Gibt es vor Ort eine Betreuung der Dozent/-innen und der Veranstaltung selbst (vor allem bei Einzelveranstaltungen; wie ist der Schließdienst geregelt?)?
  • Entspricht die Ausstattung der Räumlichkeiten den Qualitätskriterien der vhs?
  • Hat die vhs personelle Kapazitäten zur Planung und Organisation eines derartigen Angebots inkl. der benötigten Netzwerk- und Öffentlichkeitsarbeit?

 

Es fanden ausführliche Gespräche zur Einschätzung der Bedarfslage statt mit langjährigen und prominenten Bewohner/-innen des Stadtteils, mit Multiplikator/-innen aus den jeweiligen Gemeinden und Menschen in leitender Position. Sämtliche verfügbaren Angebotsprogramme (Flyer, Broschüren, Internet) wurden hinzugezogen.

 

Übereinstimmung bestand darin, dass

 

  • es in Büchenbach schon ein großes soziokulturelles Angebot (Feste, Theater, Konzerte) gibt
  • es schon eine Vielzahl an Kursen aus den Bereichen Gesundheit, Ernährung und Elternbildung gibt
  • die meisten Büchenbacher/-innen angesichts ihrer familiären und beruflichen Belastungen und der geringen verbleibenden Freizeit kaum noch Kraft und Zeit für weitere Bildungsangebote haben
  • die Bewohner/-innen des einen Teils von Büchenbach in der Regel nicht zu Veranstaltungen in einem anderen gehen (jeder bleibt in seinem Kiez; könnte schwierig für das Zustandekommen von Kursangeboten sein)
  • die meisten bildungswilligen Bücherbacher/-innen durchaus auch vhs-Veranstaltungen im Stadtzentrum besuchen (Stand 5/2014: 1069 Kursbelegungen mit PLZ 91056)
  • die Gefahr besteht, dass TN bestehender Angebote zu neuen vhs-Angeboten wechseln und damit bestehende Netzwerke und Kurse gefährdet werden
  • die vhs mit gezielten Angeboten, die in Kooperation mit den Multiplikator/-innen und Netzwerken vor Ort geplant werden, in Büchenbach willkommen ist.

 

Büchenbach – Dorf:

 

Öffentlich nutzbare Räume bestehen in der Grundschule Büchenbach-Dorf und im Gemeindezentrum St. Xystus. Hier bieten Kolpingwerk und KEB eine Reihe von Kursen, Vorträgen und Lesungen an und deren Leitungen vertreten die Meinung, dass zusätzliche vhs-Angebote die vorhandene Struktur gefährden und das bestehende ehrenamtliche Engagement eventuell beschädigen würden. Es wurde darum gebeten, dass sich die vhs auf Büchenbach-West und -Nord konzentrieren möge.

 

Büchenbach-Nord:

 

Hier befinden sich als mögliche öffentliche Räume für vhs-Veranstaltungen das Fortbildungsinstitut der Lebenshilfe, die Mönauschule, das Zentrum der Martin-Luther-Gemeinde und der Bürgertreff „Die Scheune“. Für vhs-Veranstaltungen würde sich in erster Linie „Die Scheune“ anbieten.

 

Die personellen Kapazitäten der Martin-Luther-Gemeinde sind ausgelastet, und der Kirchenvorstand hat beschlossen, seine Räume nicht mehr mit regelmäßig stattfindenden Kursen zu belegen. Das eigene Format „malu – der Treff“ wurde aufgrund der nachlassenden Nachfrage und personeller Engpässe schon auf wenige Einzeltermine wie Oldie-Disco oder sporadisch stattfindende Buchvorstellungen reduziert. Zu klären wäre, ob das Angebot abendlicher Vorträge durch die neue Diakonin und mit Hilfe der vhs wiederbelebt werden könnte; eventuell samstags eine Kreativ-Werkstatt (Skulpturen nach Niki de St. Phalle, Schrottfiguren).

 

Nachgefragt könnten sein: eine Schreibwerkstatt, Häkelkurse, Musikgarten-Kurse (Eltern-Kind-Angebot mit musikalischer Früherziehung) und Sprachkurse (Englisch, Italienisch; Konversation). Diese könnten jedoch nicht im Zentrum der Martin-Luther-Gemeinde stattfinden.

 

„Die Scheune“: In Frage kämen 2 Zielgruppen, nämlich junge Eltern und Senior/-innen. Die vhs könnte das Programm der „Scheune“ ergänzen durch Musikgarten-Kurse, Vorträge zur Elternbildung, durch allgemeinbildende Vorträge am Vormittag und Gedächtnistraining. Ebenfalls gern gesehen wäre ein Keramik-Kurs (ist leider nicht angenommen worden). Die Personalsituation in der „Scheune“ ist schwierig, die Räumlichkeiten sind wenig ansprechend, und die Ausstattung ist für praktisch alle vhs-Fachbereiche unzureichend. Bevor die genannten Angebote geplant werden könnten, wären beträchtliche organisatorische Vorleistungen nötig. Die Leitung ist jedoch sehr an einer Kooperation mit der vhs interessiert.

 

Büchenbach – West:

 

Hier kämen in Frage das AWO-Sozialzentrum, das Gemeindezentrum „Zu den Hl. Aposteln“,

der Kinderhort „Kleeblatt“ in der Donato-Polli-Straße und das Jugendhaus West.

 

Im AWO-Sozialzentrum scheint keine Nachfrage nach den Angeboten der vhs zu bestehen.

Eine Bedarfsanalyse beim Jugendhaus West steht noch aus.

 

Im Gemeindezentrum „Zu den Hl. Aposteln“ treffen sich Selbsthilfegruppen und finden ein

Näh- und ein Tanzkreis statt, dazu die anfangs genannten vhs-Gymnastikkurse. Für die Leitung des Töpferkurses wird eine Nachfolgerin gesucht. Der Töpferraum ist sehr gut ausgestattet und ein Angebot vonseiten der vhs wäre willkommen. Einzelvorträge, Info-Abende, politische Diskussionsveranstaltungen wurden früher regelmäßig angeboten, doch ließ die Nachfrage stetig nach. Das eigene Programm zur Erwachsenenbildung wurde daher weitgehend eingestellt. Das bestehende Angebot von (be) Bildung Evangelisch und (KEB) Katholischer Erwachenenbildung wird als anspruchsvoll und ausreichend empfunden. Eine mögliche Nachfrage wird gesehen nach Englischkursen (Problem der unterschiedlichen Vorkenntnisse) und DaF-Kursen für die zahlreichen Zugezogenen mit Migrationshintergrund aus der ehemaligen Sowjetunion und anderen Ostblockstaaten. Die Sprachkurse könnten in dem für 10 – 12 TN ausgelegten Schulungsraum im UG durchgeführt werden. Der Raum ist so gut wie nicht belegt.

 

Zu Bevölkerungsstruktur und Sozialprofil stellt Gerhard Plietsch (Amt für Statistik und Stadtforschung) Ergebnisse aus dem Sozialbericht 2013 zur Verfügung.

 

Zentral für die Akzeptanz neuer Angebote wäre in jedem Fall eine intensive Netzwerk- und Öffentlichkeitsarbeit.

 

Die Zielgruppe des Kinderhorts Donato-Polli-Straße sind Schulkinder und deren Familien, die sowohl mit Regelplätzen als auch mit integrativen Plätzen ganzheitlich gefördert werden. Die Schüler kommen aus der Mönauschule, der Heinrich-Kirchner-Schule und Förderschulen aus dem Stadtgebiet. Viele Schüler der Kirchner-Schule sind leistungs- und die Eltern aufstiegsorientiert, in der Mönauschule sind mehr Kinder mit Migrationshintergrund und die sozialen Unterschiede sind gravierender. Insgesamt besteht ein großer Bedarf der Eltern nach Stärkung ihrer Erziehungskompetenz.

 

Die Hortleitung hat Interesse, in den Räumlichkeiten des Horts mehr verlässliche Angebote für Familien in Kooperation mit der vhs entstehen zu lassen. Die Räume wären hierfür geeignet, der Bedarf ist vorhanden.

 

Für vhs-Angebote könnte der Saal/Mehrzweckraum genutzt werden. Zur Verfügung stehen auch eine Teeküche, hauseigene Materialien (Matten, Sportgeräte, Spielmaterialien) und in geringem Umfang Lagermöglichkeiten.

 

Personelle Unterstützung eines vhs-Angebots könnte jedoch nur vormittags zwischen 9.00 – 11.00 Uhr erfolgen. Am Abend müssten Schließdienst und Betreuung (Bestuhlung, Medien, Einführung der Dozent/-innen, Abbau) anderweitig geregelt werden. Für zusätzlich anfallende Reinigungsarbeiten würden die Kosten anteilig verrechnet.

 

Das Zeitfenster für die Raumnutzung wäre also vormittags, 9.00 – 11.00 Uhr und nach 18.00 Uhr. Die Angebote sollten mittel- und hochschwellig sein. Als betreuungsintensivere Veranstaltungen wären ein Vormittagskurs und 3 Vorträge pro Semester denkbar. Thematisch ist an Eltern-Kind-Angebote gedacht (Musikgarten, Bewegungsabenteuer), Vorträge zur Elternbildung und erlebnispädagogische Exkursionen.

 

Fazit:

 

Bei einer Neuauflage eines Büchenbach-Angebots wären die Aussagen des Sozialberichts 2013 zu Altersstruktur, Schulbildung, beruflichem Status und Einkommen zu beachten. Ein passgenaues Programm wie oben beschrieben ließe sich nur mit eigens dafür eingesetztem hauptamtlichen vhs-Personal (FB-Leitung und Verwaltungspersonal) erstellen und durchführen. Derzeit fehlen dazu in der vhs die personellen Kapazitäten ebenso wie die finanziellen Ressourcen (z. B. zur Anschaffung von Instrumenten für die gewünschten Musikgartenkurse, Materialien zur Frühförderung).

 

 

 

 

Anlagen: Anlage_1_SPD_Fraktionsantrag_Nr._013_2014