5 Jahre Streetwork Innenstadt

Betreff
5 Jahre Streetwork Innenstadt
Vorlage
513/010/2011
Aktenzeichen
IV/51/513/SOA -T. 2295
Art
Mitteilung zur Kenntnis

Der Bericht der Verwaltung dient zur Kenntnis.

 

 

5 Jahre Streetwork Erlangen

 

Zu Beginn:

 

Im Mai diesen Jahres feierte die Streetwork Erlangen ihr 5-jähriges Bestehen. Das war für uns ein besonderer Anlass zum Feiern, da die Startbedingungen im Mai 2006 noch ganz anders aussahen.

Begonnen haben wir als befristetes Projekt, co-finanziert durch das Förderprogramm „Soziale Stadt“ mit 2 Sozialpädagog/innenstellen á 20 Stunden. Hintergrund waren große Gruppen Jugendlicher, die sich vor allem am Wochenende in der Erlanger Innenstadt aufhielten und massiv Alkohol konsumierten.

Dies waren laut Kerstin Barth, Vorsitzende der LAG Streetwork Bayern e.V., erstmal kritische Rahmenbedingungen, da sinnvolle Streetworkarbeit viel Zeit zum Beziehungsaufbau benötigt, die durch die geringen Arbeitsstunden und die Befristung erstmal nicht gegeben waren. So äußerte sie sich bei unserer Jubiläumsfeier erfreut, dass die Streetwork Erlangen sich in der Stadt mittlerweile etabliert hat und auch das Stundenkontingent für die Arbeit auf 2 mal 32 Stunden erhöht wurde.

Frau Bürgermeisterin Birgitt Aßmus fasste es mit den Worten „die Streetwork ist in Erlangen nicht mehr wegzudenken“ kurz zusammen.

 

 

Aufgaben des Streetwork

 

Sehr schnell begannen wir unsere Arbeit in drei Kerngeschäfte aufzuteilen:

 

·         Arbeit mit Cliquen

·         Arbeit mit Einzelnen

·         Arbeit im Gemeinwesen

 

Diese drei Arbeitsbereiche haben sich in der vergangenen 5 Jahren nicht verändert. Die Arbeit im Gemeinwesen und mit Cliquen hatte zunächst den größten Stellenwert in unserer Arbeit. Interessen und Bedürfnisse von Jugendlichen zu kommunizieren und auf fehlende Infrastruktur hinzuweisen ist heute noch Teil unserer Arbeit. Die Einzelfallhilfe ist mittlerweile ein wichtiges Standbein der Streetwork Erlangen und setzt viel Zeit, regelmäßige Präsenz an relevanten Treffpunkten und ein gut funktionierendes Netzwerk voraus.

 

 

 

Die Grafik veranschaulicht sehr deutlich, was zu der Arbeit mit Einzelnen dazugehört. Beziehungspflege ist in der Streetwork der wichtigste Baustein, da die Beziehungsarbeit die Voraussetzung für weitergehende Angebote und Hilfen ist.

 

 

 

 

 

Mehrfachnennungen möglich

 

Es ist uns in unsere Arbeit ebenfalls sehr wichtig, Themen, die von unserem Klientel an uns herangetragen werden, entsprechend aufzuschlüsseln. Am häufigsten geht es den Jugendlichen um Freizeitgestaltung und ihre Familien und Freunde. Unter sonstiges wird von uns alles summiert, wie z.B. Umzug, drohende Obdachlosigkeit, Projekte, etc.

Bereits in unserem Jahresbericht 2008 haben wir darauf hingewiesen, dass den Jugendlichen ein Jugendtreff mit pädagogischer Betreuung in der Innenstadt fehlt. Zwar hat die Stadt Erlangen der Initiative Jugendhaus Erlangen neue Räumlichkeiten in der Wöhrmühle zur Verfügung gestellt und damit ein attraktives Angebot geschaffen, doch reicht dieser Ort noch lange nicht aus. Gerade jüngere Jugendliche benötigen zur Bewältigung ihrer Probleme zu Beginn ihrer Pubertät auch ein pädagogisches Angebot, das wir auch als primäre Suchtprävention verstehen. Winfried Pletzer vom Bayerischen Jugendring, hat bei unserer Jubiläumsfeier am 10.November 2011 ausdrücklich die Notwendigkeit einer solchen Einrichtung für Erlangen unterstrichen und auch auf mögliche Förderung und Unterstützung durch den BJR hingewiesen.

 

 

Klientel der Streetwork Erlangen

 

Wir arbeiten mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen zwischen 14 und 27 Jahren. Zunächst wurde unser Angebot vor allem von jüngeren Jugendlichen bis etwa 17 Jahren wahrgenommen. Dies hat sich in den vergangenen Jahren stark verändert, wie die Kontaktzahlen in der nachfolgenden Grafik darstellen. Gerade von männlichem Klientel über 18 Jahren wird unser Angebot sehr gerne in Anspruch genommen, weil hier andere Hilfen häufig fehlen oder nicht wahrgenommen werden.

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Streetwork Erlangen erfreut sich mittlerweile großer Bekanntheit, was die Vergleichszahlen der Kontakte aus unserem Jahresbericht 2007 zeigen.

 

„Mit Beginn des Projekts wurden ca. 400 sogenannter „Erstkontakte“ hergestellt. Diese dienen dazu, das Angebot und die Streetworker bekannt zu machen und daraus tiefergehende Beziehungen zu Jugendlichen zu entwickeln. Aus diesen „Erstkontakten“ haben sich etwa. 40 regelmäßige Kontakte zu Einzelnen ergeben, die das Hilfs-, Informations- und Beratungsangebot wahrgenommen haben. Zu weiteren ca. 50 Jugendlichen besteht ein oberflächlicher Kontakt, da diese sich vor allem am Wochenende in der Erlanger Innenstadt aufhalten. Die Altersspanne bei den intensiveren Kontakten reicht von 13 bis 24 Jahren. Vor allem jüngere Jugendliche halten sich über lange Zeiträume im öffentlichen Raum auf, weil sowohl die Altervoraussetzung als auch die finanziellen Mittel für viele kommerzielle Angebote fehlen.“

 

Allerdings müssen wir uns auch die Frage stellen, wohin mit Erwachsenen, die immer noch massive Probleme mit Drogen- und Alkoholkonsum, Obdach- und Arbeitslosigkeit haben und bereits über 27 Jahre sind. Niederschwellige Hilfsangebote, wie Streetwork, ist eine gute Methode dieses Klientel zu erreichen, reicht allerdings bei weitem nicht aus. Notunterkünfte und Tagesstätten, gerade für Drogenabhängige sind in Erlangen noch Mangelware. Die hiesige Drogenberatung ist für uns über die Jahre ein verlässlicher und wichtiger Netzwerkpartner geworden, nur reicht das Angebot noch lange nicht aus.

 

 

 

 

 

 

Wünschenswert!

 

Zum Abschluss ein kleines Wunschkonzert aus unserer Sicht für die nächsten 5 Jahre:

 

·         Pädagogisch betreuter Jugendtreff in der Erlanger Innenstadt

·         Notunterkunft und Tagesstätte für Drogenabhängige Erwachsene

·         Notschlafstelle für Jugendliche und Junge Erwachsene

 

 

Anlagen: