Situation Treffpunkt Röthelheimpark

Betreff
Situation Treffpunkt Röthelheimpark
Vorlage
510/025/2011
Aktenzeichen
IV/51/RRF
Art
Mitteilung zur Kenntnis

Der Bericht der Verwaltung dient zur Kenntnis.

Der Stadtjugendring hat im Auftrag der Trägergemeinschaft einen Bericht zur Situation des Treffpunkts Röthelheimpark erstellt, der im folgenden dem Ausschuss zur Kenntnis gegeben wird: Das Stadtteilhaus „Treffpunkt Röthelheimpark“ wird seit dem 01.11.2010 von einer Trägergemeinschaft bestehend aus dem Stadtjugendring Erlangen und der Kirchengemeinde St. Matthäus betrieben. Das Konzept des Hauses besteht aus den vier Säulen Offene Kinderarbeit, Offene Jugendarbeit, Ehrenamtliche Arbeit/ Verbandsarbeit sowie Stadtteilarbeit.

Im Stadtteil Röthelheimpark sind fast 40% der Bewohner Kinder und Jugendliche zwischen 0 und 27 Jahren. Der Stadtteil besteht einerseits aus dem von GeWoBau-Wohnungen dominierten Teil an der Schenk- und Johann-Kalb-Straße (ehemalige Housing-Area) mit sozial schwachen, oft kinderreichen Familien mit hohem Migrantenanteil und andererseits aus dem überwiegend aus Reihen- und Einfamilienhäuser sowie Eigentumswohnungen bestehenden Gebiet rund um die Grünachse. Eine Aufgabe des Treffpunkts ist es, Angebote für beide Bevölkerungsgruppen zu machen.

Offene Kinderarbeit (OKA)

Die Angebote der Offenen Kinderarbeit sind – ohne dass sie explizit beworben wurden – im neuen Haus sehr erfolgreich gestartet: So kommen an den drei Tagen in der Woche mit jeweils 3 Stunden Öffnungszeit derzeit insgesamt ca. 60 bekannte Kinder. Im Durchschnitt sind 31 Kinder anwesend, in Spitzenzeiten sind es 40. Die Kinder sind im Schnitt zwischen 6 und 12 Jahren alt, gelegentlich werden auch jüngere Geschwister mitgebracht. Zum überwiegenden Teil stammen die Kinder aus der sog. „Housing-Area“ in der Schenk- und der Johann-Kalb-Straße; es kommen aber auch immer mehr Kinder aus dem Neubaugebiet in den „Treffpunkt Röthelheimpark“.

Etwa 75% der Kinder haben einen Migrationshintergrund (etwa 20 Nationalitäten). Einige Kinder zeigen ein schwieriges Sozialverhalten, was den Betreuungsaufwand für die pädagogischen Fachkräfte erhöht. Bei einigen der materiell und sozial benachteiligten Kinder scheint ein regelmäßiges bzw. gesundes Mittagessen nicht sicher gestellt zu sein, so dass hier soweit möglich im Rahmen eines pädagogischen Angebots für Abhilfe gesorgt wird („Kinder kochen für Kinder“). Darüber hinaus zeigen sich deutliche Bedarfe z.B. bei der medienpädagogischen Erziehung (Stichwort: verantwortungsvoller Umgang mit neuen Medien) oder der Gesundheitsbildung (gesunde Ernährung und Bewegung). Die hierzu stattfindenden Angebote werden von den Kindern begeistert angenommen, bspw. Computer für Kids, Singen und Tanzen im Saal oder Fitness- oder Sportangebote. Daneben gibt es weitere Spiel- und Bastelangebote, die zu einer sinnvollen Freizeitgestaltung anregen.

 

Darüber hinaus stehen Mädchen und Jungen jeweils eigene geschlechtsspezifische Räume zur Verfügung, die sie selbst gestalten können. In den Osterferien gab es einen Aktionstag in der Kletterhalle des DAV, für den es unter den Kindern eine große Nachfrage gab.

 

In Kooperation mit der Jugendfarm findet an jeweils einem Tag im Mai, Juni und Juli ein Zirkusprojekt statt.

 

Die OKA ist derzeit von Dienstag bis Donnerstag jeweils von mindestens 14 bis 17 Uhr geöffnet.
Viele Kinder sind bereits schon eine halbe Stunde vor Öffnung der Offenen Kinderarbeit vor Ort; auch nach dem offiziellen Schluss des Angebots können sich die Kinder schwer lösen. Individuelle Zuwendung und Unterstützung ist bei der derzeitigen Personalausstattung leider mehr als schwierig.

Die pädagogische Halbtagskraft Frau Müller wird derzeit durch eine pädagogische Honorarkraft mit 5,5 Stunden unterstützt. Dies wurde möglich durch eine Umschichtung von Honorarstunden aus der Offenen Jugendarbeit in die Offene Kinderarbeit. Da auch dies nicht ausreichend ist, wurde die Honorarkraft befristet auf 12 Stunden pro Woche aufgestockt, um die Situation kurzfristig zu entschärfen. Diese Lösung kann aber nur vorübergehend sein, da sie aus Rücklagen noch aus der Containerzeit des Easthouse/Haus der Begegnung finanziert wird, die in einigen Monaten verbraucht sein werden (im Wesentlichen durch Personalvakanzen und reduzierte Anschaffungen entstanden).

Die Trägergemeinschaft würde sehr gerne weitere Öffnungszeiten, die angesichts der Besucherzahlen angezeigt wären, oder zumindest ein ausgeweitetes Ferienprogramm o.ä. realisieren, benötigt hierzu jedoch eine bessere Personalausstattung.  In der Konzeption waren für die OKA 1,5 pädagogische Fachkräfte vorgesehen, wir halten diese Personalausstattung nach wie vor für bedarfsgerecht.

Offene Jugendarbeit (OJA)

Die Angebote der Offenen Jugendarbeit in den neuen Räumlichkeiten des „Treffpunkt Röthelheimpark“ werden deutlich mehr in Anspruch genommen als in der Übergangszeit im Container. Das Angebot wurde aufgrund des offensichtlichen Bedarfs in den Nachmittagsstunden um die Kinder im Alter zwischen 12 und 14 Jahren erweitert. Im Schnitt kommen etwa 25 Jugendliche pro Tag; an besonders besucherstarken Tagen (z.B. Sonntag) kommen etwa 35 bis 50 Jugendliche und junge Erwachsene in den Offenen Treff. Auffallend ist eine deutliche Verjüngung der Besucher, es ist durch Ausweitung der Zielgruppe gelungen den Übergang von der Offenen Kinderarbeit in die Offene Jugendarbeit zu erleichtern. Hierfür gibt es auch gesonderte „Schnupperzeiten“ und Angebote. Etwa je ein Drittel der Besucher kommen aus den Altersklassen 12/13 Jahre, 14-17 Jahre und junge Erwachsene. Zudem kommen neben den Jugendlichen aus der GeWoBau-Siedlung nun auch mehr und mehr Jugendliche aus dem Neubaugebiet. Wie in der Offenen Kinderarbeit auch haben etwa 75% der Jugendlichen einen Migrationshintergrund. Der überwiegende Teil (ca. 70%) der Besucher ist männlich.

Es gibt im Programm der OJA feste Angebote wie z.B. Lernwerkstatt, Café-Betrieb, Kochen und Sportangebote. Sehr beliebt ist bspw. das Fußballtraining, zu dem regelmäßig etwa 20 Jugendliche kommen. Der überwiegende Teil des Angebots richtet sich jedoch situativ an den Interessen und Bedürfnissen der Jugendlichen aus, die gerade vor Ort sind (z.B. großer Bedarf im Bereich Bewerbungstraining und Arbeitsplatzsuche).

Mit den 1,75 Stellen und den verbleibenden 12 Honorarstunden wurden bisher 27 Öffnungsstunden an 5 Tagen pro Woche (Sonntag bis Donnerstag) gewährleistet. Derzeit muss das Angebot wegen einer längeren Erkrankung der Vollzeitkraft reduziert werden, was zudem weitere Belastungen des übrigen Personals nach sich zieht.

Zusätzliche Angebote in den Ferienzeiten sowie verstärkte Bildungsangebote (z.B. im Bereich Bewerbungstraining oder des Jugendschutzes) sind derzeit kaum machbar, da zum einen wegen der fehlenden Verwaltungsstelle zusätzlich auch einiges an nicht-pädagogischen Arbeiten durch die pädagogischen Mitarbeiter übernommen werden muss und zum anderen Honorarstunden, die an die OKA gegangen sind, fehlen.

Stadtteilarbeit / Ehrenamtliche Gruppen und Angebote im Haus

Zurzeit nutzen (neben der OJA/OKA und dem eigenständigen Jugendclub Easthouse e.V.) 17 Gruppen die Räume im Stadtteilhaus regelmäßig 1-2 Mal pro Woche, drei Gruppen nutzen diese 14-tägig, eine Gruppe einmal pro Monat. Die Nachfrage nach Räumlichkeiten ist weiterhin groß. An einzelnen Wochentagen sind bereits insbesondere in den Nachmittagsstunden keine freien Räume mehr verfügbar.

Die Belegungen erfolgen durch ehrenamtlich geleitete Gruppen verschiedenster Art, z.B. Hausaufgabenbetreuung für Kinder, Mutter-Kind-Gruppen/Krabbelgruppen, Kinderprogramme, verbandliche Jugendarbeit, Erwachsenenbildung, Gesprächskreise, Selbsthilfegruppen, Handarbeitstreffs, Tanz- und Yoga-Kurse u.a., weitere Gruppen planen Aktivitäten. Die Alterspanne der Nutzer bewegt sich mittlerweile zwischen dem Säuglingsalter (Mutter-Kind-/Krabbel-Gruppen) und Senioren (z.B. Gesprächskreise). Ab September soll es mehrere Angebote der VHS (geplant Englisch, Tanz, Foto)im Haus geben. An den Wochenenden sind die Kapazitäten über den Tag verteilt größer, es finden aber schon jetzt einige private Feiern und Sonderveranstaltungen statt. Da der Jugendclubraum derzeit nicht vermietet wird, müssen wir Anfragen zu lauten Veranstaltungen (Disko, Partys, abendliche Tanzveranstaltungen) vor allem im Sommer ablehnen, da der Saal keine entsprechende technische Ausstattung (z.B. Lüftung) verfügt. An der regen Nutzung und Nachfrage lässt sich ablesen, dass das Haus offensichtlich von den Bewohnern des Stadtteils als Treffpunkt wahrgenommen und genutzt wird. Es fällt immer wieder auf, dass das Haus durch seine Lage vorbeikommende Bürgerinnen und Bürger anzieht, die sich im Foyerbereich über das Angebot im Haus informieren („Laufkundschaft“) oder das komplette Haus besichtigen. In Gesprächen mit Bewohnerinnen und Bewohnern des Stadtteils ergab sich mehrfach der Wunsch nach einer Begegnungsmöglichkeit im Rahmen eines Bürger-Cafés.

 

Die Vorbereitung und Durchführung eigener Angebote im Rahmen der Stadtteilarbeit wie z.B. eines solchen Bürger-Café sind derzeit leider kaum machbar, da Herr Renninger als Hausleiter mit der Betreuung von Gruppen und anderen Nutzern (Hauseinweisungen, Abnahmen, Publikumsverkehr etc.) sowie anfallenden Hausmeisteraufgaben (insbesondere technischer Art), Bauresten und Verwaltungstätigkeiten (Belegungskalender, Nutzerverträge, Schlüsselverwaltung etc.) schon fast ausgelastet ist. Darüber hinaus unterstützt er punktuell das Personal in der Offenen Kinderarbeit bspw. bei zwischen den Kindern auftretenden Konflikten. Die im Konzept vorgesehene halbe Verwaltungs- und halbe Hausmeisterstelle, die hier für Entlastung sorgen könnten, sind nicht finanziert.

Hausleiter

Die derzeitige Priorität von Herrn Renninger als Hausleiter liegt neben der Sicherstellung des Betriebs z.T. auf der Beschaffung von Fördergeldern, die dringend benötigt werden, aber nur befristet die Absicherung eines Teilangebots ermöglichen. Planungssicherheit für die Trägergemeinschaft und letztlich auch für die Bewohner und Bewohnerinnen des Röthelheimparks, die bestimmte Angebote benötigen und nachfragen, ist über Fördergelder nicht gegeben.

Hinzu kommt, dass Anträge auf Fördergelder i.d.R. zusätzliche Eigenanteile voraussetzen, was zu einem Scheitern des Antrags führen kann, wenn diese nicht vorhanden sind.

Derzeit laufen Förderanträge bei der Aktion Mensch, der Initiative „Ich-kann-was“ der Telekom und bei der Bürgerstiftung. Die hierzu notwendigen erheblichen zeitlichen Aufwendungen machten starke Abstriche z.B. bei der Öffentlichkeitsarbeit (z.B. Homepage, Programmheft) notwendig, die nach Abschluss der Förderanträge verstärkt angegangen werden soll.

Hausdienste

Die Putzkräfte im „Treffpunkt Röthelheimpark“ sind mit dem Normalbetrieb voll ausgelastet. Nicht ausreichend ist die Halbtagsstelle für längere Krankheits-/Urlaubsvertretungen oder Sonderaufgaben (z.B. Glasreinigung, Parkettpflege) sowie für spezielle Ansprüche (z.B. der Krabbelgruppen oder der VHS). Für die Nutzer des Saals und der Küche wird daher eine geringe Putzgebühr verlangt. Die wöchentlichen Putzstunden liegen derzeit unter den nach eigenen Angaben „minimalen“ Erfahrungssätzen des GME für andere städtische Gebäude.
Für weitere Hausmeisteraufgaben wie z.B. technisch korrekte Wartung und technische Notfalleinsätze empfiehlt das GME den Einsatz eines entsprechend geschulten Hausmeisters.

Weitere Hausmeisteraufgaben (Reparaturen, Handwerkerbetreuung, Reinigung im Außenbereich, später auch Grünanlagenpflege u.v.a.m.) müssen derzeit vom pädagogischen Personal, sofern zeitlich machbar, mit übernommen werden. Diese müssen extern vergeben werden (und schmälern damit das ohnehin nicht üppige Programmbudget)  bzw. werden derzeit liegen gelassen. Auch dieser Zustand ist auf Dauer nicht haltbar.

Betriebskosten

Die Entwicklung der Betriebskosten (insbesondere Wartungsverträge) ist derzeit noch nicht abzusehen. Für die Betriebskosten (ohne Hausreinigung) erhalten wir von der Stadt für dieses Jahr einen Zuschuss von 25.579€. Bereits durch die von den Stadtwerken Erlangen festgesetzte monatliche Vorauszahlung von 2.000 Euro/Monat nur für Strom, Fernwärme und Wasser/Abwasser summiert sich ein Betrag von 24.000€. Nach einer Hochrechnung der Stadtwerke Erlangen ist davon auszugehen, dass die Abschlagszahlungen dem tatsächlichen Verbrauch annähernd entsprechen werden. Allerdings sind Ausgaben für Versicherungen, Hausreinigung, Winterdienst etc. hier noch nicht eingerechnet.

Die Betriebskosten schließen den Jugendclubbereich ein.

 

Sach- und Programmkosten

In 2011 wird die Trägergemeinschaft 22.355€  an Sach- und Programmkosten erhalten. Inwieweit dieses Budget ausreicht, ist derzeit nicht zu beurteilen. Neben den halbwegs absehbaren Kosten für Versicherungen, Kommunikation, Öffentlichkeitsarbeit, Putz- und Büromaterial, Personalschulungen und Supervision u.a. sowie extern zu vergebenden Hausmeistertätigkeiten (z.B. Winterdienst), schwer einzuschätzenden Ausgaben für Schönheitsreparaturen und Ersatzbeschaffungen defekter Geräte und Möbel dient dieser Posten notwendigerweise als Puffer für Personalkostensteigerungen und budgetübersteigende Betriebskosten.  Nur der dann noch verbleibende Rest kann als Programmkosten verwendet werden.

Es ist davon auszugehen, dass der Betrag 2011 ausreichen wird, weil kaum Kosten für Reparaturen und Ersatzbeschaffungen anfallen werden und wegen der beschriebenen Personalsituation nur wenige eigene kostenintensive Veranstaltungen stattfinden werden können.

 

Anlagen: keine