Fraktionsantrag der SPD Nr. 047/2010 Bergkirchweih, Bericht des Arbeitskreises Innenstadt zum Thema Bergkirchweih

Betreff
Fraktionsantrag der SPD Nr. 047/2010 Bergkirchweih, Bericht des Arbeitskreises Innenstadt zum Thema Bergkirchweih
Vorlage
513/002/2010
Aktenzeichen
IV/51/513/SOA.T:2295
Art
Beschlussvorlage

1.Der JHA nimmt die schriftlichen Ergebnisse des AK Innenstadt  zur Kenntnis.

2.Das Bergkonzept soll inhaltlich weiterentwickelt werden.

3.Der Fraktionsantrag der SPD Nr. 047/2010 vom 20.04.2010  ist hiermit abschließend behandelt.

Arbeitskreis Innenstadt

Der Arbeitskreis Innenstadt hat sich auf Initiative der Jugendamtsleitung 2005 gegründet. Die Teilnehmer (siehe unten) analysierten zunächst das immer deutlicher werdende Phänomen des jugendlichen Rauschtrinkens im öffentlichen Raum, vor allem in der Innenstadt von Erlangen. In einer zweiten Phase wurden konkrete Vorschläge erarbeitet und den zuständigen Gremien des Stadtrats vorgelegt und schließlich vom Stadtrat beschlossen (Alkoholsatzung Innenstadt, Einrichtung des Projekts Streetwork Innenstadt). Weitergehende Initiativen, z.B. einen betreuten Jugendtreff in der Innenstadt beim E- Werk zu schaffen, um vor allem jüngere Jugendliche mit attraktiven Angeboten zu erreichen, wurden vorgeschlagen und auf den Weg gebracht. Wichtig war und ist es, alle, die mit dem Thema Jugendschutz, Jugendkultur und Jugendberatung zu tun haben, einzubeziehen und gemeinsam an einem Gesamtkonzept für Prävention zu arbeiten. In diesem Zusammenhang kam die Entwicklung der Bergkirchweih immer mehr in den Fokus der Diskussion.

 

Ergebnisse des Arbeitskreises Bergkirchweih

 

1. Ausgangsüberlegungen

 

Der Arbeitskreis Innenstadt hat sich seit mehreren Jahren immer wieder im Rahmen der Diskussion um präventive Maßnahmen und der Wirksamkeit von Jugendschutz über die Entwicklungen bei der Bergkirchweih ausgetauscht.

Im Zeitraum zwischen Juli 2008 bis Juli 2009 hat sich ein Unterarbeitskreis gebildet – AK Berg – bestehend aus Mitgliedern des Arbeitskreises Innenstadt mit Vertretern des Gesundheitsamtes, des Jugendamtes, des Freizeitamtes, des E- Werks, Streetwork Innenstadt, Stadtjugendring sowie Vertretern des Ordnungsamtes, der Polizei Erlangen sowie der Drogenberatung.

Auftrag des Wirtschaftsreferenten der Stadt Erlangen war eine Analyse der derzeitigen Entwicklung vorzunehmen sowie Vorschläge zu einem Bergkonzept, im Sinne von „unser Berg soll schöner werden“, vorzulegen.

 

Bei vielen AK Teilnehmern war ein Unbehagen an der Entwicklung der Bergkirchweih der letzten 10 Jahre festzustellen. Dieses ist auch in weiten Teilen der Bevölkerung vorhanden, die sich nicht mehr vom „Berg“ angesprochen fühlen und ihn meiden. Verändert hat sich das Image des Berges in der Außendarstellung als „fränkisches Oktoberfest“, Eventcharakter, starke Kommerzialisierung. Die Qualität des Berges wird an der Menge des ausgeschenkten Bieres, der gebratenen Ochsen und der Besucherzahlen gemessen. Für viele, vor allem ältere Mitbürger, ist der Berg zu voll und zu laut geworden.

 

2. Analyse

Die Analyse setzte an einem Bericht von „Spiegel TV“ an, der sich vor allem an der Zahl der „Bierleichen“, Schlägereien und anderen negativen Begleiterscheinungen festmachte. In diesem Bericht wurde deutlich, dass es sich in Erlangen um eine „5. Jahreszeit“ handelt, in der bestehende Regeln teilweise außer Kraft gesetzt oder übergangen werden. Die häufig den Jugendlichen zugeschriebenen Verhaltensweisen wie Rauschtrinken finden sich beim Berg zahlenmäßig jedoch vorwiegend bei der Gruppe der 20- bis 45- jährigen, die vor allem abends dominieren. In den letzten Jahrzehnten hat sich vor allem der Nachberg (nach 23 Uhr) als großes Problem herausgestellt. Es strömt dabei eine sehr große Zahl von Bergbesuchern in die Innenstadt um dort weiter dem Alkohol zuzusprechen und sich in Fastfood-Kneipen zu sättigen. Die Begleiterscheinungen wie öffentliches Urinieren gegen Häuser, Vandalismus, Sachbeschädigung und Verschmutzung der Innenstadt werden scheinbar als Kollateralschaden eines Mega-Events hingenommen.

In der historischen Betrachtung dieses über 250- jährigen Volksfestes wurde deutlich, dass der Berg schon immer durch Konflikte gekennzeichnet war. Als Stichworte: Freiraum außerhalb des Einflussbereiches der Obrigkeit, Auseinandersetzungen zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen, z.B. Studenten und Handwerkern, aber auch Versuche den Berg ideologisch zu instrumentalisieren in der NS- Zeit usw.. Im historischen Rückblick zeigte sich, dass der Berg mehr Kultur hatte. Entstanden aus einem Turnierschießen, in der Kombination mit Jahrmärkten, hatte er schon damals einen besonderen Charakter und eine große Anziehungswirkung im Umland. Im Vordergrund stand vor allem das Bierfest und die besondere Atmosphäre unmittelbar im Freien unter Bäumen an den Kellern.

Im Vergleich mit anderen großen Volksfesten in der Region (Sandkerwa in Bamberg, Michaelis Kirchweih in Fürth) wurde schnell erkennbar, dass dort ein wesentlich größeres kulturelles Angebot beinhaltet ist und auch mehr Vereine und Institutionen mit einbezogen sind. Die dort gewachsenen Strukturen können jedoch nicht einfach auf die Bergkirchweih übertragen werden.

 

 

 

 

 

 

 

 

3.  Vision Berg 2015

 

In einem weiteren Schritt wurde die Vision „Berg 2015“ in den Vordergrund gestellt. Dabei wurden drei Fragestellungen diskutiert:

 

  • Was wünschen sich Kinder auf der Bergkirchweih?

 

  • Was wünschen sich Jugendliche und junge Erwachsene auf der Bergkirchweih?

 

  • Was wünscht sich die 50plus Generation vom Berg?

 

 

Ergebnis des Brainstormings

 

Was wünschen sich Kinder auf der Bergkirchweih?

 

Freude haben, Freunde treffen, traditionelle, jedes Jahr wiederkehrende Fahrgeschäfte wie Kettenkarussell, Symbole des Groß- Seins (Auto-Skooter fahren usw.), erleben mit allen Sinnen (riechen, sehen, hören), Fahrgeschäfte mit Zugang für alle (akzeptable Preise), alkoholfreie Getränke zu günstigen Preisen, eigener Abfeierbereich „wo man unter sich ist“, nicht von Erwachsenen „erschlagen“ werden, nicht zu besoffene Eltern, „Risiko“ erleben (Kletterwand, Zauberer), spielen, Abenteuer, Eltern wiederfinden können, flirten, Kasperle, die Möglichkeit selbst zu musizieren

 

Was wünschen sich Jugendliche und junge Erwachsene von der Bergkirchweih?

 

Spaß und Unbeschwertheit, feiern ohne Kontrolle, Tradition der Eltern weiterleben, sich ausprobieren, etwas Außergewöhnliches erleben / Ausnahmezustand, Teil von etwas Größerem sein, Rausch und Ekstase, Freunde treffen, „erwachsenenfreie Zone“, flirten und mehr, Mädchen wollen weniger „sturzbesoffene Jungs“, Schaulaufen, tanzen, mitreden können, Zeit zum darauf freuen, erleben und oft erzählen und schwärmen

 

Was wünscht sich die 50+ Generation vom Berg?

 

„Gemütlichkeit“, gut und bezahlbar essen, Leute treffen, Gefühl der Verbundenheit, Qualität vor Quantität, gehört zur Identität „echter Erlanger“, „sich jung fühlen“ / Nostalgie, Maß Freibier, Rausch- aber nicht nur alkoholisch, „Rückzugsräume“- etwas ruhiger, Platz finden, willkommen sein, nicht nur „Tralala“- Musik, sich unterhalten, kein Musikkrach im Sinne von viel Lärm

 

1                   4. Zusammenfassung und Auswertung auf der Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse

 

Im Brainstorming wurde deutlich, dass die Bergbesucher aller Altersstufen im Wesentlichen ähnlichen Motiven beim Bergbesuch folgen, wie vermutlich schon immer. Hier hat sich nichts Wesentliches geändert. Was ist es dann?

 

Veränderungen

4.1. Weggeh- und Konsumverhalten der jungen Leute

 

Betrachtet man die Forschung zum Alkoholkonsum junger Menschen, fallen vor allem die veränderten Konsummuster und die Auswirkungen derselben auf. Tranken sie früher Bier oder Wein, u.U. ergänzt mit einem Schnaps, so sind jetzt hochprozentige Getränke und das Trinkziel des Betrunkenseins in den Mittelpunkt gerückt. Auf den Berg bezogen heißt es, dass die jungen Menschen bereits im Vorfeld beträchtliche Mengen oft hochprozentigen Alkohols konsumieren, um dann mit wenig Maßen die Zeit am Berggelände zu überbrücken (vorglühen, mitbringen von Getränken, Alkohollager im Kirchweihumfeld).

Deutlich verändert hat sich auch das Weggehverhalten der jungen Leute. Mit einer Startzeit oft erst nach 22.00 / 23.00 Uhr kann der Berg für sie allenfalls nur noch als „Aufwärmer“ und Treffpunkt gesehen werden. Ziel ist das zeitliche wie konsummäßige grenzenlose Abfeiern auf den Straßen der Altstadt, mit den bereits geschilderten Folgen. Die Verlagerung des Nach- Berges, den es ja auch schon früher in eingeschränktem Rahmen gab, aus den Kneipen heraus in die Öffentlichkeit, verstärkt Konfliktpotentiale. Die Polizeistatistik belegt sehr eindrucksvoll die deutlich steigende Anzahl der Delikte, je weiter die Nacht und der Alkoholpegel fortgeschritten ist.

Hier spielen sicher auch die extra zum Berg angereisten Gruppen eine Rolle, eine Entwicklung, der bereits mit der Einstellung der überregionalen Bewerbung entgegengesteuert wird. Eine große Rolle spielt hier, und da sind sich alle Teilnehmer des Arbeitskreises einig, die Verkürzung der Sperrzeit, die letztendlich die Nacht nahezu frei gibt.

 

4.2. Gesellschaftliche Bedingungen

 

Diese neue Jugendfeierkultur wird getragen von den veränderten gesellschaftlichen Bedingungen. Bei allen großen Volksfesten und Kirchweihen ist der gesellschaftliche Wandel vor allem im Umgang und der Einstellung zu Alkohol spürbar. Rauschtrinken bei Erwachsenen und zunehmend auch bei Jugendlichen „liegt im Trend“ (die Studenten führen die traurige Statistik an). Das führt zu einer Zunahme von Vandalismus- und Körperverletzungsdelikten sowie einer Zunahme von jungen und älteren Menschen mit Alkoholvergiftung, die in Kliniken behandelt werden müssen.

Im Hintergrund steht, betrachtet man tatsächliches Verhalten, eine hohe gesellschaftliche Akzeptanz und Toleranz gegenüber Alkoholkonsum. Wer Alkohol trinkt und auch viel verträgt gehört dazu. „Anstößig“ ist eigentlich nur der, der in Folge des Alkohols sein Leben nicht mehr im Griff hat. Aber auch hier wird lange gewartet, bis interveniert wird. Somit fehlen wichtige Vorbilder und natürliche Regulative im sozialen Nahraum. Kinder und Jugendliche erleben eine große Bagatellisierung extremer Besäufnisse. Daneben erscheinen viele offizielle Statements und Ermahnungen zur Mäßigung als unglaubwürdig!

 

4.3. Berg-Image

 

Verändert hat sich das Image des Berges als Großevent. Mit Merkmalen wie „immer mehr, immer größer“ entspricht er zunehmend dem Leistungswahn unserer Gesellschaft. Dies steht im Gegensatz zu den eher traditionellen Erwartungen an den Berg und führt dazu, dass sich immer mehr Menschen – nicht nur ältere – davon abgestoßen fühlen.

5. Vorschläge des Arbeitskreises Innenstadt/Bergkirchweih

 

Die Vorschläge sind kurz und knapp gehalten und orientieren sich an den Faktoren, die uns konkret beeinflussbar scheinen.

 

Die Vorschläge gehen in drei Richtungen:

 

a)      Bildung einer öffentlichen Meinung

Eine breite Diskussion in allen Bevölkerungsgruppen scheint notwendig unter dem Aspekt „unser Berg soll schöner werden“, um alle relevanten Gruppen an einer Veränderung zu beteiligen. Dabei ist es nicht das Ziel, den Wirten und Schaustellern das Geschäft zu verderben, sondern bei allen Interessensgegensätzen andere Formen von feiern zu finden.

 

b)      Traditionelle Ansätze der (Jahrmarkt-) Kultur sollten wieder be-
lebt werden, wie dies bei anderen Kirchweihen und Volksfesten praktiziert wird. Dies sollte mit gesellschaftlichen Gruppen, wie z.B. Universität, Sportvereine und andere Vereine diskutiert und entwickelt werden.

 

c)       Ordnungspolitische Maßnahmen sind notwendig, vor allem Verlängerungen der Sperrzeit in der Innenstadt, eventuell Einführung von Pfandsystemen.

 

Wichtig wird es sein, hier einen politischen Willen zu bekunden, auf dessen Basis der Arbeitskreis offiziell beauftragt wird, konkrete Maßnahmen zu erarbeiten. Diese zeitintensive Aufgabe kann nur angegangen werden, wenn ein erklärter Wille und Auftrag vorliegt.

Voraussetzung ist aber, dass sich die Mitglieder der Fraktionen des Stadtrates klar positionieren und auch bereit sind, mit Mut vielleicht auch unpopuläre Maßnahmen zu beschließen, wenn stichhaltige Sachargumente dafür sprechen.

Wir können nicht davon ausgehen, dass sich die derzeitige negative Entwicklung selbst korrigieren wird. Beim Berg als Ausnahmezeit in einem sonst klar geregelten öffentlichen Raum ist mit einer Ausweitung von Körperverletzungs- und Sachbeschädigungsdelikten zu rechnen. Nicht zuletzt gilt es, die konstruktiven alkohol- und suchtpräventiven Maßnahmen für Jugendliche und junge Erwachsene in ihrer Glaubwürdigkeit zu stärken.
Dabei orientieren wir uns an den Grundsätzen der Bayerischen Staatsregierung für Drogen- und Suchtfragen (Beschluss der Bayerischen Staatsregierung vom 12. Juni 2007) „Die Bayerische Staatsregierung setzt weiterhin entschieden auf eine nachhaltige, wertorientierte Suchtpolitik. Das bedeutet glaubwürdige Prävention, Rechtssicherheit, konsequente Rechtsanwendung und Befähigung von Betroffenen zur Mobilisierung ihrer Selbsthilfekompetenz........wendet sich konsequent gegen einen falsch verstandenen Liberalismus im Umgang mit Suchtmitteln, gegen die Aufweichung von rechtlichen Schutzwällen und Nachgiebigkeit gegenüber modischen, gesellschaftlichen Trends.“

 

 

 

 

 

 

6. Vorschläge des AKI zur Vorgehensweise

Vorgeschlagen wird eine inhaltliche Weiterentwicklung des Bergkonzeptes durch diesen oder einen anderen Arbeitskreis, unter Einbeziehung weiterer Teilnehmer, z.B. Bergwirte, Schausteller, Vereine und andere, mit einem präzisen Arbeitsauftrag.

 Dabei ist nicht der „Berg 2010 (oder 2011)“, sondern eine drei- bis fünfjährige Perspektive anzustreben.

 

 

 

 

 

. (Welche Ressourcen sind zur Realisierung des Leistungsangebotes erforderlich?)

Investitionskosten:

bei IPNr.:

Sachkosten:

bei Sachkonto:

Personalkosten (brutto):

bei Sachkonto:

Folgekosten

bei Sachkonto:

Korrespondierende Einnahmen

bei Sachkonto:

Weitere Ressourcen

 

 

Haushaltsmittel

             werden nicht benötigt

             sind vorhanden auf IvP-Nr.      
                  bzw. im Budget auf Kst/KTr/Sk        

             sind nicht vorhanden