Niederschrift über die 1. Sitzung des Baukunstbeirates am 11.02.2010

Betreff
Niederschrift über die 1. Sitzung des Baukunstbeirates am 11.02.2010
Vorlage
611/012/2010
Aktenzeichen
VI/61/T. 1341
Art
Mitteilung zur Kenntnis

Beiliegende Niederschrift über die 1. Sitzung des Baukunstbeirates am 11.02.2010 hat in der heutigen Sitzung zur Kenntnis gedient.

 

 

Tagesordnung

 

 

TOP 1

Neuwahl bzw. Bestätigung im Amt der/des Vorsitzenden und der Stellvertreterin/des Stellvertreters des Baukunstbeirats für 2010

 

TOP 2

Neubau eines Vereinsheimes für den RC 50 Erlangen

Adresse: Sieglitzhofer Straße

 

TOP 3

"Villa Kunterbunt"

Adresse: Hindenburgstraße 48 a

 

TOP 4

Förstermühle Bruck, Rückgebäude mit Stellplätzen

Adresse: Fürther Straße

 

TOP 5

Neubebauung Insel Neumühle

Adresse: Neumühle 10 - 30

 

TOP 6

Betreuter Jugendtreff mit Fahrradwerkstatt am Erlanger Kulturzentrum E-Werk

Fuchsenwiese 1, 91054 Erlangen

 

TOP 7

Mitteilungen zur Kenntnis / Anfragen / Sonstiges


 

VI/611-1/HCN T. 1341

Erlangen, 24. Februar 2010

P:\61_\1\G_\BKB\BKB 2010\BKB_100211\Niederschrift\TOP_1.doc

 

TOP 1
Neuwahl bzw. Bestätigung im Amt der/des Vorsitzenden und der
Stellvertreterin/des Stellvertreters des Baukunstbeirats für 2010

 

Gutachten des Baukunstbeirates vom 11.02.2010

 

Zum Vorsitzenden wird einstimmig bei einer Enthaltung des Gewählten Prof. Dr. Hartmut Niederwöhrmeier erneut gewählt. Zum stellvertretenden Vorsitzenden wird einstimmig bei einer Enthaltung des Gewählten Herr Architekt Volker Heid gewählt. Dr. Niederwöhrmeier und Herr Heid bedanken sich für das entgegengebrachte Vertrauen. Der Vorsitzende wünscht dem Beirat für das kommende Jahr eine auch weiterhin vertrauensvolle, objektive und konstruktive Arbeit.

 

Frau Architektin Christa Baumgartner kann auf eigenen Wunsch hin für eine Wiederwahl nicht zur Verfügung stehen. Im Namen des Baukunstbeirats bedankt sich der Vorsitzende bei Frau Baumgartner für die geleistete ehrenamtliche Tätigkeit als stellvertretende Vorsitzende.

 

 

 

Der Vorsitzende:                                                     Die Berichterstatterin:
gez. Prof. Dr. Niederwöhrmeier                                gez. Willmann-Hohmann

 

 


 

VI/611-1/HCN T. 1341

Erlangen, 24. Februar 2010

P:\61_\0\1_\GSF\BKB\2010\11.02.2010\Niederschrift\TOP_2.doc

 

TOP 2
Neubau eines Vereinsheimes für den RC 50 Erlangen
Adresse: Sieglitzhofer Straße

 

Gutachten des Baukunstbeirates vom 11.02.2010

 

Der geplante Neubau des Vereinsheims für den RC 50 Erlangen liegt südlich anschließend an die bestehende BMX-Bahn innerhalb des Vereinsgeländes im Landschaftsschutzgebiet. Die Architektur des Neubaus ist dem Ort angemessen und positiv in der Erscheinung.

 

Die Bezüge zur BMX-Bahn sind sorgfältig überlegt und begründen die additive Organisation der Räume im Grundriss. Dies führt im Ergebnis jedoch zu einer Baukörperkontur, die durch Vor- und Rücksprünge gekennzeichnet ist. Der Baukunstbeirat ist der Auffassung, dass sich diese durch kleine Modifikationen zugunsten eines klaren U-förmigen Baukörpers ausräumen lassen. Im Zuge dieser Klärung können auch die verwinkelten Flurabschnitte vereinfacht werden.

 

Da das Gebäude mit einem hohen Eigenleistungsanteil erstellt werden soll, kommen diese Vorschläge sicher auch einer konstruktiven Vereinfachung entgegen. Die Zufahrt zur Garage ist maßlich unter Berücksichtigung der dargestellten Stellplätze zu prüfen.

 

Es ist unbedingt darauf zu achten, dass die Ausführungsplanung des Architekten bis ins Detail und in die Farbkonzeption hinein umgesetzt wird und nicht den durchaus denkbaren Eigengesetzlichkeiten der Selbsthilfe zum Opfer fällt. Material und Farbe sollten sich zu einem tendenziell ruhigen und zurückhaltenden Ausdruck entwickeln.

 

 

Der Vorsitzende:                                                     Die Berichterstatterin:
gez. Prof. Dr. Niederwöhrmeier                                gez. Willmann-Hohmann

 


 

VI/611-1/HCN T. 1341

Erlangen, 24. Februar 2010

P:\61_\0\1_\GSF\BKB\2010\11.02.2010\Protokoll\TOP_3.doc

 

TOP 3
"Villa Kunterbunt"
Adresse: Hindenburgstraße 48 a

Gutachten des Baukunstbeirates vom 11.02.2010

Das Gebäude hat eine sehr individuelle Geschichte. Es stellt sich heute die Frage für alle Beteiligten, in wie weit man dem Erbauer und den Architekten und Künstlern Respekt vor den damaligen Entscheidungen und Werken, denen eine besondere Verantwortung für den kulturellen Ausdruck ihrer Zeit zugrunde gelegen hat, heute zubilligt. Das 1966/67 errichtete Bauwerk ist ein Baudenkmal.

Die Erhaltung des Baudenkmals liegt im Interesse der Allgemeinheit. Der Erhalt macht aber nur Sinn, wenn der prägende Charakter des Objekts bis ins Detail lesbar bleibt. Weder energetische noch ökonomische Interessen können ausschließlich die anstehenden Entscheidungen dominieren, wenngleich diese sicherlich in einem angemessenen Maß berücksichtigt werden müssen.

Der Baukunstbeirat ist der Auffassung, dass keine der vorgeschlagenen Lösungen verfolgenswert ist.

 

Nach eingehender Diskussion aller Aspekte werden folgende Empfehlungen gegeben:

1. Das Sichtmauerwerk und die Farbgestaltungen müssen sichtbar bleiben.

Die energetische Ertüchtigung ist in einem vertretbaren Maß möglich, ohne dass der Charakter des Hauses verloren geht. Allerdings geht dies nicht zu "100%". Die Überbetonung der Energiefrage und der Glaube an die Richtigkeit der Berechnungsmodelle ist hier auf das richtige und vernünftige Maß zu bringen. Auch sog. "Billigsysteme" wie WDVS sind fehl am Platz. So können die Fensterelemente erneuert und energetisch auf den bestmöglichen Stand gebracht werden, die Haustechnik kann auf größte Effizienz hin ausgelegt werden und durch geschickte und konstruktiv richtige Wahl und Positionierungen von Dämmebenen (z.B. Innendämmungen, Vakuumdämmungen etc.) können zahlreiche weitere energiesparende Maßnahmen im Sinne der sog. "Intelligenten Architektur" ergriffen werden. Bestehende Wärmebrücken dürfen, sofern kein konstruktiver Schaden daraus erwachsen kann, kontrolliert in Kauf genommen werden bzw. ist die Frage nach der minimalen Dämmstoffstärke zu stellen.

2. Die Teilung des Gebäudes in zwei Wohneinheiten ist "horizontal" vorzusehen.

Die Betonung der Horizontalen ist ein Ausdruck der Architektur des "offenen Raums" im 20. Jahrhundert. Diese Architektur steht nach der Zeit des Nationalsozialismus für das Erwachen der neuen, jungen Demokratie in Deutschland. Unsere Zeit droht, diese Zeitzeugen abzureißen oder bis zur Unkenntlichkeit mit Kunststoffpaketen zu verhüllen. Ein Erhalt des Gebäudes macht nur Sinn, wenn die "fließenden Raumlandschaften" und das großzügige Wechselspiel zwischen Innenraum und Naturraum erhalten bleiben.

3. Der geplante Anbau darf nicht mit dem Bestand baulich verknüpft werden.

Der Neubau ist ebenso wie der Altbau als eigenständiger, abgelöster Solitär in das Grundstück einzubinden. Die Architektursprache des Neubaus ist - ohne dem eigentlichen Entwurf des Architekten zu weit vorgreifen zu wollen - minimalistisch, tendenziell monochrom und mit substraktiven Volumina im Bereich von Eingang, evtl. Loggia oder Dachatrium anzulegen (s. z.B. swiss shape). Durch eine Holzrahmenbauweise und entsprechende Dämmwerte könnte sich die energetische Gesamtbilanz auf dem Grundstück damit durchaus zum Positiven entwickeln, ohne dass das Denkmal unter diesem Aspekt gesehen verloren gehen müsste.

Zu einer weiteren Beurteilung sind aussagekräftige Planunterlagen des Bestands, exemplarische Details der energetischen Ertüchtigung und unbedingt ein Modell mit der Gesamtsituation (z.B. M. 1:100) vorzulegen.

Der BKB bittet um weitere Beteiligung an diesem Projekt.

 

Der Vorsitzende:                                                     Die Berichterstatterin:
gez. Prof. Dr. Niederwöhrmeier                                gez. Willmann-Hohmann


 

VI/611-1/HCN T. 1341

Erlangen, 2. März 2010

P:\61_\1\G_\BKB\BKB 2010\BKB_100211\Niederschrift\TOP_4_Stand_02.03.2010.doc

 

TOP 4
Förstermühle Bruck, Rückgebäude mit Stellplätzen
Adresse: Fürther Straße

Gutachten des Baukunstbeirates vom 11.02.2010

 

Das Projekt liegt an der Wehrschwelle "Förstermühle" direkt an der Regnitz nahe dem Brucker Ortskern.

 

Der Ort verlangt eine besondere Sensibilität. Der Entwurf trägt dem im Wesentlichen durch eine geometrisch klare Kontur Rechnung. Der Solitärcharakter des Gebäudes ist durch eine stärkere Vereinheitlichung der Fensterformate (z.B. nur Fenstertüren), zurückhaltende Details - insbesondere bei den Balkonen - und durch eine eher monochrome Farbgebung (tendenziell eine dunkle Farbe) oder/und vertikal aufgebrachte haushohe Leistenbekleidung, zu verstärken. Die Dachterrasse mit Umwehrungen und der mit der Zugänglichkeit der Dachfläche einhergehende kubische Aufsatz sind aufzugeben. Sie stören den gewünschten klaren Umriss. Die Vorstellung, dass hier Blenden, Möbel und Pflanzkübel auf dem Dach stehen werden, unterstützt diese dringende Empfehlung. Die Dach-fläche ist mit einem Gründach (extensiv) zu versehen.

 

 

Der Vorsitzende:                                                     Die Berichterstatterin:
gez. Prof. Dr. Niederwöhrmeier                                gez. Willmann-Hohmann


 

VI/611-1/HCN T. 1341

Erlangen, 24. Februar 2010

P:\61_\1\G_\BKB\BKB 2010\BKB_100211\Niederschrift\TOP_5.doc

 

TOP 5
Neubebauung Insel Neumühle
Adresse: Neumühle 10 – 30

Gutachten des Baukunstbeirates vom 11.02.2010

 

Der Entwurf wird durch eine erste Modellskizze dargestellt. Es wird sehr schnell deutlich, dass noch nicht das richtige Konzept gefunden wurde. Das gesamte Bauvolumen ist stark überzogen. Die Kontur der Insel sollte nicht "nachgefahren" werden.

 

Die Bebauung der Insel Neumühle ist von außerordentlicher Bedeutung für den sensiblen Naturraum Regnitztal. In der Diskussion über die vorliegende Lösung werden deshalb folgende Aspekte bzw. Hinweise für weitere Planungsschritte gegeben:

 

·         Nördlich der beiden Wohnhäuser sollte - auch unter Berücksichtigung des Baumbestandes - kein Baukörper vorgesehen werden.

·         Auf Haus 5 ist zu Gunsten größerer Abstände zwischen den Einzelhäusern zu verzichten.

·         Die quadratische Grundform der Baukörper entlang dem östlichen Ufer ist nicht empfehlenswert, da sie in der Ausprägung lagerhaft und spannungslos sowie dem Ort fremd sind (mehr Stadthaustypologie als Villatypologie).

·         Die Inselspitze sollte nicht mit einem winkligen Baukörper "verschlossen" werden, sondern eher durch zwei Baukörper klarer geometrischer Prägung und mit Fuge gestaltet werden.

·         Die organische Formung des westlichen Baukörpers sollte zu Gunsten eines klaren, lang gestreckten Baukörpers aufgegeben werden.

·         Die Tiefgarage, die damit verbundenen Höhenverhältnisse und die Option der Anordnung von Baumquartieren sind in Schnitten unter Einbeziehung der Hochwasserpegel zu untersuchen und für eine weitere Behandlung im BKB darzustellen.

Die Hinweise zeigen sehr deutlich, dass es für den Standort durchaus verschiedene Lösungsansätze gibt. Der BKB empfiehlt, diese Alternativen anhand von Modellen und Plänen auch darzustellen, damit in einer vergleichenden Bewertung die bestmögliche Lösung gefunden werden kann.

 

Der BKB bittet um weitere Beteiligung.

 

 

Der Vorsitzende:                                                     Die Berichterstatterin:
gez. Prof. Dr. Niederwöhrmeier                                gez. Willmann-Hohmann


 

VI/611-1/HCN T. 1341

Erlangen, 24. Februar 2010

P:\61_\1\G_\BKB\BKB 2010\BKB_100211\Niederschrift\TOP_6.doc

 

TOP 6
Betreuter Jugendtreff mit Fahrradwerkstatt am Erlanger Kulturzentrum E-Werk
Fuchsenwiese 1, 91054 Erlangen

 

Gutachten des Baukunstbeirates vom 11.02.2010

 

Der Baukunstbeirat hat seine gutachterlichen Positionen zu den vier Alternativen in dem Protokoll vom 15.12.2009 umfassend niedergelegt.

 

Die Zeit seit der erstmaligen Behandlung wurde zur Konkretisierung der abschließenden Empfehlung intensiv genutzt. In der Sitzung werden die Stellungnahmen der Nutzer nochmals gehört.

Der Baukunstbeirat spricht sich mehrheitlich für die Variante der Architekten Markus Gentner, ATT Architekten aus.

 

 

 

 

 

Der Vorsitzende:                                                     Die Berichterstatterin:
gez. Prof. Dr. Niederwöhrmeier                                gez. Willmann-Hohmann

 


 

VI/611-1/HCN T. 1341

Erlangen, 24. Februar 2010

P:\61_\1\G_\BKB\BKB 2010\BKB_100211\Niederschrift\TOP_7.doc

 

TOP 7
Mitteilungen zur Kenntnis / Anfragen / Sonstiges

 

Protokollvermerk des Baukunstbeirates vom 11.02.2010

 

7.1

Zum Jahresende werden satzungsgemäß bis auf zwei Mitglieder alle Mitglieder ausscheiden. Es wäre sehr wünschenswert, wenn die wiederholt auch seitens der Stadt angesprochene Dokumentation über die im Baukunstbeirat behandelten Projekte im Laufe des Jahres erstellt werden könnte.

 

 

7.2

Nächste Sitzung des BKB: Donnerstag, 15.04.2010, „Museumswinkel“ Gebäude C 1, EG.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Vorsitzende:                                                     Die Berichterstatterin:
gez. Prof. Dr. Niederwöhrmeier                                gez. Willmann-Hohmann