Betreff
Stadtentwicklungskonzept (STEK) - Sachstand, Analyse
Vorlage
611/249/2025
Aktenzeichen
VI/61
Art
Mitteilung zur Kenntnis

Der Bericht der Verwaltung dient zur Kenntnis.


Die Stadt Erlangen hat mit der Erarbeitung des gesamtstädtischen Stadtentwicklungskonzepts (STEK) begonnen. Ziel des STEK ist es, einen möglichst breiten Grundkonsens zwischen Stadtgesellschaft, Politik und Verwaltung über die zukünftige Entwicklung und das Leben in Erlangen herzustellen.

Die Erstellung des STEK erfolgt in drei Phasen: einer Analysephase „Phase 1 – Entdecken: Wo steht Erlangen heute?“, einer Konzeptphase „Phase 2 – Entwickeln: Wie soll sich Erlangen in Zukunft entwickeln?“ und der Umsetzungsphase „Phase 3 – Umsetzen“: Wie kommen wir vom Plan zur Wirklichkeit?“.

Seit Vergabe des STEK im März 2025 arbeiten die beauftragten Planungsbüros gemeinsam mit der Verwaltung intensiv an der Analysephase. Parallel erfolgte eine erste Information der Öffentlichkeit mittels eines Pressegesprächs sowie die Freischaltung der Projektwebsite „https://www.erlangen-weiterdenken.de“.

Zur Prozessbegleitung wurde zudem das Forum STEK eingerichtet. Dieses Gremium setzt sich aus einem festen Personenkreis aus verschiedenen Bereichen der Stadtgesellschaft zusammen – etwa aus Vereinen, Initiativen, Wirtschaft und Wissenschaft (siehe Anlage 1). Das Forum tagt zwei- bis dreimal pro Jahr und begleitet den Prozess beratend. Seine Aufgabe besteht darin, Vorschläge der Verwaltung und der Planer*innen kritisch zu reflektieren, unterschiedliche Einschätzungen und Perspektiven einzubringen, neue Impulse und Prüfaufträge zu formulieren sowie Empfehlungen für Verwaltung und politische Entscheidungsgremien zu geben.

Der erste Termin Forum STEK fand am 20. November 2025 statt. Er war von einem konstruktiven Austausch zwischen den beteiligten Akteur*innen geprägt, der durch die Planungsbüros und die Stadtverwaltung begleitet wurde.

Analysephase – „Entdecken“: Wo steht Erlangen heute?

Die Bestandsaufnahme und Analyse basieren auf einem breiten Spektrum von Datenquellen. Dazu zählen Ortsbegehungen zur direkten Erfassung der räumlichen Gegebenheiten, umfangreiche Geodaten und statistische Erhebungen sowie die Auswertung bestehender Literatur, Konzepte und Gutachten. Das STEK zielt dabei nicht darauf ab, bestehende Konzepte neu zu verfassen, sondern auf Grundlage vorhandener Informationen ein umfassendes und aktuelles Bild der städtischen Situation zu gewinnen: Was funktioniert gut? Wo bestehen Herausforderungen? Welche Chancen eröffnen sich?

Ergänzend wurden Gesprächen mit exemplarischen Personen und Gruppen aus Stadtgesellschaft, Wirtschaft, Politik und Kultur geführt. Dadurch ergab sich – ohne Anspruch auf Vollständigkeit – ein breites Spektrum an unterschiedlichen Perspektiven.

Auf dieser Datenbasis konnte ein fundiertes und praxisnahes Bild der aktuellen städtischen Entwicklung erarbeitet werden. Die Analyseergebnisse sind in kurzer und prägnanter Form im vorliegenden Zwischenbericht zusammengefasst. Der Bericht benennt zentrale Trends sowie daraus entstehende Fragestellungen und beschreibt die sich abzeichnenden Spannungsfelder, ohne Lösungen vorweg zu nehmen. Diese werden im Rahmen des folgenden Prozesses zum Stadtentwicklungskonzept gemeinsam mit der Stadtgesellschaft diskutiert, formuliert und weiterentwickelt.

Wesentliche Ergebnisse der Analyse

Im Rahmen der Bestandsaufnahme und Analyse des STEK Erlangen wurden sämtliche relevanten sektoralen Themenfelder untersucht und zu vier übergeordneten Analysefeldern geclustert: „Entwickeln und Produzieren“, „Ankommen und Fortbewegen“, „Atmen und Erholen“ sowie „Wohnen und Zusammenleben“.

Diese thematische Strukturierung ermöglicht eine systematische und interdisziplinäre Betrachtung der Entwicklungsherausforderungen und -potenziale Erlangens. Die Synthese der Analysefelder und räumlichen Kategorien verdeutlicht, dass sich die zentralen Herausforderungen der Stadtentwicklung sich nicht auf einzelne Themen oder Orte beschränken. Vielmehr bestehen komplexe Wechselwirkungen zwischen ökologischen, sozialen, wirtschaftlichen und räumlichen Anforderungen, die in Erlangen in besonderer Weise ineinandergreifen.

Als ein Ergebnis der Analyse wurden neun thematische Spannungsfelder identifiziert. Sie beschreiben die zentralen Aushandlungsräume der Stadtentwicklung – also jene Räume und Themen, in denen unterschiedliche Interessen, Nutzungsansprüche und Zukunftsfragen aufeinandertreffen:

1.       Trotz Flächenmangel neue Spielräume für Gewerbe und Wirtschaft

2.       Innenstadt, Ortsteile und neue Zentralitäten

3.       Ressourcenschonende und integrierte Wohnraumentwicklung: Verdichtung im Bestand oder Bauen im Außenbereich?

4.       Soziales, Bildung und Daseinsvorsorge: Stadt für alle gestalten

5.       Mobilitätswende und integrierte Verkehrsentwicklung: Neue Wege für Stadt und Region

6.       Klima als elementares Querschnittsthema: Zwischen Klimaschutz und Klimaanpassung

7.       Grünräume und Erholung: Zwischen Naturschutz und Stadtleben

8.       Zwischen Region und Quartier: Erlangen als Teil der Metropolregion

9.       STEK als strategisches Planungsinstrument konsequent einsetzen

Jedes Spannungsfeld bündelt Erkenntnisse aus den vier Analysefeldern und überführt sie in Arbeitshypothesen und Anforderungen an das zukünftige Stadtentwicklungskonzept (STEK). Zusammen bilden sie die inhaltliche Grundlage für die anschließende Entwicklung strategischer Leitlinien, Projekte und Maßnahmen.

Aufgrund der aktuellen Bedeutung des Themenfelds Gewerbe- und Wirtschaftsentwicklung im gesamtstädtischen Diskurs erfolgt bereits im Zwischenbericht eine vertiefende Betrachtung. Hierzu wurden auf Basis von Arbeitshypothesen erste Aussagen und Kriterien für eine qualitative Wirtschaftsentwicklung abgeleitet. Im weiteren Prozess werden alle Spannungsfelder gleichwertig ausgearbeitet und weiterverfolgt.

Aus der Synthese der Schlüsselthemen und Spannungsfelder haben sich vier Schlüsselräume herauskristallisiert, die sich durch unterschiedliche Qualitäten und Anforderungsprofile auszeichnen:

·         Fokusraum Innenstadt

·         Suchraum integrierte Innenentwicklung

·         Periphere Profilräume

·         Prüfräume Außenentwicklung

Nutzungsanforderungen und Zielsetzungen für diese zu formulieren, wird eine Aufgabe im weiteren Prozess des STEK sein.

Der Zwischenbericht ist auf der Projektwebsite https://www.erlangen-weiterdenken.de veröffentlicht.

Ausblick

Der vorliegende Zwischenbericht dient als erste Standortbestimmung und markiert den Beginn einer fundierten Auseinandersetzung über die zukünftige Stadtentwicklung Erlangens. Ab 2026 sollen die bereits vorliegenden Ergebnisse und Fragestellungen in einer breiten öffentlichen Diskussion unter dem Motto „Erlangen weiterdenken“ erörtert, weiterentwickelt und in das Stadtentwicklungskonzept integriert werden.

Ziel ist es, aus den Erkenntnissen der Analyse konkrete Vorstellungen für die Zukunft zu entwickeln. Gemeinsam mit der Stadtgesellschaft wird überlegt, wie Erlangen in den nächsten Jahren aussehen soll – und was es braucht, damit die Stadt lebenswert, nachhaltig und zukunftsfähig bleibt. Das STEK wird zudem Basis für die Neuaufstellung des Flächennutzungsplans aus dem Jahr 2003 sein.

Den Auftakt bildet eine öffentliche Bürgerveranstaltung am 13.01.2026 im ZAM – Zentrum für Austausch und Machen. Aktuelle Informationen und Termine werden fortlaufend auf der Projektwebsite https://erlangen-weiterdenken.de/ publiziert.

 


Anlagen:             Anlage 1 – Besetzung Forum STEK