Kooperation Berufliche Bildung; Partnerklassen-Projekt zwischen der staatlichen Berufsschule Erlagen und den Regnitz-Werkstätten gGmbH zum Schuljahr 2021/2022

Betreff
Kooperation Berufliche Bildung; Partnerklassen-Projekt zwischen der staatlichen Berufsschule Erlagen und den Regnitz-Werkstätten gGmbH zum Schuljahr 2021/2022
Vorlage
40/091/2021
Aktenzeichen
IV/40-1
Art
Mitteilung zur Kenntnis

Der Bericht der Verwaltung dient zur Kenntnis.

 

Die Stadt Erlangen hat sich als Sachaufwandsträgerin der Erlanger Schulen zum Ziel gesetzt, die Rahmenbedingungen für inklusive Bildung im schulischen Bereich zu verbessern. Inklusiver, gemeinsamer Unterricht für Kinder und Jugendliche mit und ohne Förderbedarf ist die gemeinsame Aufgabe aller Schulen.

 

In den vergangenen Jahren wurde im Hinblick auf die Ausweitung eines inklusiven schulischen Angebotes im Stadtgebiet sehr gute Fortschritte erzielt. Bereits zum Schuljahr 2018/2019 ist an der Michael-Poeschke-Schule eine erste Partnerklasse in Kooperation mit der Georg-Zahn-Schule (Lebenshilfe) eingerichtet worden. Zum Schuljahr 2020/2021 wurde dieses inklusive Beschulungskonzept um eine zusätzliche mitwachsende Partnerklasse erweitert. Die Einrichtung einer weiteren Partnerklasse an der Ernst-Penzoldt-Mittelschule zum Schuljahr 2022/2023 wurde mit Beschluss vom 11.03.2021 (Vorlagennummer. 40/041/2021) gefasst.

 

Zum Schuljahr 2021/20222 ging ein weiteres inklusives Bildungsangebot in Erlangen an den Start. Die Berufsschule Erlangen hat in Kooperation mit der Abteilung Berufliche Bildung der Regnitz-Werkstätten gGmbH ein Partnerschaftsprojekt im Rahmen der Beruflichen Bildung eingerichtet. Ziel ist es, einen zentralen Ort der beruflichen Bildung in Erlangen zu schaffen, der für Menschen mit und ohne Behinderungen zugänglich ist – gemeinsam dort lernen, wo Berufliche Bildung in Erlangen stattfindet.

 

Konzeption

 

Für die Zusammenarbeit der Partnerklassen und des pädagogischen Teams wurde gemeinsam von beiden Projektbeteiligten ein pädagogisches Konzept erarbeitet (siehe Anlage).

 

Inhaltlich orientiert sich die Kooperation an den Möglichkeiten des kooperativen Partnerklassenmodells. Die Partnerklasse arbeitet nach dem Grundsatz: soviel gemeinsame Bildung und Förderung wie möglich (durch gemeinsame Projekte), soviel Rückzug und Differenzierung wie nötig.

 

Die gemeinsame Durchführung bestimmter Unterrichtsteile für Menschen mit und ohne Behinderung steht somit im Fokus. Insbesondere geschieht dies im Rahmen von projektorientiertem Praxisunterricht. Wichtig ist hierbei, dass die individuelle Begleitung und die Bedürfnisorientierung für alle Jugendlichen gewährleistet bleiben. Ausgehend vom aktuellen Inhalt wird gemeinsam mit der entsprechenden Berufsschulklasse ein Projekt geplant, erarbeitet und in Zusammenarbeit mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Regnitz-Werkstätten gGmbH und den Schülerinnen und Schülern der Berufsschule fertiggestellt. Durch die Kooperation wird eine Erweiterung der pädagogischen und fachpraktischen Perspektiven möglich. Für die Jugendlichen kommt eine soziale und gesellschaftliche Komponente hinzu, die durch den Austausch und die Zusammenarbeit von Menschen mit und ohne Behinderung entstehen kann.

 

Das pädagogische Team besteht aus zwei Betreuungskräften der Regnitz-Werkstätten gGmbH und einer entsprechenden Fachbereichslehrkraft aus der Berufsschule Erlangen. Die Lehrkräfte arbeiten im Team und sind gemeinsam verantwortlich für die Umsetzung des Partnerklassenmodells.

 

Die Räumlichkeiten in der Berufsschule sind zum Schuljahresbeginn durch die Regnitz-Werkstätten gGmbH bezogen worden. Weitere organisatorische Punkte wurden zwischen den Beteiligten besprochen und sind zum Teil aktuell noch in Bearbeitung. Aufgrund institutioneller Umstände fand bislang noch kein Präsenztag des Berufsbildungsbereiches der Regnitz-Werkstätten gGmbH in der Berufsschule Erlangen statt. Dies ist für den November geplant. Entsprechend wird dann eine Gruppe mit ca. 12 Personen an einem Präsenztag in der Berufsschule gelehrt.

 

Für das Projekt ist im ersten Schritt eine zweijährige Erprobungsphase geplant. Danach müssen die Beteiligten evaluieren, in wie fern eine Weiterführung oder ggf. sogar eine Ausweitung des Projekts sinnvoll erscheint. 

 

Schulaufsicht

 

Das inklusive Projekt bedarf keiner offiziellen schulaufsichtlichen Genehmigung durch die Regierung von Mittelfranken. Die Berufsschule Erlangen hat das Vorhaben jedoch bereits bei der Regierung angezeigt.

 

Raumkonzept/Ausstattung/IT

 

Das Raumkonzept für die Partnerklasse sieht ein Klassenzimmer und einen Verwaltungsraum für die Jugendlichen und Betreuungskräfte der Regnitz-Werkstätten gGmbH vor. Hierfür stehen die Räume G 027 als Klassenzimmer und G 039 als Verwaltungsbereich im Erdgeschoss zur Verfügung, womit eine barrierefreie Erschließung gegeben ist. Weiter werden für die fachpraktische Projektarbeit die Werkstätten der verschiedenen Fachbereiche in der Berufsschule Erlangen sowie das Schülercafé als Pausenraum mitgenutzt.

 

Die Räumlichkeiten sind in einem gebrauchsfähigen Zustand. Sanierungsmaßnahmen oder Umbauten waren somit nicht von Nöten. Das künftige Klassenzimmer der Regnitz-Werkstätten gGmbH ist möbliert und hat eine Standard-IT-Ausstattung. Dies kann mitgenutzt werden. Die Einrichtung und IT-Ausstattung des Verwaltungsraumes obliegt den Regnitz-Werkstätten gGmbH.

 

Die Regnitz-Werkstätten gGmbH haben die benötigten Räume (Klassenzimmer und Verwaltung) von der Stadt Erlangen angemietet. Die Jahresmiete von rd. 5.000 € orientiert sich an den allgemeinen Regelungen zur Schulraumvermietung.

 

Projektfortlauf

 

Mittelfristig ist der Wunsch seitens der Beteiligten vorhanden, komplett und dauerhaft am Campus Berufliche Bildung in Erlangen (CBBE) zu lehren, also dort eine Betriebsstätte der Lebenshilfe an der Berufsschule einzurichten. Dies würde die Verlagerung des kompletten Berufsbildungsbereiches der Regnitz-Werkstätten gGmbH nach sich ziehen.

 

 

 

Mittel- bis langfristige Perspektive:

 

-        Schnittstellen im fachtheoretischen und fachpraktischen Bereich weiter ausgestalten und durchführen (Gemeinsame Projekte (inklusiv und fachpraktisch))

-        Gemeinsame Unterrichtsplanung und –gestaltung in ausgewählten Themenbereichen (Teilqualifizierungen) weiter ausbauen und durchführen; kooperatives Lernen in heterogenen Lerngruppen

-        Lernpartnerschaften anbieten und begleiten

-        Gemeinsame Beratungskompetenz nutzen und eine gemeinsame Struktur aufbauen

-        Angebote des Schullebens und außerunterrichtlicher Aktivitäten werden gemeinsam genutzt.

 

Dies steht natürlich sehr in Abhängigkeit des Projektverlaufs in der Erprobungsphase. Darüber hinaus wäre die Frage der zur Verfügung stehenden Räumlichkeiten an der Berufsschule Erlangen zu klären. Ob und in wie weit eine Umsetzung des Raumkonzeptes der Regnitz-Werkstätten gGmbH im Campus Berufliche Bildung (CBBE) möglich wäre und ob die notwendigen Rahmenbedingungen für ein solches Vorhaben geschaffen werden können, wird zu gegebener Zeit von den Beteiligten geklärt.

 

Anlagen:

Konzept zur Kooperation Berufliche Bildung