Bedarfsplanung Ganztagesbetreuung für Kinder im Grundschulalter: Zwischeninformation zu den Schulsprengelkonferenzen

Betreff
Bedarfsplanung Ganztagesbetreuung für Kinder im Grundschulalter: Zwischeninformation zu den Schulsprengelkonferenzen
Vorlage
51/160/2018
Aktenzeichen
IV/51/HMN014
Art
Mitteilung zur Kenntnis

Der Bericht der Verwaltung dient zur Kenntnis.

Mit Gutachten des Bildungs- und Beschluss des Jugendhilfeausschusses vom 20.07.2017 (Vorlage 51/143/2017) wurde die Verwaltung beauftragt, in Kooperation mit den Grundschulen, dem staatlichem Schulamt, den Anbietern von Mittagsbetreuungen und Einrichtungen der Kindertagesbetreuung Bedarfskorridore im Bereich der Ganztagesbetreuung von Kindern im Grundschulalter bezogen auf die Schulsprengel und stadtweit zu entwickeln. Dabei soll die zukünftige Verteilung von Ganztagesbetreuungsplätzen zwischen den Bereichen Ganztagesschule, Mittagsbetreuung und Betreuungsangeboten der Jugendhilfe unter Einbezug der Bedürfnisse von Kindern und Eltern abgestimmt werden. Das Ergebnis wird dem Stadtrat zur Beschlussfassung vorgelegt werden.

 

Mittlerweile haben die Schulsprengelkonferenzen für die Grundschulsprengel der Pestalozzi- und der Friedrich-Rückert-Schule stattgefunden. Die Erfahrungen und Rückmeldungen haben gezeigt, dass die Schulsprengelkonferenz - als Zusammenkunft aller im jeweiligen Schulsprengel fachlich relevanten Akteure aus den Bereichen Schule und Jugendhilfe - geeignet ist, fachliche Empfehlungen für ein abgestimmtes und bedarfsgerechtes Angebot an Kindertages- und Ganztagesbetreuungsplätzen zu erarbeiten.

 

Ergebnisse der Schulsprengelkonferenz Pestalozzi wurden bereits in der gemeinsamen Sitzung des Bildungs- und Jugendhilfeausschusses am 15.03.2018 vorgestellt (Vorlage 40/142/2018):

 

Textauszug:

„Die Schulsprengelkonferenz an der Pestalozzischule hat mit insgesamt 20 VertreterInnen aus Schule, Jugendhilfe und Schulverwaltungsamt am 05.12.2017 stattgefunden. Dabei wurden gemeinsam u.a. die aktuelle Versorgungssituation mit Ganztagesbetreuungsplätzen, die Entwicklung der Schülerzahlen, die Schülerprognose und die soziale Situation im Schulsprengel diskutiert. Weiterhin wurden die bestehenden Ganztagesbetreuungsangebote qualitativ ausgewertet und es wurde zusammengefasst, welche Angebote (qualitativ und quantitativ) zukünftig im Schulsprengel gebraucht werden.

Ausschnitthafte Aspekte der Diskussion:

· Es gibt aktuell keine freien Ganztagesbetreuungsplätze im Schulsprengel.

· Aufgrund der Schülerprognose vom Frühjahr 2017 wird bis zum Schuljahr 2026/27 eine Schülerzahlsteigerung um ca. 17 % im Schulsprengel erwartet. Je nach Entwicklung der Projekte zur Schaffung von bezahlbarem Wohnraum könnte sich diese Prognose noch anheben.

· Der statistische Bezirk 40 deckt einen Großteil der Fläche des Schulsprengels ab. Durch das Sozialmonitoring 2017 der Stadt Erlangen sind hier Aussagen zur sozialen Belastung möglich. Die soziale Belastung ist im Vergleich zu anderen statistischen Bezirken in der Stadt am zweithöchsten. Trotz positivem Entwicklungstrend in den letzten Jahren liegen bspw. der Migrationshintergrund von Kindern und Jugendlichen mit ca. 71% (stadtweit ca. 50%), der Anteil von ca. 17% Hartz IV-Empfängern unter 15 Jahren (stadtweit ca. 10%) und der Anteil von 28% Alleinerziehenden an Familien (stadtweit ca. 19%) über dem städtischen Durchschnitt.

 

Ergebnisse „Welche Angebote an Ganztagesbetreuung brauchen wir zukünftig im Schulspregel?“:

 

· Das bestehende, differenzierte Angebot im Schulsprengel sollte erhalten bleiben: Gebundene Ganztagesschule, Mittagsbetreuung, Haus für Kinder, Hort, Lernstuben.

· Es gibt aktuell Bedarf an zusätzlichen Betreuungsplätzen, auch für Flüchtlingskinder und Kinder mit (drohender) seelischer Behinderung (u.a. ca. 16 Kinder haben einen Ganztagesbetreuungsplatz, bräuchten aber ein intensiveres Betreuungssetting; von ca. 10 Kindern ist bekannt, dass sie keinen Betreuungsplatz finden konnten; viele Eltern würden aktuell gar nicht nach einem Betreuungsplatz fragen, da sie wissen würden, dass es Plätze-Mangel gebe; keine freien Plätze in Angeboten der Jugendhilfe, wenn Kinder erst im laufenden Schuljahr an die Schule kommen).

· Es ist notwendig, zusätzliche Betreuungsplätze zu schaffen, die eine intensive Förderung der Kinder mit Fachpersonal ermöglichen (Lernstube, Hort, HfK u.a.). Ein weiterer Ausbau von offener oder gebundener GTS und Mittagsbetreuung alleine kann den Bedarf aller Kinder nicht decken. Die Kinder und die Eltern brauchen ein intensiveres Betreuungs- und Unterstützungsangebot.
Mittelfristig braucht im Schulsprengel rechnerisch (fast) jedes Kind einen Ganztagesbetreuungsplatz - auch für Flüchtlingskinder und Kinder mit erhöhtem Förderbedarf bzw. mit (drohender) seelischer Behinderung fehlen Plätze. Die genaue Zahl der benötigten Betreuungsplätze soll sich an der Bevölkerungsprognose bzw. deren weiteren Entwick
lung orientieren (Baugebiete sind z.T. noch nicht berücksichtigt).

· Die Plätze müssen nicht nur rechnerisch reichen, auch die Qualität der Plätze muss zu dem passen, was Kinder und Eltern brauchen. Ziel sei es, dass Prävention, Betreuung und Hilfe direkt mit den Betreuungsangeboten im Stadtteil geleistet werden können, so dass kostenintensive Einzelhilfen nicht notwendig sind.

· Aus Sicht der Schule fehle im Stadtteil Anger zudem eine Spielstube, um Kinder schon im Vorschulalter intensiver zu fördern. Ein weiterer Ausbau von JaS an der Schule wird zudem als notwendig gesehen.

 

Die Ergebnisse sind als Zwischenergebnisse zu sehen. Sie müssen für eine abschließende Bedarfseinschätzung der Jugendhilfeplanung im stadtweiten Zusammenhang, insbesondere in Relation zu den aktuellen Versorgungssituationen und zukünftigen Bedarfen der Ganztagesbetreuung an den Förderzentren und benachbarten Grundschulsprengeln betrachtet und mit den Ergebnissen der Befragungen der Jugendhilfeplanung „Bedarfserhebung Ganztagesbetreuung 2017“ (wird aktuell ausgewertet) und der Familienbefragung (geplant für Herbst 2018) kombiniert werden. Darüber hinaus ist zu berücksichtigen, dass bundespolitisch aktuell ein im SGB VIII und damit in kommunaler Verantwortung verankerter Rechtsanspruch auf einen Ganztagesbetreuungsplatz für Kinder im Grundschulalter diskutiert wird (den Rechtsanspruch soll es ab 2025 geben).

Das Schulverwaltungsamt und das Stadtjugendamt haben die herausfordernde Situation an der Pestalozzischule und die Ergebnisse der Sprengelkonferenz zum Anlass genommen, bereits jetzt mit der Schulleitung und dem Staatlichen Schulamt gemeinsame Überlegungen zu einer besonderen Kooperation zwischen Schule und Jugendhilfe anzustellen (ein erstes Gespräch fand am 08.02.2018 statt). Es wird ein auf die Schule und die vorliegenden Bedarfe zugeschnittenes Betreuungskonzept angedacht.“


 

Die Schulsprengelkonferenz Friedrich-Rückert fand am 10.04.2018 statt und wird aktuell ausgewertet. Als Teilergebnis kann bereits festgehalten werden: Die gebundene Ganztagsschule soll ab dem Schuljahr 2018/19 eingeführt werden. Es besteht bereits eine aktuelle Mangelversorgung mit Ganztagesbetreuungsplätzen, auch kurz- und mittelfristig braucht es weitere Ganztagesbetreuungsplätze (v.a. im Jugendhilfebereich).

Im aktuellen Schuljahr sind zwei weitere Schulsprengelkonferenzen angedacht. Die Situation in den dann verbleibenden 11 weiteren Grundschulsprengeln sollen – wenn es die Kapazitäten in der Jugendhilfeplanung zulassen - im Schuljahr 2018/19 besprochen werden. Mit der Vorlage der sprengelbezogenen und stadtweiten Bedarfskorridore ist frühestens im Sommer 2019 zu rechnen.

 

Folgende Reihenfolge ist bei den Schulsprengelkonferenzen geplant:

 

 

Die Reihenfolge berücksichtigt die erwartete Schülerzahlentwicklung (Prognose 2017), die soziale Situation im Stadtteil und ist mit staatlichem Schulamt, Schulverwaltungsamt und Bildungsbüro abgestimmt.

 

 

Anlagen: