Jahresbericht JAZ e. V. 2015

Betreff
Jahresbericht JAZ e. V. 2015
Vorlage
II/134/2015
Aktenzeichen
II/WA
Art
Beschlussvorlage

1. Vom Jahresbericht 2015 über die Aktivitäten der Stadt über den JAZ e. V. wird Kenntnis genommen.

2. Es besteht Einverständnis, dass das Engagement bezüglich Berufsorientierung bzw. Ausbildungsfähigkeit und Übergangsbegleitung fortzuführen, das Kommunale Beratungs- und Informationsbüro sowie die Akquise- und Vermittlungstätigkeiten weiterzuführen sind.

3. Für die Personalkosten erhält der JAZ e. V. für 2016 einen städtischen Zuschuss in Höhe von 40.000,-- Euro.

Sachbericht

 

Das Schuljahr 2014/2015 mit 122 Absolventen aus den Regelklassen der 9. Jahrgangsstufe zeigt nachfolgend genannten Verbleibsquoten bzw. Einmündungswege: 16% Wiederholer, 25% Jugend ohne Ausbildung in der Staatlichen Berufsschule Erlangen, 15% weiterer Schulbesuch mit dem Ziel den Mittleren Bildungsabschluss zu erwerben und 43% in Ausbildung.

 

Vier Fakten sind hierbei als besonders erfreulich zu bewerten:

 

-       Vier Schülerinnen und Schüler entschlossen sich, eine Ausbildung zum Bäcker, zur Köchin, zur Bäckereifachverkäuferin und zur Fachkraft für Systemgastronomie anzutreten (im vorigen Berichtsjahr war hierzu keiner bereit).

-       Sieben Schülerinnen und Schüler nahmen einen Ausbildungsplatz in Nürnberg bzw. Fürth an. Hier siegte der „Lieblingsberuf“ über Mobilitätsbeschränkungen. Darunter sind auch zwei Fachkräfte für Post-, Paket- und Kurierdienst bei der Deutschen Post in Nürnberg.

-       Erstmals seit Beginn der lückenlosen Erfassung von Einmündungswegen gibt es mehr Zahnmedizinische als Medizinische Fachangestellte.

-       Mehr Variation in der Berufswahl: 22 Ausbildungsberufe verteilen sich auf 47 Schülerinnen und Schüler, von Anlagenmechaniker mit 4 Verträgen bis Zahnmedizinische Fachangestellte mit 5 Verträgen. Fliesenleger, Gießereimechaniker und Rohrleitungsbauer sowie Stahlbetonbauer sind heuer wieder vertreten.

 


Drei weniger erfreuliche Fakten:

-       25% der Schülerinnen und Schüler der Mittelschule Erlangen (im Vorjahr 16%) münden in die Berufsschule (JoA: Jugend ohne Ausbildung sowie BVK: Berufsvorbereitungsklasse) ein.

-       Tendenz zu zügigen Ausbildungsabbrüchen (noch vor Mitte September)

-       Trend zu einer längeren Entwicklungsphase der Motivation für die Aufnahme einer Ausbildung

 

Schwerpunkte die im Schuljahr 2015/2016 eine vertiefte und zusätzliche Maßnahme im Rahmen der Aufgaben zur Förderung der Ausbildungsfähigkeit darstellen (sind als Konsequenz aus den Erfahrungen des Schuljahres 2014/2015 zu sehen – näheres unter Punkt 1.1 und 1.2):

 

-       Angebote zur Persönlichkeitsentwicklung der Schülerinnen und Schüler

-       „Berufe in die Schulen“: Kooperationsprojekt mit der Staatlichen Berufsschule und der Kreishandwerkskammer Erlangen

-       Kooperationspartner der VHS in einer Maßnahme zur beruflichen und sozialen Integration nicht mehr schulpflichtiger Flüchtlinge

 

Im Bericht 2014 wurden folgende Schwerpunkte für das Schuljahr 2014/2015 gesetzt:

 

-       Intensives Bewerbungscontrolling in der 10. Jahrgangsstufe:

Die Zahl der unversorgten EntlassschülerInnen des Mittleren-Reife-Zuges entwickelte sich mit 13,7% erfreulicherweise gegenüber dem Vorjahr mit 37% nach unten. Die Einschaltquote betrug 72%, d.h. 104 Schülerinnen und Schüler nahmen das Angebot der Unterstützung bei der Erstellung von aussagekräftigen Bewerbungsunterlagen an. Bei den verbleibenden strebten 19 die Fachober-schule an, 4 Schüler wurden in einer Berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahme der Agentur für Arbeit aufgenommen, 5 Schüler entschieden sich für ein Freiwilliges Soziales Jahr, 1 Absolvent verpflichtete sich bei der Bundeswehr und nur von 14 Schülern ist der Verbleib unbekannt.

 

-       „Berufseinstiegsseminar“ für abbruchsanfällige Berufe (Anlagenmechaniker, Friseur und Med. Fachangestellte):

Konnte mangels Teilnehmer nicht angeboten werden. Zum Zeitpunkt der Durchführung nach den Abschlussprüfungen waren zu wenige Schülerinnen und Schüler mit unterschriebenen Ausbildungsverträgen an der in Frage kommenden Mittelschule.

 

-       Aufbau der Koordinierungsstelle für das Freiwillige Soziale Schuljahr („FSSJ) 

In den Vor-Abschlussklassen der Mittelschule Erlangen konnte in diesem Schuljahr kein Interessent gewonnen werden. Die Akquise-Bemühungen wurden auch nicht übermäßig intensiv geführt.

 

 

 

 

1.   Ergebnis/Wirkungen
(Welche Ergebnisse bzw. Wirkungen sollen erzielt werden?)

1.1 Berufsorientierung an der Mittelschule Erlangen

 

Die im September 2012 geschlossene Kooperationsvereinbarung mit der Mittelschule Erlangen ist fortzuführen. Die Berufsorientierung ist ein Prozess, der die Elemente Persönlichkeits-, Kompetenz- und Leistungsentwicklung beinhaltet.

 

Der Berufsorientierungsprozess in der Mittelschule Erlangen in den einzelnen Jahrgangsstufen:

 


7. Jahrgangsstufe

- Werkstattpraktikum und Potenzialanalyse (stichtagsbezogene Leistungs- und Kompetenzfest-

  stellung

- Betriebserkundung

- Unterricht in den drei berufsorientierenden Zweigen (Technik, Wirtschaft und Soziales: am Ende des Schuljahres ist ein Zweig zu wählen)

 

8. Jahrgangsstufe

Orientierungspraktika: Zweimal einwöchige Praktika in einem Unternehmen

- Wahl eines Berufsorientierungs-Moduls der Agentur für Arbeit (z. B. Berufsorientierungs-Camp)

 

9. Jahrgangsstufe

- Entscheidungspraktika: Praktika soll Berufswahl unterstützen

 

Das Ziel, den BO-Prozess prozesshaft ab der 7. Jahrgangsstufe zu organisieren unter Einbeziehung der o.g. Elemente ist im Teilzeit-Unterricht schwierig. Im Ganztags-Bereich kann mit Arbeitsgemeinschaften soziale Kompetenzen vermittelt werden.

Aus diesem Grund soll ein modulares Angebot zu verschiedenen sozialen, kulturellen, politischen und kreativen Bereichen außerhalb des Unterrichts in zentraler Lage entwickelt werden. Ziel soll sein, die Schülerinnen und Schüler in ihrer persönlichen Entwicklung zu unterstützen. In „Erfahrungs-räumen“ kann diskutiert, ausprobiert, erfahren und nachgedacht werden.

 

 

1.2 Steigerung der Ausbildungsfähigkeit

 

Das gemeinsam mit GGFA, Jugendsozialarbeit und Berufsberatung entwickelte Konzept der „Ampel“ ist ein Instrument des gemeinsamen Austausches mit den Klassenlehrern über die Ausbildungsfähigkeit der Schülerinnen und Schüler. Dieser findet nach dem Zwischenzeugnis und vor dem Schulentlass-Zeitpunkt statt. Es werden individuelle Unterstützungsleistungen ebenso vereinbart wie der aktuelle Stand in Bezug auf Ausbildung diskutiert und mögliche Einmündungsperspektiven vorgeschlagen werden.

Die Ampel ist eine Stichtagsbetrachtung und bietet für die nächste aufnehmende Einrichtung, die staatliche Berufsschule, eine erste Einschätzung über einzurichtende Klassen für ausbildungslose Jugendliche.

Das Konstrukt der Ausbildungsfähigkeit reduziert sich in der täglichen Arbeit mit den Schülern auf die Merkmale „schulische Leistung“, „Verhalten/Umgangsformen“ und „Motivation“. Gerade die beiden letztgenannten zeigen einen erheblichen Entwicklungsspielraum. Aus diesem Grund scheint ein modulares Angebot an Themen, die Jugendliche interessieren, sinnvoll. Der Unterrichtsalltag bietet zu wenig Möglichkeit um z. B. der Frage nachzugehen, was Arbeit eigentlich ist, wer sie wie und warum bewertet und wem sie nützt.

Nach Gründen von Ausbildungsabbrüchen gefragt ist oft zu hören: „Die haben mich nur ausgenutzt“, „Ich wurde gemobbt, weil nur ich immer aufräumen musste“, „Der Chef war nicht höflich zu mir“. Bei den Jugendlichen sind die Themen „Ausnutzen“, „Mobbing“ und „Höflichkeit“ mit sehr vielen Beispielen gefüllt, deren thematische Bezüge diskutierbar sind.

 

 

1.3 Unterstützung bei der Entwicklung von Einmündungsperspektiven für SchülerInnen jedweden Schultyps (im KOMBI-Büro).

 

Das Angebot richtet sich sowohl an SchülerInnen anderer Schularten als auch an Jugendliche bzw. junge Erwachsene. Bei manchen klappt es erst nach zwei Jahren mit einer Ausbildung, manche weisen regelrechte „Abbruchskarrieren“ auf. Am meisten wurde das Angebot von Jugendlichen aus den  Schuljahren 2012/2013 sowie 2013/2014 genutzt. Dabei ging es um Ausbildungswechsel, Betriebswechsel oder erneute Ausbildung nach einer abgeschlossenen zweijährigen.

Besonders erfreulich war, dass es gelungen ist, mehrere „Härtefälle“ mit Mittleren Bildungsabschluss nach einem bzw. nach zwei Jahren endlich in Ausbildung zu bringen.

Das Angebot ist bei den Jugendlichen gut verankert. Die zentrale Lage erlaubt häufig auch ein „kurzes Vorbeischauen und erzählen, wie´s so geht“. Dabei können dann meist vorhandene Schwierigkeiten gleich besprochen und Lösungswege aufgezeigt werden.

 

1.4 „Berufe in die Schulen“

 

Die Auszubildenden der Staatlichen Berufsschule in den verschiedenen Fachbereichen sind oftmals Absolventen der Mittelschule Erlangen. Die Schülerinnen und Schüler sind besonders aufmerksam, wenn ehemalige Mitschüler über ihre Erfahrungen in der Ausbildung sprechen. Bislang geschah dies zufällig und spontan. Ein planvolles Organisieren solcher Besuche ist nicht ganz so einfach, da sowohl auf Berufsschulunterricht als auch auf Arbeitszeiten Rücksicht genommen werden muss. Vor diesem Hintergrund wurde mit der Kreishandwerkerschaft Erlangen eine mögliche Form der Systematisierung diskutiert. Ein gemeinsames Projekt mit der Staatlichen Berufsschule könnte daher sein, dass Auszubildende des zweiten oder dritten Ausbildungsjahres im Rahmen des allgemein-bildenden Unterrichts Präsentationen ihrer Berufe vorbereiten und in den Schulen vortragen.

 

 

 

2.   Programme / Produkte / Leistungen / Auflagen
(Was soll getan werden, um die Ergebnisse bzw. Wirkungen zu erzielen?)

Fortführung des Engagements an der Erlanger Mittelschule als Kooperationspartner mit dem Ziel der Entwicklung eines außerschulischen Trainingskonzeptes zur lebens- und berufsweltlichen Orientierung.

 

FSSJ: Verankerung des Programmes in Erlangen über die Koordinierungsstelle als Beitrag zur Förderung des ehrenamtlichen Engagements sowie Erwerb von Schlüsselqualifikationen der Zielgruppe.

 

KOMBI: Fortführung der Informations-, Beratungs- und Vermittlungsleistung des Kommunalen Beratungs- und Informationsbüros rund um Ausbildung mit dem Ziel, die Unterstützungsleistung zur Einmündung in den Ausbildungs- bzw. Arbeitsmarkt zu erhalten.

 

 

 

3.   Prozesse und Strukturen
(Wie sollen die Programme / Leistungsangebote erbracht werden?)

Durch regelmäßigen wöchentlichen Einsatz vormittags in den Schulen werden Kontakte zu Klassenlehrern, Fachlehrern und Schulleitern zur wechselseitigen Information und Planung angestrebt. Regelmäßig wird mit Klassen themenbezogen gearbeitet: Vor- und Nachbereitung von Praktika, Erarbeiten von Stärken-Schwächen, Betriebsbesichtigungen, Praxistage bei Unternehmen mit Gruppen organisieren sowie über Berufe, Arbeit und Regeln der Arbeitswelt diskutieren.

Die Entwicklung eines berufsorientierenden Konzeptes erfolgt in Abstimmung mit Schulleiter, Klassenlehrer und Berufsberatung.

 

Beratung und Unterstützung von Schülern sowie Jugendlichen und jungen Erwachsenen abhängig vom Anliegen. Im Vergleich zum Berichtsjahr 2012 ist die Zahl der Kunden um 56% (von 70 auf 125) gestiegen. Das JAZ-Büro ist bei den Jugendlichen etabliert, arbeitet nachhaltig und wirksam. Ca. 70% der Kunden waren Schülerinnen und Schüler aus früheren Entlassjahren.

 

Diese Kernaufgaben werden ergänzt durch Abstimmungs- und Organisationsgespräche, Gewinnung von Kooperationspartnern sowie Planungsgespräche und Terminvereinbarungen für BO-Projekte.

 

 

4.   Ressourcen
(Welche Ressourcen sind zur Realisierung des Leistungsangebotes erforderlich?)

Investitionskosten:

bei IPNr.:

Sachkosten:

bei Sachkonto:

Personalkosten (brutto):

€ 50.000,--

bei Sachkonto:

Folgekosten

bei Sachkonto:

Korrespondierende Einnahmen

bei Sachkonto:

Weitere Ressourcen

 

 

Haushaltsmittel

                         werden nicht benötigt

             sind vorhanden auf IvP-Nr.      

                        bzw. im Budget auf Kst/KTr/Sk   mit 40.000,-- Euro a/20.363A     

                               sind nicht vorhanden

 

 

Anlagen: