Warnung der Bevölkerung - Sirenen, mobile Lautsprechereinrichtungen, KATWARN

Betreff
Warnung der Bevölkerung - Sirenen, mobile Lautsprechereinrichtungen, KATWARN
Vorlage
37/039/2013
Aktenzeichen
I/37AL
Art
Mitteilung zur Kenntnis

 

Diese Mitteilung dient den Mitgliedern des Haupt-, Finanz- und Personalausschusses zur Kenntnis. Die Anfrage von Herrn Stadtrat Wolfgang Vogel wurde hiermit bearbeitet.

 

 

Die Stadt Erlangen hat sich im Jahr 2005 für den Aufbau eines umfangreichen Warnsystems für den Großschadens-/ Katastrophenfall entschieden. Das System besteht aus zwei Säulen. Zum einen aus zwischenzeitlich 27 Hochleistungssirenen, die über das ganze Stadtgebiet verteilt sind und zum anderen aus einem mobilen Lautsprechersystem (Mobela) auf Einsatzfahrzeugen. Durch die Sirenen kann eine sehr große Anzahl der betroffenen Menschen sehr schnell erreicht werden. Der bundeseinheitliche Warnton fordert die Menschen auf, das Radio einzuschalten, um aktuelle Informationen im Zusammenhang mit der Gefahren- bzw. Schadenslage zu erhalten. Im Zusammenhang mit der gezielten Abgabe von Warntexten über mobile Lautsprecheranlagen ist das ganze Stadtgebiet in 97 Warnbezirke eingeteilt. Je nach Entscheidung der Führungsgruppe Katastrophenschutz werden die notwendigen Warnbezirke abgefahren und entsprechende Lautsprecherdurchsagen durchgeführt, um die Bevölkerung zu warnen und/ oder Verhaltensregeln weiterzugeben. Vor besonderen Einrichtungen wie u.a. Kindertagesstätten, Schulen, Seniorenresidenzen wird gezielt angehalten, um den Warntext mehrmals ablaufen zu lassen.

 

Bei KATWARN handelt es sich um ein kommunales Warn- und Informationssystem für die Bevölkerung, welches vom Berliner Frauenhofer-Institut FOKUS im Auftrag der öffentlichen Versicherer entwickelt wurde und seit 2011 in verschiedenen Gebieten in Deutschland zum Einsatz kommt. Mit KATWARN kann die Bevölkerung bei Unglücksfällen per SMS, Smartphone-App und Email postleitzahlengenau gewarnt werden. Es beruht auf dem Registrierenlassen der Handy-Nummer/ Email-Adresse und eines Bereiches (Postleitzahlbereich), in dem man im Gefahren- bzw. Schadensfall durch eine für die Nutzer kostenfreie Information gewarnt werden möchte.

 

Nach Einschätzung des Amtes 37 handelt es sich bei KATWARN um ein System, welches als Möglichkeit gesehen wird, um über die verpflichtenden Rundfunk- (Aufforderung zum Einschalten der Radios durch Auslösen der Sirenen) und die Lautsprecherdurchsagen hinaus, Menschen zu erreichen. Das Fraunhofer-Institut nennt das System selbst „das ergänzende Katastrophenwarnsystem für Bürgerinnen und Bürger“.

 

Aus Sicht des Amtes 37 bestehen bei KATWARN folgende Einschränkungen:

§  Die Warnung erfolgt nur für angemeldete Benutzer.

  • Keine Warnung für Durchreisende, bzw. in PLZ-Bereichen, in denen man sich nicht registrieren hat lassen (Arbeitsplatz, Einkauf etc.).
  • Bekannte Instabilität des Mobilfunknetzes bei Großschadenslagen oder zu bestimmten Zeiten (z.B. Silvester). Es stellt sich die Frage: Kommen die SMS überhaupt durch?
  • Es ist nicht bekannt, wie lange es dauert, bis mehrere Tausend SMS versandt sind!
  • Die Akzeptanz in der Bevölkerung ist fraglich: Laut Presse nur 20.000 Teilnehmer in Berlin; das entspricht unter einem Prozent der dortigen Bevölkerung.
  • Kostenfaktor: Die einmalige Gebühr für die Einführung beläuft sich auf ca. 15.000 Euro; die laufenden Kosten für den technischen Support belaufen sich im Jahr auf ca. 3.000 Euro; einsatzabhängig sind die Kosten pro Warn-SMS (6 Cent/ SMS). (Quelle: Fraunhofer-Institut FOKUS – Stand: Oktober 2013; www.fokus.fraunhofer.de)
  • Bislang besteht nur eine geringe Verbreitung im Bundesgebiet und damit wenig Erfahrung.

 

Die Einschätzung des Amtes 37 wird auch durch die Hinweise des Verbandes öffentlicher Versicherer (Quelle: Verband öffentlicher Versicherer; www.voev.de) unterstrichen:

  • KATWARN kann technisch keine 100%ige Zustellsicherheit der Warnungen gewährleisten. Insbesondere bei Störungen des Mobilfunknetzes, des Internets oder der Stromversorgung ist mit Ausfällen zu rechnen.
  • KATWARN ersetzt nicht die lokalen Anweisungen von Behörden, Polizei oder Einsatzkräften in einer Gefahrensituation, diesen ist unbedingt Folge zu leisten.
  • Grundsätzlich sind jegliche Gewährleistungs- oder Haftungsansprüche aus der Nutzung von KATWARN ausgeschlossen.

 

Durch die Ausführungen wird deutlich, dass KATWARN nur als Ergänzung zu einer Warnung über Sirenen gesehen werden kann und nicht an die Möglichkeiten einer gezielten, technisch sicheren  Warnung mit Lautsprechersystemen auf Einsatzfahrzeugen mit vorbeplanten Warnbezirken im Stadtgebiet herankommt. Unabhängig davon gilt es natürlich die weitere Entwicklung von KATWARN im Auge zu behalten. Nach Einschätzung des Amtes 37 stellt die strategische Entscheidung der Stadt Erlangen vor einigen Jahren für das bestehende Warnsystem aus Sirenen und Lautsprecherdurchsagen zum jetzigen Zeitpunkt immer noch den zielführendsten Weg für eine sichere Warnung der Bevölkerung dar.

 

Anlagen: -