Kurzbericht 33. Erlanger Poetenfest 2013

Betreff
Kurzbericht 33. Erlanger Poetenfest 2013
Vorlage
KPB/032/2013
Aktenzeichen
IV/47/BB012
Art
Mitteilung zur Kenntnis

Der Bericht der Verwaltung dient zur Kenntnis.

1. Zahlen und Fakten

 

Veranstaltungsorte................................................................................................................... 14

Veranstaltungen....................................................................................................................... 76

Mitwirkende.......................................................................................................................... 120

Besucher eintrittspflichtige Veranstaltungen...................................................................... 3.000

Besucher gesamt............................................................................................................... 13.500

 

Ausgaben Programm.................................................................................................. 105.000 €*

Ausgaben Personal (extern)......................................................................................... 40.000 €*

Ausgaben Technik/Mieten........................................................................................... 22.500 €*

Ausgaben Werbung/Drucksachen/Dokumentation...................................................... 18.500 €*

Ausgaben Sonstiges....................................................................................................... 4.000 €*

Ausgaben gesamt....................................................................................................... 190.000 €*

 

Einnahmen durch Kartenverkauf................................................................................. 20.000 €*

Einnahmen Sponsoring................................................................................................ 15.000 €*

Einnahmen Zuschüsse.................................................................................................. 30.000 €*

Einnahmen Sonstige.................................................................................................... 15.000 €*

Einnahmen gesamt....................................................................................................... 80.000 €*

 

Erforderliche Haushaltsmittel Erlangen..................................................................... 110.000 €*

 

* Beträge gerundet und vorläufig, Abrechnung noch nicht endgültig abgeschlossen

 

 

2.   Bilanz

2.1 Programm

 

Mit einem Autorenporträt der Georg-Büchner-Preisträgerin Felicitas Hoppe ging das 33. Erlanger Poetenfest zu Ende. Ein in diesem Jahr thematisch besonders breit gefächertes und politisches Poetenfest fand so seinen literarischen Abschluss. Kurz zuvor sprach der in Deutschland lebende syrische Autor Rafik Schami im ausverkauften Markgrafentheater über die aktuelle Lage in seiner Heimat und forderte dabei mehr „Aufrichtigkeit“ des Westens. Er sprach sich gegen eine militärische Intervention in Syrien aus, kritisierte aber die jahrelange Tatenlosigkeit hinsichtlich einer Unterstützung der syrischen Opposition.

Das erste Autorenporträt des diesjährigen Poetenfests war dem scheidenden Leiter des Hanser-Verlags und Lyriker Michael Krüger gewidmet. Es stand zunächst ganz im Zeichen des am gleichen Tag verstorbenen Literatur-Nobelpreisträgers Seamus Heaney, dem Michael Krüger sehr verbunden war. Im Laufe des Abends blickte Michael Krüger auf rund 40 Jahre Literaturgeschichte zurück, die von ihm maßgeblich mitgeprägt wurden. Den Ausblick auf die Zukunft überließ er seinem designierten Nachfolger Jo Lendle, der in der Gesprächsrunde „Warum Bücher?“ weitere tiefgreifende Änderungen der Verlagslandschaft und des Buchhandels prognostizierte.

 

Überraschend politisch entwickelte sich auch das Autorenporträt mit dem Philosophen Peter Bieri, der unter dem Pseudonym Pascal Mercier den Bestseller-Roman „Nachtzug nach Lissabon“ verfasst hat. Mit seinem soeben erschienenen philosophischen Buch „Eine Art zu Leben. Über die Vielfalt menschlicher Würde“ gab er dem diesjährigen Erlanger Poetenfest so etwas wie ein geheimes Motto. Das Thema Würde zog sich wie ein roter Faden durch das Programm, von der Frage, wie in der modernen Gesellschaft mit menschlicher Würde beim Altern und Sterben umgegangen wird, bis zu den gesellschaftlichen Folgen des NSA-Skandals. Besondere Brisanz wurde der traditionellen Sonntagsmatinee mit Armin Nassehi, Paul Nolte, Ingo Schulze, Gesine Schwan und Christoph Schwennicke durch die bevorstehende Bundestagswahl verliehen.

 

Begonnen hatte das 33. Erlanger Poetenfest mit der Verleihung des Erlanger Literaturpreises für Poesie als Übersetzung an die japanisch-deutsche Schriftstellerin Yoko Tawada. Über 80 Schriftstellerinnen und Schriftsteller, Publizisten und Literaturkritiker lasen in Erlangen vier Tage lang aus ihren aktuellen Neuerscheinungen und diskutierten literarische, gesellschaftliche und politische Fragestellungen. Die langen Lese-Nachmittage im Erlanger Schlossgarten, unter anderem mit den für den Deutschen Buchpreis nominierten Autoren Mirko Bonné, Norbert Gstrein, Jonas Lüscher, Terézia Mora und Monika Zeiner, der Bachmann-Preisträgerin Katja Petrowskaja, mit Helene Hegemann, Michael Köhlmeier, Monika Maron, Petra Morsbach und Peter Schneider, standen auch in diesem Jahr im Mittelpunkt des Publikumsinteresses.

 

Mit einem umfangreichen Kinder- und Jugendliteratur-Programm, der zehnten Erlanger Übersetzerwerkstatt, einem Sonderprogramm zum 250. Geburtstag von Jean Paul, der Bayern 2-Nacht der Poesie, dem Büchermagazin „Diwan“ von Bayern 2, unter anderem mit Uwe Timm, einer Performance mit Liao Yiwu, der Präsentation des vielbeachteten Romans „Diese Dinge geschehen nicht einfach so“ von Taiye Selasi, der „Living Library“ der Stadtbibliothek Erlangen, Konzerten, Ausstellungen, einem Poetry-Slam und vielem mehr zählte das 33. Erlanger Poetenfest zu den inhaltlich vielfältigsten und programmatisch anspruchsvollsten seiner Geschichte.

 

2.2 Besucherzahlen

 

Mit rund 13.500 Besuchern war das 33. Erlanger Poetenfest auch von den Besucherzahlen her eines der erfolgreichsten seiner Geschichte. Das Kulturprojektbüro war mit dem Besuch der Veranstaltungen durchgängig zufrieden. Nicht nur die klassischen Autorenporträts im Markgrafentheater und die Sonntagsmatinee waren erwartungsgemäß gut besucht und teilweise ausverkauft, auch die komplizierten und experimentellen eintrittspflichtigen Abendveranstaltungen fanden ihr Publikum und Sonderformate, wie beispielsweise der hervorragend besuchte Open-Air-Poetry-Slam im E-Werk, trugen ihren Teil zur sehr guten Gesamtbesucherzahl bei. Die parallel zu den langen Lesenachmittagen im Schlossgarten in der Orangerie stattfindenden Sonderveranstaltungen erfreuten sich außerordentlicher Beliebtheit. Durch die Übertragung der Veranstaltungen auf die Wiese vor der Orangerie kann die eigentlich zu geringe Platzkapazität der Orangerie kompensiert werden. Die Veranstaltungen im Schlossgarten waren trotz der am Samstag unsicheren und am Sonntag kühlen Wetterlage sehr gut besucht.

 

2.3 Kulturelle Bildung

 

Das Literatur-Programm für Kinder, Jugendliche und Familien ist ein wesentlicher Bestandteil des Erlanger Poetenfests. Neben acht Lesungen von Autorinnen und Autoren für unterschiedliche Altersgruppen, wurde auch in diesem Jahr wieder eine Bilderbuch-Lesewiese mit mehreren hundert Neuerscheinungen realisiert, die von professionellen „Vorlesern“ betreut wurde. Wie Buchstaben, Wörter und in Linol geschnittene Geschichten zu Gutenbergs Zeit aufs Papier kamen, konnten Kinder und Jugendliche wieder in der Druck-Werkstatt ausprobieren. In eigener Handarbeit hatten sie die Gelegenheit, mit zum Teil über 100 Jahre alten Buchstaben von Holzplakatschriften in verschiedenen Größen und Schriftarten aus der Häfner-Werkstatt zu experimentieren oder fantasievolle Motive in Linolplatten zu schnitzen und auf Papier zu stempeln oder zu drucken. Erstmals hatte das Kulturprojektbüro das Hamburger Kinderbuchhaus mit seinen Workshop-Angeboten zum Thema „Geheimzeichen“ und „Hosentaschenbücher“ eingeladen. Alle Angebote wurden hervorragend angenommen.

 

2.4 Medien-Resonanz

 

Zum Zeitpunkt der Erstellung dieser Vorlage waren die Arbeiten am Pressespiegel noch nicht abgeschlossen. Dennoch lässt sich festhalten, dass die Berichterstattung sehr umfangreich und durchgängig positiv war. Aktuelle politische und gesellschaftliche Fragestellungen sorgten darüber hinaus für eine ungewöhnlich hohe Aufmerksamkeit in der überregionalen Presse. Neben der Süddeutschen Zeitung und der Welt am Sonntag wurde auf stern.de, spiegel.de, focus.de usw. über das 33. Erlanger Poetenfest berichtet.

 

2.5 Finanzen

 

Das 33. Erlanger Poetenfest hat mit Gesamtausgaben von rund 190.000 Euro das gleiche gekostet wie im Jahr 2012. Nach gegenwärtigem Stand rechnet das Kulturprojektbüro ebenfalls mit stabilen Einnahmen. Dabei konnten etwas geringere Sponsoring-Einnahmen durch leicht höhere Eintritts-Einnahmen, vor allem aber durch einen erhöhten Zuschuss des Bayerischen Staatsministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst ausgeglichen werden. Obwohl die Abrechnung des Poetenfests zum Zeitpunkt der Erstellung dieser Vorlage noch nicht abgeschlossen ist, kann davon ausgegangen werden, dass sich das 33. Erlanger Poetenfest weitestgehend im vom Kulturprojektbüro kalkulierten Kostenrahmen bewegen wird.

 

2.6 Kooperationspartner/Unterstützer

 

Hauptsponsor des 33. Erlanger Poetenfests: AREVA.
Förderer: Das 33. Erlanger Poetenfest wurde aus Mitteln der Literaturförderung des Bayerischen Staatsministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst unterstützt. Die Lesung von Terézia Mora wurde von der Robert Bosch Stiftung aus dem Förderprogramm „Grenzgänger“ bezuschusst. Medienpartner: Erlanger Nachrichten, Bayern 2. Erlanger Literaturpreis für Poesie als Übersetzung: Kulturstiftung Erlangen. Kooperationspartner: Theater Erlangen, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, Druck & Buch e. V. Nürnberg, Literarisches Colloquium Berlin e. V. – www.literaturport.de, Stadtbibliothek Erlangen, Deutsche Akademie für Fußball-Kultur, Nürnberg, Kunstpalais Erlangen, Kunstverein Erlangen e. V., Poetry-Slam Erlangen, Kulturzentrum E-Werk, Lamm-Lichtspiele, Buchhandlung Ex Libris, Hamburger Kinderbuchhaus, Sixt GmbH & Co. Autovermietung KG Erlangen, Birke und Partner Kommunikationsagentur GmbH, InterFace AG, Nürnberg.

 

 

3. Zusammenfassung

 

Das 33. Erlanger Poetenfest war hinsichtlich seiner Programmatik und seiner Besucherzahlen überaus erfolgreich. Die Berichterstattung in den Medien war durchgängig positiv, die aktuellen und politischen Themen sorgten für eine ungewöhnlich hohe Aufmerksamkeit in der überregionalen Presse. Hinsichtlich der Finanzierung bewegt sich das 33. Erlanger Poetenfest im kalkulierten Rahmen.

 

 

4. Ausgewählte Pressestimmen

 

Erlanger Nachrichten, 2.9.2013

Poetische Melange

Das Erlanger Poetenfest entwickelt sich immer mehr zu einem Wunschkonzert für Anbieter und Gäste. Neben dem eigentlichen Literaturbetrieb gibt es mittlerweile einen ganzen bunten Strauß an Neben- und Parallelveranstaltungen: Ausstellungen, Kino, Impro-Jazz, Tanz mit DJs, eine Kunstbuch-Schau, Performances, Open Air Poetry Slam. Wer vieles bringt, bringt manchem etwas, lautet die Devise. Und wer dies jetzt als Kritik versteht, liegt falsch: Die vielen Angebote rund um das gedruckte und gesprochene Wort, um das Gezeigte und Gezeichnete, ums Gespielte und Spielerische kommt als süffige Melange gut an, weil Festival-Leiter Bodo Birk alle Teile zu einem Ganzen, zu einem Gesamtkunstwerk zusammenzufügen versteht.

 

Nürnberger Nachrichten, 2.9.2013

Nah dran an der Literatur: Erlanger Poetenfest setzt seine Erfolgsgeschichte fort

Literatur für die Massen, aber keineswegs Massenware: Beim Erlanger Poetenfest sind Autoren wie Besucher von der entspannten Atmosphäre angetan. Warum muss man zum Poetenfest gehen, wo es doch all die schönen Bücher auch im Laden (oder im Netz) zu kaufen gibt? Wer dort war (und es waren geschätzte 13.000), weiß die Antwort.

 

Nürnberger Zeitung, 2.9.2013

Was wir Liebe zu Büchern nennen

Und wieder hat das Wetter mitgespielt: Schon am Samstag fand sich im sonnigen Schlossgarten eine ungewöhnlich große Menge von Besuchern, aber auch gestern, als es weit schöner blieb als erwartet, lockte das 33. Erlanger Poetenfest mit seinen Lesungen und Gesprächen das Publikum in Strömen an. Besucherrekord? Nein, das will Organisator Bodo Birk gar nicht hören. Trotzdem: Durch das schöne Wetter sind dieses Jahr weit mehr als 13000 Besucher zum Poetenfest gekommen. Eine Erlanger Erfolgsgeschichte, bei der vom Poetry-Slam bis zum Autorenporträt wieder alles stimmte.

 

Süddeutsche Zeitung 3.9.2013

Glückliche Poeten

(…) So wurde aus Peter Bieri Pascal Mercier. Und aus dem Philosophen ein Dichter, der den „Nachtzug nach Lissabon“ schreiben sollte. Es sind solche Geschichten, die nach Erlangen locken, wo man von einer vermeintlichen Krise des Buchmarktes wenig zu spüren bekommt. 13000 Besucher kamen an vier Tagen, kaum dürften es je mehr gewesen sein. (…) Dieses Festival ist so eine Art Spätsommernachmittag der zeitgenössischen Literatur, wer noch nicht unter den Laubbäumen von Erlangen gelesen hat, darf als Exot gelten. Die Lyrikerin Tzveta Sofronieva (…) sagt auf dem Hauptpodium, sie stehe nun am „schönsten Ort zu lesen in Deutschland“. Man sagt solche Sachen, wenn man irgendwo eingeladen ist, schon klar. In Erlangen aber hört man das auffällig oft.

 

Bayerische Staatszeitung, 6.9.2013

Poesie und Politik

Wenn sich im wunderbaren Ambiente des Erlanger Schlossgartens und vor der Orangerie wie im barocken Markgrafentheater Tausende von Menschen vier Tage lang zum Erlanger Poetenfest einfinden und den Dichtern und Denkern lauschen, sich mit ihnen auf die Spuren von Jean Paul begeben, sich aber auch dem blutigen Kriegsgeschehen in Syrien aussetzen, sich die Gefährdungen unserer Demokratie vor Augen führen lassen oder sich der Angst einer globalen Überwachung aussetzen: Dann läuft das auf den Spagat zwischen Poesie und Politik (…) hinaus. Aber genau diese Stimmung war beim 33. Erlanger Poetenfest, das zu den größten Literaturfestivals in Deutschland gehört, fast mit Händen zu greifen: Sinnsuche von Menschen, die Antworten auf brisante Fragen der Zeit suchen.

 

Welt am Sonntag, 8.9.2013

Frankfurt? Leipzig? Erlangen!

Wenn's um Bücher und Autoren geht, den ganzen, schillernden Literaturzirkus, um Neuerscheinungen und ihre publikumswirksame Vermarktung, dann sind es die Buchmessen in Leipzig und Frankfurt, auf die man sich hierzulande fokussiert. Dementsprechend ist der Bohei. Wer wirklich mit Autoren ins Gespräch kommen will; wer im Trubel die leisen Töne vermisst und sich mehr für ernsthafte Debatten als für inszenierte PR interessiert (…), wird sich im Zweifel für Erlangen entscheiden. 13.000 Besucher an drei Tagen in Erlangen dürfen aber auch als ermunterndes Signal angesehen werden: Das Publikum jedenfalls hat das Interesse am Buch noch lange nicht verloren. Das 34. Erlanger Poetenfest ist jedenfalls schon terminiert (28.–31. August 2014). Und das ist gut so.

 

Anlagen: